Neun Jahre lang war
Timo Roosen Teil einer der bemerkenswertesten Erfolgsgeschichten des modernen Radsports. Der Niederländer erlebte bei Visma - Lease a Bike hautnah mit, wie sich die Mannschaft vom Außenseiter zu einem der dominierenden Teams im internationalen Peloton entwickelte. Ausgerechnet 2023, als das Team erstmals alle drei Grand Tours innerhalb einer Saison gewann, endete seine Zeit bei der niederländischen Equipe. Roosen wechselte anschließend zu Picnic PostNL, wo er drei weitgehend ereignislose Jahre verbrachte. Nun steht der 33-Jährige vor einer ungewissen Zukunft und sucht nach einer Möglichkeit, seine Profikarriere über die Saison 2026 hinaus fortzusetzen.
Besonders schwer wiegt dabei ein Sturz im Frühjahr, der Roosen ausgerechnet während einer der wichtigsten Phasen des Rennkalenders für zwei volle Monate außer Gefecht setzte. Zwar schaffte er anschließend die Rückkehr ins Renngeschehen und erhielt sogar einen Startplatz bei der Vuelta a Espana, doch ohne nennenswerte Ergebnisse oder herausragende Leistungen konnte er seine Ausgangsposition für die anstehenden Vertragsverhandlungen kaum verbessern.
„Ich möchte wirklich weitermachen“ – Roosen gibt die Hoffnung nicht auf
„Das ist natürlich nicht das, was man sich in einem letzten Vertragsjahr wünscht“, räumte Roosen im Gespräch mit
WielerFlits ein. Die Verletzung und die damit verbundene lange Rennpause kamen für den erfahrenen Niederländer zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.
Dennoch weigert sich Roosen, angesichts seiner ungewissen Zukunft in Panik zu geraten. Solange auch nur eine kleine Chance auf einen neuen Vertrag besteht, möchte er diese nutzen. Die Gespräche über seine sportliche Zukunft überlässt er dabei weitgehend seinem Management. „Ich selbst bin deswegen nicht besonders gestresst. Ich tue einfach alles, was ich kann, und mein Manager kümmert sich um den Rest. Ich mische mich da nicht wirklich ein. Auch darüber, was passiert, mache ich mir keine Sorgen. Irgendwann werde ich es erfahren.“
An seiner eigenen Motivation lässt der 33-Jährige dagegen keinen Zweifel. Ein freiwilliger Abschied vom professionellen Radsport kommt für ihn derzeit nicht infrage. Im Gegenteil: Gerade die unfreiwillige Auszeit nach seinem Sturz hat ihm noch einmal vor Augen geführt, wie viel ihm der Sport bedeutet. „Nein, ich möchte wirklich weitermachen“, betonte Roosen entschlossen. „Radfahren macht mir noch immer großen Spaß, und ich fühle mich weiterhin sehr wohl. Während meiner Verletzung ist mir das vielleicht noch deutlicher geworden. Ich wollte einfach unbedingt wieder aufs Rad.“
Vom erfahrenen Helfer zum Mentor: Roosen will sein Wissen weitergeben
Bei Picnic PostNL hat sich Roosens Rolle in den vergangenen Jahren zunehmend verändert. Neben seinen Aufgaben als Fahrer rückte vor allem die Unterstützung der jüngeren Teamkollegen in den Mittelpunkt. Mit 33 Jahren gehört der Niederländer inzwischen zu den erfahrenen Profis im Peloton und kann auf zahlreiche Jahre auf höchstem Niveau zurückblicken. Diese Erfahrung möchte er auch künftig weitergeben, unabhängig davon, für welche Mannschaft er letztlich an den Start gehen wird.
Dass er schon bei seinem Wechsel zu Picnic PostNL als eine Art Routinier betrachtet wurde, nimmt Roosen mit Humor. „Als ich zu diesem Team kam, war ich 30, und sie taten schon so, als wäre ich alt“, scherzte er. Die Rolle als Mentor sei ihm praktisch von Beginn an zugedacht gewesen: „Diese Aufgabe war damals schon gewissermaßen für mich vorgesehen: mit jungen Fahrern zu arbeiten und meine Erfahrung weiterzugeben, etwa bei der Vorbereitung auf Sprints und in Besprechungen.“
Picnic PostNL vor schwierigem Umbruch: Zahlreiche Leistungsträger verlassen das Team
Ob Roosen diese Aufgabe auch 2027 bei Picnic PostNL übernehmen kann, bleibt offen. Die niederländische Mannschaft steht ohnehin vor erheblichen Herausforderungen. Finanzielle, sportliche und organisatorische Schwierigkeiten belasten das Team seit geraumer Zeit. Hinzu kommt ein personeller Aderlass, der die Qualität des Kaders für die kommende Saison weiter schwächen dürfte. Mit Pavel Bittner verliert Picnic PostNL seinen bisherigen Sprintkapitän an Pinarello Q36.5. Auch Fabio Jakobsen, Casper van Uden und Nils Eekhoff werden die Mannschaft verlassen.
Zumindest für die Sprintabteilung stehen bereits neue beziehungsweise zusätzliche Optionen bereit. Mit dem Franzosen Paul Penhoet, der in dieser Saison bei einer Etappe des Giro d'Italia auf das Podium fuhr, erhält das Team Verstärkung. Der erfahrene Jules Hesters könnte künftig als dritter Sprinter eingesetzt werden. Darüber hinaus hat sich Nachwuchsprofi Frits Biesterbos im Laufe des Jahres eindrucksvoll entwickelt und soll 2027 eine wichtige Rolle innerhalb der Mannschaft übernehmen.
In den Bergen ruhen die Hoffnungen weiterhin auf Max Poole. Das Team setzt darauf, dass sich der Brite vollständig erholt und in der kommenden Saison wieder uneingeschränkt ins Renngeschehen eingreifen kann. Zusätzliche Verstärkung erhält die Kletterfraktion aus den eigenen Nachwuchsreihen: Matteo Vanhuffel und Jurgen Zomermaand sollen den Sprung in die Profimannschaft schaffen. Beide haben ihr Potenzial bereits bei der Tour de l'Avenir unter Beweis gestellt, die Vanhuffel auf dem dritten und Zomermaand auf dem zehnten Gesamtrang beendete.