„Das sind schlechte Nachrichten für Remco Evenepoel“ – Bakelants warnt: Paul Seixas könnte den Tour-Podiumskampf komplett verändern

Radsport
durch Nic Gayer
Mittwoch, 06 Mai 2026 um 16:00
Paul Seixas und Remco Evenepoel bei Lüttich–Bastogne–Lüttich 2026
Der Kampf um die verbleibenden Podiumsplätze bei der Tour de France galt bereits vor dem Sommer als außergewöhnlich hart. Seit fünf Jahren dominieren Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard die Gesamtwertung und machten die ersten beiden Plätze praktisch unter sich aus. Für Fahrer wie Remco Evenepoel, Florian Lipowitz oder Juan Ayuso blieb damit vor allem der Kampf um Rang drei.
Nach Ansicht von Jan Bakelants könnte genau dieser Kampf nun jedoch noch deutlich komplizierter werden. Der ehemalige Profi glaubt, dass die Ankunft von Paul Seixas die Dynamik der Tour komplett verändern könnte.

Seixas sorgt mit Ausnahme-Frühjahr für Aufsehen

Der erst 19-jährige Franzose bestätigte am Montag offiziell, dass er in diesem Sommer sein Debüt bei der Tour de France geben wird. Bereits jetzt blickt Seixas auf eine der spektakulärsten Durchbruchssaisons der vergangenen Jahre zurück.
Paul Seixas, Tadej Pogacar und Remco Evenepoel auf dem Podium bei Lüttich–Bastogne–Lüttich 2026
Paul Seixas, Tadej Pogacar und Remco Evenepoel auf dem Podium bei Lüttich–Bastogne–Lüttich 2026
Mit seinen Siegen bei La Flèche Wallonne und der Baskenland-Rundfahrt, bei der er zusätzlich drei Etappensiege feierte, entwickelte sich der Franzose innerhalb weniger Wochen zu einem der meistdiskutierten Fahrer des gesamten Pelotons.
Den endgültigen Durchbruch in die absolute Weltspitze markierte jedoch sein Auftritt bei Lüttich–Bastogne–Lüttich. An der Côte de La Redoute war Seixas der einzige Fahrer, der Tadej Pogacar zunächst folgen konnte, ehe er das Monument schließlich als Zweiter hinter dem Weltmeister beendete.
Für Bakelants war diese Leistung ein Wendepunkt. „Nach Lüttich–Bastogne–Lüttich war ich komplett überzeugt“, erklärte er in seiner Analyse für HLN. „Dort hat er bewiesen, dass er den Motor hat, um die Tour ordentlich zu Ende zu fahren. Ich weiß, Lüttich ist ein Tag und die Tour sind drei Wochen, aber ich habe genug gesehen. Diese Leistung an der Redoute, wo er als Einziger Pogacar folgen konnte, war so beeindruckend, dass ich keine Zweifel mehr habe: Seixas ist ein Naturtalent sondergleichen.“

„Der Kampf ums Podium wird härter denn je“

Besonders deutlich wurde Bakelants beim Blick auf jene Fahrer, die hinter Pogacar und Vingegaard um die restlichen Spitzenplätze kämpfen dürften.
„Ich fürchte, das sind schlechte Nachrichten für Remco Evenepoel. Remco ist direkt bedroht“, sagte der Belgier. „Gleiches gilt für Fahrer wie Florian Lipowitz und Juan Ayuso. Ihre Chancen auf Rang drei werden plötzlich viel kleiner. Sie müssen wirklich ihr absolutes Maximum abrufen, denn der Kampf ums Podium wird härter denn je.“
Die Aussagen kommen in einer spannenden Phase der Saison. Evenepoel feierte 2026 bereits bedeutende Siege, unter anderem bei der Volta a la Comunitat Valenciana und beim Amstel Gold Race. Gleichzeitig sorgt die Vorbereitung des Belgiers auf die Tour für Diskussionen. Red Bull - BORA - hansgrohe verzichtet bewusst auf einen weiteren Rennblock und setzt stattdessen auf eine längere Trainingsphase, damit Evenepoel im Juli möglichst frisch an den Start geht.
Auch Florian Lipowitz hat sich in dieser Saison endgültig in der Weltspitze der Rundfahrer etabliert. Der Deutsche belegte bei der Baskenland-Rundfahrt hinter Seixas Rang zwei und wurde später auch bei der Tour de Romandie Zweiter hinter Pogacar – Resultate, die seine Podiumsambitionen zusätzlich unterstreichen.
Juan Ayuso dagegen erlebte bislang ein deutlich wechselhafteres Frühjahr. Zwar gewann der Spanier die Volta ao Algarve, doch mehrere Stürze und gesundheitliche Probleme warfen ihn in den folgenden Wochen zurück und verhinderten auch seine Teilnahme an den Ardennen-Klassikern.

Bakelants traut Seixas sofortige Überraschung zu

In dieses ohnehin extrem starke Feld stößt nun mit Seixas ein Fahrer, dem Bakelants sogar ein sofortiges Überperformen bei seiner ersten Tour zutraut.
„Ich werde nicht lügen: Ich halte die Chance auf ein Überperformen für hoch“, erklärte er. „Ein Szenario, in dem Seixas wirklich sein absolut Bestes herausholt. Ich rede nicht vom Sieg, aber davon, in den Bergen bis zur Ziellinie zu kämpfen.“
Dass ein 19-Jähriger direkt bei seiner ersten Grand Tour die Tour de France bestreitet, gilt im modernen Radsport eigentlich als absolute Ausnahme. Auch Bakelants räumte ein, dass Seixas sämtliche gewohnten Entwicklungsmuster sprengt.
„Ja, ich freue mich, dass Seixas die Tour fährt. Niemand weiß, was es bringen wird, aber seine Teilnahme wird definitiv extra Farbe reinbringen“, sagte er. „Normalerweise macht man das nicht. Ein 19-Jähriger fährt nicht die Tour, erst recht nicht als erste Grand Tour. Fahrer in seinem Alter bestreiten diesen Sommer die Tour de l’Avenir. Nicht Seixas. Dieser Kerl ist eine Sensation, er stellt alle Logik auf den Kopf. In seinem Fall wäre es eigentlich seltsam, wenn er die Tour nicht fahren würde.“
Trotz aller Euphorie wollte Bakelants den Franzosen jedoch noch nicht zu den absoluten Favoriten zählen. Vor allem bleibt offen, wie Seixas über drei Wochen hinweg auf höchstem Niveau im Hochgebirge bestehen kann.
„Ich behalte mir eine kleine Einschränkung vor, weil Seixas in den ganz hohen Bergen noch nie gegen die absolute Spitze gefahren ist“, erklärte Bakelants. „Aber haben Sie gesehen, was er mit Lipowitz bei der Baskenland-Rundfahrt gemacht hat?“
Ob Seixas dieses Niveau tatsächlich über die kompletten drei Wochen der Tour de France halten kann, zählt schon jetzt zu den spannendsten Fragen des Sommers.
Nach einem Frühjahr, in dem er Pogacar herausforderte, große Rundfahrten dominierte und sich in kürzester Zeit in die Podiumsdiskussion fuhr, behandelt im Peloton inzwischen allerdings kaum noch jemand den französischen Teenager wie einen gewöhnlichen Tour-Debütanten.
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