
Tadej Pogacar hat 2024 vielleicht die beste Saison hinter sich, die es im Radsport je gegeben hat. Er war der erste Mann seit einem Vierteljahrhundert, der das Giro/Tour-Double gewann und dabei 12 Etappen für sich entschied. Zuvor hatte Pogacar die Strade Bianche und Lüttich-Bastogne-Lüttich mit zwei verblüffenden Solo-Attacken gemeistert, und dann trotzte er der Logik mit einer monströsen 100 Km Solo-Attacke, um das Feld wegzublasen und den Weltmeistertitel zu gewinnen. Eine Analyse von Fin Major (CyclingUpToDate).
Mit dem Gewinn des Weltmeistertitels in Zürich war er erst der dritte Mann, der die dreifache Krone gewann, nämlich den Giro, die Tour und den Weltmeistertitel in derselben Saison. Er war in diesem Jahr wirklich unschlagbar, und wir werden so etwas vielleicht nie wieder sehen, es sei denn, Pogacar hat andere Ideen.
Aber welches ist das Rennen, das er 2025 unbedingt gewinnen will?
Weiterlesen
Die naheliegende Antwort ist die Vuelta a Espana, die einzige große Rundfahrt, die Pogacar noch nicht gewonnen hat. Viele wollten, dass Pogacar in diesem Jahr versucht, das rote Trikot zu gewinnen, um der erste Mann zu werden, der alle drei großen Rundfahrten in derselben Saison gewinnt. Es scheint, dass Pogacar im nächsten Jahr ein Tour/Vuelta-Double in Erwägung zieht, aber das Rennen, das er unbedingt gewinnen will, ist das erste Monument des Jahres: Mailand-Sanremo.
In diesem Artikel werfe ich einen Blick darauf, warum der Slowene dieses Monument unbedingt gewinnen will, warum er es bisher nicht geschafft hat und ob 2025 das Jahr sein könnte, in dem er es schafft.
Was wurde gesagt?
Pogacars Wunsch, Mailand-Sanremo zu gewinnen, wurde von seinem Team und ihm selbst offen zugegeben. Fabio Baldato, der sportliche Leiter des UAE Team Emirates, war sich über die Absichten des Slowenen im Klaren. "Tadej will den Sanremo mehr als alles andere", sagte Baldato und unterstrich damit, wie wichtig das Monument für den besten Fahrer der Welt geworden ist. Er ging auf die technischen Herausforderungen des Rennens ein: "Es ist ein schnelles und technisches Rennen, aber es ist auch wahr, dass Tadej, wenn er sich ein Ziel setzt, es auch erreicht."
Für Pogacar ist Mailand-Sanremo nicht nur ein Rennen wie jedes andere, sondern vor allem eines, das er noch nicht gewonnen hat. Mit Blick auf seine früheren Leistungen sagte er: "Ich denke bereits darüber nach, wie ich fahren werde, um etwas anderes zu machen als in den vergangenen Jahren. Im Jahr 2025 wird es eine Herausforderung sein, aber ich werde versuchen zu gewinnen."

Tadej Pogacar
Diese Aussage zeigt, dass sich Pogacar der besonderen Herausforderungen von Mailand-Sanremo bewusst ist, einem Rennen, das weit mehr als eine unglaubliche Kletterleistung erfordert. Die Tatsache, dass er sich bereits auf das Rennen vorbereitet, unterstreicht, wie viel es ihm bedeutet, obwohl das Jahr 2025 noch nicht einmal begonnen hat.
Warum hat Tadej Pogacar nicht schon früher Mailand-Sanremo gewonnen?
Mailand-Sanremo ist nicht umsonst als "La Classicissima" bekannt. Die Mischung aus Länge, Anstiegen und unvorhersehbaren Zielankünften macht es zu einem der schwierigsten Rennen, die man gewinnen kann, da es von allem etwas hat.
2020
Bei seinem Debut bei Mailand-Sanremo im Jahr 2020 belegte Pogacar den 12. Platz. Es war ein Rennen, das von den Sprintern gezeichnet wurde, und der Poggio konnte nicht die entscheidenden Abstände schaffen, die Pogacar brauchte. In dieser Phase seiner Karriere war Pogacar noch dabei, sich in der Radsportwelt bekannt zu machen.
