Remco Evenepoel nutzt die Tour of Britain als Vorbereitung auf die Weltmeisterschaften. Der Soudal-Quick-Step-Fahrer bewies jedoch bereits seine starke Form und gewann die Königsetappe des Rennens. Auf dem walisischen Anstieg The Tumble riss der Olympiasieger erneut die Arme in die Höhe.
Schon am ersten Anstieg prüfte Evenepoel seine Konkurrenten. Ein Ausreißversuch war jedoch unmöglich: „Ich glaube, beim ersten Anstieg wollten wir sehen, wie es läuft, wir waren ziemlich schnell, aber auf den letzten drei Kilometern blies uns der Wind stark ins Gesicht. Ich merkte schnell, dass wir auf den Sprint warten mussten.“
Am letzten Anstieg zögerte Evenepoel zunächst, als Pavel Sivakov attackierte und zwei weitere Kletterer folgten. Ilan van Wilder schloss die Lücke, sodass ein Sprint unter rund einem Dutzend Fahrern unvermeidlich war. „Ilan hat einen tollen Job gemacht, um die Jungs zurückzubringen. Es lag an mir, einen Sprint hinzulegen. Ich weiß, dass ich nach einem harten Tag einen guten Sprint fahren kann. Ich habe mich darauf konzentriert und gewonnen.“
Fokus auf Gesamtwertung und Form
Im Schlusssprint setzte sich der Belgier durch, holte den Etappensieg und rückte bis auf zwei Sekunden an Spitzenreiter Romain Grégoire heran. „Es war ein sehr schöner Anstieg. Der erste Teil im Wald war wirklich hart, sehr steil. Danach wurde es etwas flacher – nicht flach, aber sieben bis acht Prozent. Die ersten acht Minuten sind wir sehr hart gefahren, danach war es mehr ein Katz-und-Maus-Spiel mit Angriffen und Warten. Bei dem starken Gegenwind mussten wir clever sein. Am Ende war der Fokus auf den Sprint die richtige Taktik.“
Evenepoel hat nun das Leadertrikot im Visier: „Ich versuche, das Grüne Trikot zu erobern. Es wird ein besonderer Tag, aber mit viel Regen. Ich werde mein Leben nicht riskieren, denn wichtige Rennen stehen bevor. Trotzdem möchte ich gerne die Gesamtwertung gewinnen, das wäre ein guter Selbstvertrauensschub nach meiner langen Wettkampfpause.“
Der Belgier zieht ein positives Zwischenfazit: „Alles läuft gut, ich erhole mich jeden Tag, die Zahlen sind gut, das Gefühl auch. In den ersten Tagen habe ich Luke Lamperti im Sprint unterstützt, dann selbst ein paar Trainingstage eingebaut. Ich bin zufrieden damit.“
Pascal MichielsSEO-Manager, Sportjournalist und Editor-in-chief
In meiner Nachbarschaft wuchs man mit der Tour de France auf. Sie war überall – es waren die letzten großen Jahre von Eddy Merckx. Wir waren Kinder, trugen Trikots und spielten die gesamte Rundfahrt nach. Zwei Brücken wurden zu unseren „Bergen“, und wir rasten über Straßen, als Autos noch nicht den Ton angaben. Mit 13 Jahren war mein Herz endgültig dem Radsport verfallen. In einem Urlaub in Frankreich durfte ich nach langem Drängen eine echte Bergetappe fahren – mit meinem Fahrrad von zu Hause, drei Gängen, Licht, dicken Reifen und Schutzblechen.
Ich brach früh auf, fuhr den Col de Joux Plane und anschließend Morzine-Avoriaz. Proviant: eine Tüte Kirschen, kein Wasser, keine Erfahrung. Von Les Gets aus wurde es trotzdem der glücklichste Tag meines Lebens. Als ich die Häuser auf halber Höhe des Joux Plane erreichte, wusste ich, dass ich nicht aufhören würde zu treten. Oben angekommen trank ich an einem Baumstamm – und spürte eine Freude, die ich bis heute mit dem Radsport verbinde. Im Tal stand die Entscheidung an: zurück oder weiter nach Avoriaz. Ich fuhr weiter, ohne anzuhalten, und schaffte auch den zweiten Anstieg. Mit meinem knallroten, eigentlich lächerlichen Rad überholte ich Fahrer auf echten Rennrädern. Wieder dieses Glück.
Dieses unverfälschte Gefühl begleitet mich bis heute – und es ist der Ursprung meiner Arbeit. Ich bin Chefredakteur von Radsportaktuell.de und verantworte die redaktionelle Ausrichtung der Plattform: Themenpriorisierung, Qualitätsstandards, Faktenprüfung und die konsequente Aktualisierung von Inhalten, sobald neue, verifizierte Informationen vorliegen. Neben der Leitung der Redaktion schreibe und editiere ich selbst und lege besonderen Wert auf klare Einordnung, präzise Sprache und nachvollziehbare Analysen.
Radsport ist für mich mehr als Leidenschaft. Er ist ein komplexer Leistungssport, der Kontext, Genauigkeit und Verantwortung verlangt – genau diesen Anspruch vertrete ich in unserer täglichen Berichterstattung.