„Dann müssten wir wohl eine Codesprache vereinbaren“ – Belgien greift bei der Radsport-WM zu ungewöhnlichem Taktik-Trick

Radsport
durch Nic Gayer
Sonntag, 27 September 2026 um 11:00
Remco Evenepoel
Belgien arbeitet für die Radsport-WM am Sonntag an einer ungewöhnlichen Methode, um seine Fahrer auch in der Hitze des Rennens mit wichtigen Informationen zu versorgen. Weil der sonst übliche Teamfunk nicht zur Verfügung steht, sollen kleine Zettel an Wasserflaschen dabei helfen, entscheidende Nachrichten aus dem Betreuerstab ins Peloton zu übermitteln.
Die selten eingesetzte Taktik soll ein spezielles Problem lösen, mit dem Nationalmannschaften bei großen Meisterschaften konfrontiert sind. Während die Profis in ihren Trade-Teams über Funk und Ohrhörer mit Informationen versorgt werden, ist deren Einsatz bei der Radsport-WM nicht erlaubt.

Belgien sucht nach einer Lösung für den fehlenden Teamfunk

Diese Regel sorgt für eine ungewohnte Herausforderung und verändert gleichzeitig die Renndynamik. Die Fahrer erhalten kein permanentes Live-Feedback von ihren Teamchefs und Sportdirektoren im Begleitfahrzeug. Ohne unmittelbare Informationen über Ausreißergruppen oder Attacken gewinnt deshalb die Fähigkeit, die jeweilige Rennsituation auf der Straße selbst richtig einzuschätzen, zusätzlich an Bedeutung.
Wout van Aert vor den Weltmeisterschaften 2026 in Montreal
Wout van Aert ahead of the 2026 World Championships in Montreal
Belgien hat nun einen Plan getestet, um diese Kommunikationslücke zwischen Fahrern und Betreuern zumindest teilweise zu schließen: Kleine Zettel mit Informationen werden an den Bidons befestigt. Im U23-Straßenrennen am Freitag kam das System bereits zum Einsatz und funktionierte offenbar gut.
„Wir haben das am Freitag bei den U23 getestet“, erklärte Nationaltrainer Serge Pauwels gegenüber Sporza.
„Wir arbeiten wie jedes Jahr mit Tafeln, haben aber zusätzlich ein anderes System mit den Wasserflaschen entwickelt. Kein Hexenwerk, wissen Sie. Fast jede Runde nimmt fast jeder Fahrer eine Flasche. Und bei den U23 hat es gut funktioniert.“

Van Aert fordert Codesprache für die geheimen Botschaften

Für Wout Van Aert ist das Prinzip zwar nicht völlig unbekannt, selbst eingesetzt hat er es bislang jedoch noch nie. Gleichzeitig verwies der Belgier darauf, dass für die Nachrichten wohl eine eigene Codesprache notwendig sein dürfte. Schließlich sollen konkurrierende Nationen aus den Zetteln keine taktisch wertvollen Informationen ziehen können.
Van Aert machte zudem erneut deutlich, dass er grundsätzlich kein Befürworter von Rennen ohne Teamfunk ist und sich dessen Zulassung bei der Radsport-WM wünschen würde.
„Auch wenn ich so noch nie gefahren bin. Es wird neu für mich. Ich bin froh, wenn ich damit ein bisschen besser über die Rennsituation informiert bin. Ich bin kein Fan vom Fahren ohne Ohrhörer. Das habe ich oft gesagt.“
Mit Blick auf die Gefahr, dass Konkurrenten die belgischen Nachrichten entschlüsseln könnten, ergänzte er: „Daran hatte ich noch nicht gedacht, aber dann müssten wir wohl eine Codesprache vereinbaren.“
Auch Remco Evenepoel kann der Idee grundsätzlich etwas abgewinnen. Der Belgier sieht in Kanada allerdings noch praktische Herausforderungen. Schließlich muss sichergestellt werden, dass wichtige Botschaften tatsächlich den richtigen Fahrer zum richtigen Zeitpunkt erreichen.
„Wenn du eine Flasche verpasst und darauf eine wichtige Nachricht steht, hast du sie nicht gesehen. Das braucht noch Feinschliff und vielleicht muss auch etwas zugerufen werden. Aber es ist auf jeden Fall eine ziemlich gute Idee.“
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