2022
Pogacar machte 2022 durch seine unzähligen Attacken im Rennen Schlagzeilen, insbesondere durch seine zahlreichen Angriffe auf dem Poggio. Seine klettertechnischen Fähigkeiten waren zu diesem Zeitpunkt sehr offensichtlich, aber der Superabstieg von Matej Mohoric besiegelte den Sieg. Mohorics technisches Können und seine Unerschrockenheit in der Abfahrt ließen Pogacar den Rückstand nicht mehr aufholen, so dass er am Ende 5. wurde.
2023
Bei der Ausgabe 2023 griff Pogacar auf dem Poggio erneut an, diesmal gegen seinen großen Rivalen Mathieu van der Poel, der sich trotz Pogacars Ausreißversuchen mit einer verblüffenden Solo-Attacke absetzte und das Rennen gewann. Pogacar beendete das Rennen auf dem 4. Platz, da er nicht in der Lage war, van der Poel in der Abfahrt zu folgen. Am Ende stand die Ausgabe 2023 ganz im Zeichen von Mathieu van derPoel, der eine Klasse für sich war.
2024
2024 unternahm Pogacar einen weiteren mutigen Versuch, indem er am Poggio attackierte, um das Feld zu spalten, aber erneut wurde er von Mathieu van der Poel verfolgt. Das Rennen endete schließlich in einem Sprint, aus dem van der Poels Teamkollege Jasper Philipsen als Sieger hervorging. Pogacars dritter Platz zeigt das immer wiederkehrende Problem, dass die starken Sprinter seinen Vorsprung auf den letzten Kilometern neutralisieren.

Mathieu van der Poel
Bei all diesen Ausgaben hatte Pogacar stets mit zwei Hauptfaktoren zu kämpfen: der Unberechenbarkeit des Poggio und der Tatsache, dass er von stärkeren Fahrern überholt wurde. Der Poggio ist zwar steil genug, um Kletterer zu begünstigen, aber nicht lang oder anspruchsvoll genug, um einen entscheidenden Split zu garantieren. Außerdem können sich auf der Abfahrt und im flachen Ziel oft Gruppen bilden, so dass Pogacar anfällig für schnellere Fahrer ist. Wenn er sie auf dem Poggio nicht abhängen kann, gibt es vermutlich Fahrer mit mehr Kraft in den Beinen, die ihn im Sprint hinter sich lassen können.
Kann Pogacar 2025 in Mailand-Sanremo gewinnen?
Er kann es auf jeden Fall, und wenn er es schafft, wird Paris-Roubaix das einzige Monument sein, das er noch gewinnen kann. Aber dafür muss er vielleicht seine Herangehensweise überdenken. Die Cipressa und der Poggio sind die beiden Schlüsselanstiege, aber keiner davon ist besonders lang oder steil. Während sich Pogacar auf diesem Terrain auszeichnet, begünstigt die Nähe des Poggio zum Ziel oft Sprinter und Allrounder, die es schaffen, sich zu halten, während die Bergfahrer den Poggio hinauffahren. Um zu gewinnen, muss Pogacar vielleicht früher angreifen, vielleicht auf der Cipressa, um ein selektiveres Rennen zu erzwingen, bevor er den Poggio erreicht. Wenn es ihm gelingt, allein oder mit anderen Bergfahrern ins Finale zu kommen, wäre ihm der Sieg fast sicher, da er einen stärkeren Sprint hinlegen kann als die anderen GC-Fahrer.
Die Abfahrt vom Poggio und die flache Anfahrt nach Sanremo sind ebenfalls entscheidende Elemente. Pogacars Konkurrenten, vor allem solche mit starken Abfahrtsfähigkeiten wie Matej Mohoric oder solche mit Sprintfähigkeiten wie Jasper Philipsen, stellen eine große Bedrohung dar. Pogacar muss nicht nur am Anstieg einen Vorsprung herausfahren, sondern ihn auch in der technischen Abfahrt und auf dem letzten Stück halten. Pogacar sollte sich also vor Tom Pidcock und Mohoric in Acht nehmen, wenn sie in der Abfahrt den Anschluss nicht verlieren.
In Anbetracht von Pogacars verrücktem Katalog von Fernangriffen im Jahr2024 könnte er in Erwägung ziehen, einen solchen zu einem früheren Zeitpunkt des Rennens zu starten, möglicherweise auf der Cipressa. Indem er den Rhythmus des Pelotons stört und die Rivalen zur Verfolgung zwingt, könnte Pogacar die stärksten Sprinter vor dem Poggio ausschalten. Wie schon bei der Weltmeisterschaft, der Lombardei-Rundfahrt und den Strade Bianche im Jahr 2024 könnte Pogacar versuchen, das Rennen zu beenden, bevor die anderen eine Chance haben, loszulegen.
