Red Bull - BORA hansgrohe startet am Samstag mit dem Mannschaftszeitfahren in die Tour de France – und mit einer entscheidenden Frage, die viele Teams gar nicht haben: Wer ist der Kapitän?
Im Gesamtklassement hat das deutsche Team öffentlich betont, dass Remco Evenepoel und Florian Lipowitz eine doppelte Führung übernehmen. Die Equipe unterstreicht immer wieder die Gleichberechtigung, allerdings hat Teamchef Ralph Denk kürzlich offen angedeutet, dass letztlich Evenepoel die erste Option sein dürfte.
Beide standen in den vergangenen zwei Ausgaben auf dem Podium – Lipowitz 2025, Evenepoel 2024 – und gehen mit entsprechendem Selbstvertrauen an den Start. Ein Analyst sieht es jedoch anders als Denk und setzt Lipowitz an die Spitze der internen Hierarchie.
Im Podcast Live Slow, Ride Fast sagte Thomas Dekker: „Ich glaube, dass Lipowitz nach den vergangenen Monaten bei Red Bull - BORA hansgrohe sogar leicht höher in der Rangfolge steht.“
Evenepoels Tour-de-France-Vorbereitung
Viel wurde über Evenepoels Form vor dem Grand Départ spekuliert. Der Belgier ist seit Mitte April nach Lüttich–Bastogne–Lüttich nicht mehr im Rennen gewesen, setzte auf Trainingsblöcke und verzichtete auf Vorbereitungsrennen. Dekker meint, das spare die mentale Hypothek weiterer Rückschläge bei der Tour Auvergne-Rhône-Alpes, zugleich sei der Auftakt risikoreich.
Als ausgewiesener Zeitfahr-Spezialist wirft Dekker die Frage auf, wie Red Bull die offenkundige Stärke des Zeitfahr-Weltmeisters mit der Doppelspitze in Einklang bringt. Kurz gesagt: Er glaubt, dass das Ego eine Rolle spielen könnte und einer der beiden ein Zeichen setzen will.
Er sagte: „Das ist natürlich auch ein mentaler Faktor. Was, wenn du beim Dauphiné [Tour Auvergne-Rhône-Alpes, Anm.] wieder strauchelst… Es wird spannend zu sehen, was in diesem Team im Mannschaftszeitfahren passiert. Auch dort wird das Ego eine Rolle spielen.“
Dekker spricht Seixas und Evenepoel Chancen im Gesamtklassement ab
Mit Blick auf die Kräfteverhältnisse dämpft er die Erwartungen an Evenepoel und Teenager Paul Seixas: „Pogacar steht wirklich über allen. Vingegaard hat vielleicht eine kleine Chance. Aber Seixas und Evenepoel sicher nicht.“
Evenepoel betonte, er sei vor dem Wochenende in guter Verfassung, doch für Dekker waren solche Aussagen unausweichlich. In einer deutlichen Warnung erklärte er, er wolle derzeit nicht in der Haut des 26-Jährigen stecken.
„Natürlich muss er auch sagen, dass er so gut sein wird. Bei so einem Gehalt macht man so einen Move… Er ist zudem ein unbestrittener Seriensieger. Aber ich möchte nicht an seiner Stelle sein.“
Pascal MichielsSEO-Manager, Sportjournalist und Editor-in-chief
In meiner Nachbarschaft wuchs man mit der Tour de France auf. Sie war überall – es waren die letzten großen Jahre von Eddy Merckx. Wir waren Kinder, trugen Trikots und spielten die gesamte Rundfahrt nach. Zwei Brücken wurden zu unseren „Bergen“, und wir rasten über Straßen, als Autos noch nicht den Ton angaben. Mit 13 Jahren war mein Herz endgültig dem Radsport verfallen. In einem Urlaub in Frankreich durfte ich nach langem Drängen eine echte Bergetappe fahren – mit meinem Fahrrad von zu Hause, drei Gängen, Licht, dicken Reifen und Schutzblechen.
Ich brach früh auf, fuhr den Col de Joux Plane und anschließend Morzine-Avoriaz. Proviant: eine Tüte Kirschen, kein Wasser, keine Erfahrung. Von Les Gets aus wurde es trotzdem der glücklichste Tag meines Lebens. Als ich die Häuser auf halber Höhe des Joux Plane erreichte, wusste ich, dass ich nicht aufhören würde zu treten. Oben angekommen trank ich an einem Baumstamm – und spürte eine Freude, die ich bis heute mit dem Radsport verbinde. Im Tal stand die Entscheidung an: zurück oder weiter nach Avoriaz. Ich fuhr weiter, ohne anzuhalten, und schaffte auch den zweiten Anstieg. Mit meinem knallroten, eigentlich lächerlichen Rad überholte ich Fahrer auf echten Rennrädern. Wieder dieses Glück.
Dieses unverfälschte Gefühl begleitet mich bis heute – und es ist der Ursprung meiner Arbeit. Ich bin Chefredakteur von Radsportaktuell.de und verantworte die redaktionelle Ausrichtung der Plattform: Themenpriorisierung, Qualitätsstandards, Faktenprüfung und die konsequente Aktualisierung von Inhalten, sobald neue, verifizierte Informationen vorliegen. Neben der Leitung der Redaktion schreibe und editiere ich selbst und lege besonderen Wert auf klare Einordnung, präzise Sprache und nachvollziehbare Analysen.
Radsport ist für mich mehr als Leidenschaft. Er ist ein komplexer Leistungssport, der Kontext, Genauigkeit und Verantwortung verlangt – genau diesen Anspruch vertrete ich in unserer täglichen Berichterstattung.