„Die Fahrer, von denen wir uns im Frühjahr am meisten erhofft hatten, fallen aus“: Oliver Naesen besorgt über Decathlons lange Verletztenliste

Radsport
Samstag, 21 Februar 2026 um 9:30
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Für Oliver Naesen läuft der Saisonstart traditionell etwas zäh, denn die frühen Rennen dienen vor allem als Aufbau für die Kopfsteinpflaster-Klassiker. Während der Straßenkapitän von Decathlon CMA CGM erst auf Betriebstemperatur kommt, haben seine Teamkollegen bereits fünf Saisonsiege eingefahren. Der jüngste: Paul Seixas auf der zweiten Etappe der Volta ao Algarve.
„Wir sind in der Breite stark und es läuft sehr gut“, sagt Naesen mit sichtlicher Zufriedenheit über den Saisonauftakt von Decathlon CMA CGM im Gespräch mit Sporza.
Zwischen den Zeilen steckt jedoch ein „Aber“ – die Anführer des Teams wurden vom Pech hart getroffen. Olav Kooij verpasst wegen eines hartnäckigen Virus den Saisonstart, Tiesj Benoots gesamtes Frühjahr ist wegen eines Bandscheibenvorfalls dahin. Und am Donnerstag kam Anfahrer Robbe Ghys mit einem Schlüsselbeinbruch bei der UAE Tour auf die Ausfallliste.
„Wir haben 30 Fahrer im Team, und in einer Karriere von 10 bis 15 Jahren erwischt jeden mal das Pech, aber jetzt ist es in der Tat sehr viel auf einmal. Ausgerechnet die Fahrer, von denen wir im Frühjahr am meisten erwarteten, fallen aus. Unser Plan wurde schon kräftig umgestellt. Diese Jungs müssen ersetzt werden, das verändert vieles – für mich persönlich allerdings kaum.“

Frühjahr ohne Tiesj

Der Ausfall von Tiesj Benoot für die gesamte Frühjahrskampagne wiegt am schwersten. Der Belgier war Decathlons beste Option für ein Podium auf dem Pflaster, vielleicht sogar für einen Sieg. Stattdessen musste er sich wegen eines Bandscheibenvorfalls operieren lassen.
„Im Dezember hatte Tiesj im Trainingslager bereits große Probleme beim Sitzen und Gehen, aber nicht auf dem Rad“, erklärt Naesen. „Wir dachten an einen Muskelfaserriss vom Laufen, das macht er gerne. Doch trotz Ruhe im Januar wurde es schlimmer. Nach mehreren Scans stellte sich ein Bandscheibenvorfall heraus.“
Tiesj Benoot auf dem Podium 2025
Tiesj Benoot auf dem Podium 2025
„Tiesj geht sehr gut damit um, aber es ist zweifellos eine dunkle Phase. Er ist neu im Team, mit neuer Rolle und vielen Erwartungen. Das Frühjahr zu verpassen, ist extrem frustrierend.“
Benoots Abwesenheit lässt Naesen in der Teamhierarchie zwar aufrücken, dennoch hatte er sich darauf gefreut, für einen Kapitän mit Siegambitionen zu arbeiten – etwas, das dem französischen Team in den vergangenen Saisons fehlte: „Ich wollte mit Tiesj in den härteren Klassikern präsent sein. Letztes Jahr lag der Druck auf meinen Schultern, aber ich merke, dass es schwieriger wird, selbst ein Resultat zu holen. Jetzt muss ich den Tag retten helfen. Wir werden sehen, was das bringt.“

Druck prallt an Seixas ab

Es gibt jedoch auch Lichtblicke für Oliver Naesens Team: Paul Seixas setzt seinen schnellen Aufstieg bei der Volta ao Algarve fort, wo er die entscheidende zweite Etappe vor Juan Ayuso und Joao Almeida gewann. Der 35-jährige Belgier zeigt sich in seinen Einschätzungen über das junge Supertalent entsprechend beeindruckt.
„Ich schätze ihn sehr hoch ein“, sagt Naesen über seinen 19-jährigen Teamkollegen. „Aber er ist nicht der einzige gute Fahrer im Peloton, versteht sich. Ich glaube, das war der erste Sieg einer langen Serie. Er geht extrem reif damit um. Wenn ich daran denke, wie ich mit 19 war – lange her. Der Druck perlt an ihm ab wie Wasser an einer Ente.“
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