Mailand-Sanremo 2025 zu gewinnen, wird nicht einfach sein, aber Pogacars unbändiger Wille, das Rennen zu gewinnen, bedeutet normalerweise, dass er es schafft. Wenn er es schafft, das Rennen zu sprengen, bevor es zu einem Sprint kommt, werden Mathieu van der Poel, Jasper Philipsen oder Wout Van Aert keine Chance haben, ihn zu überholen.
Quereingestiegener Schreiber für Radsport, Tennis oder auch mal Darts.
Klatscht 0Besucher 0
Gerade In
Beliebte Nachrichten
Aktuelle Kommentare
- Also bitte, 1 MRT und man weiß bescheid. Vorausgesetzt die Ärzte sind keine Vollpfosten. Ich schreibe das, weil schon wieder PPNl das Thema ist.Wurm30-10-2026
- Wer ist Kimi Antonelli und hat Mercedes jetzt ein Radteam?Wurm29-10-2026
- Sorry für meine Vertipper. Seltsam, dass man nichtmal 5 Minuten lang editieren kann.Wurm25-10-2026
- Ich bon etwas verwirrt, das ganze Jahr hieß es "Ineos hat mit Netcompany nen 100 Millionen Euro Fisch an Land gezogen. Plus das Total Enerfie Geld sollte doch genug vorhanden sein. Oder hat ne absurde Ablöse für Onley alles verbraucht? Dann sollte dwe Verantwortliche evtl gehangen werden ;)Wurm25-10-2026
- Hoffe sie setzen sich durch, ist überfällig und so kann's ja echt nicht weitergehen.Bonos10-10-2026
- Die 120. Lombardei-Rundfahrt 2026 führt am 10. Oktober 2026 über 239 Kilometer von Bergamo nach Como. Ohne den verletzten Seriensieger Tadej Pogačar ist das Rennen völlig offen, wobei die taktische Ausrichtung der Top-Teams von der Streckenänderung geprägt ist: Der Muro di Sormano entfällt, dafür entscheidet ein anspruchsvoller Schlussrundkurs mit dem Doppelpack aus Civiglio und San Fermo della Battaglia das Rennen. Taktische Ausrichtungen der Favoriten-Teams Soudal Quick-Step (Remco Evenepoel) Frühzeitige Solo-Attacke: Evenepoel setzt nach dem EM-Titel auf ein langes Solo oder eine gut getimte Attacke an den letzten Steigungen (Civiglio/San Fermo), um seine Stärke im gleichmäßigen, hohen Tempo auf den flachen/abfallenden Passagen auszuspielen. UAE Team Emirates-XRG (Brandon McNulty, Isaac del Toro) Offensive Mehrfach-Optionen: Ohne Pogačar fährt das Team mannschaftsdienlich aggressiv. Weltmeister McNulty und Del Toro müssen das Rennen früh schwer machen, können aber durch Überzahl im Finale (mit Yates, Großschartner etc.) taktisch variieren. Red Bull – Bora – hansgrohe (Jai Hindley, Primož Roglič, Giulio Pellizzari) Dreifachspitze & Kontrolle: Das Team verfügt über eine starke Kapitänsdichte. Die Taktik dürfte darauf abzielen, das Rennen in den ersten harten Kilometern und am Ghisallo schwer zu halten und mit verschiedenen Karten im Finale zu attackieren. Lidl – Trek (Giulio Ciccone) Am Rad bleiben & Explosivität: Ciccone bewies bei der EM, dass er steile Anstiege mit den Besten gehen kann. Seine Taktik wird sein, Evenepoel oder andere explosive Fahrer am Civiglio zu kontrollieren und auf seine Sprintstärke im Finale zu setzen. Schlüsselfaktoren für den Rennverlauf Frühe Härte: Bereits in den ersten 80 Kilometern und am Anstieg zur Madonna del Ghisallo wird das Feld ausgedünnt. Helferteams wie UAE oder Red Bull müssen hier früh das Tempo bestimmen. Das Finale (Civiglio & San Fermo): Nach der ersten Überquerung von San Fermo folgt der steile Anstieg nach Civiglio (9,7 % Schnitt), der als Hauptsprungbrett für den entscheidenden Angriff dient. Wer hier eine Lücke reißt, kann über die finale Abfahrt und das letzte Mal San Fermo (5 km bis ins Ziel) durchziehen.gregmann09-10-2026
- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026








