ANALYSE | Tadej Pogacar vs Eddy Merckx vs Stephen Roche: Wer fuhr die bessere Triple Crown-Saison?
Radsport
Was sich am Sonntag, den 29. September 2024, in Zürich ereignete, war vielleicht einer der größten Radsport- und Sportmomente, die man je erlebt hat. Tadej Pogacar zementierte seinen Platz unter den ganz Großen des Radsports mit einer Leistung, die für Generationen in Erinnerung bleiben wird. Der Slowene attackierte 100 Kilometer vor dem Ziel und gewann das Straßenrennen der Weltmeisterschaft im Alleingang, wobei er zum ersten Mal in seiner Karriere das Regenbogentrikot trug. Diese kühne Fahrt weckte Erinnerungen an die goldenen Zeiten des Radsports in einer Saison, in der Pogacar in einer eigenen Liga fuhr und Rennen um Rennen gewann.
Pogacars Saison endete nicht nur mit dieser monumentalen Leistung. Mit dem Gewinn seines ersten Rosa Trikots beim Girod'Italia im Mai, zwei Siegen bei Monumenten und seinem dritten Sieg bei der Tour de France hat seine Kampagne 2024 eine Debatte darüber ausgelöst, ob sie als die größte im modernen Radsport gilt. Am Freitagabend wurden die Ehrungen fortgesetzt, als er die Eddy Merckx Trophy und den Velo d'Or als Anerkennung für sein atemberaubendes Jahr erhielt.
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Aber wo steht Pogacars Saison im Vergleich zu den historischen Jahren von Eddy Merckx und Stephen Roche, zwei Fahrern, die ebenfalls die schwer fassbare Triple Crown erreichten? Und warum sind wir als Fans immer so interessiert an diesen Vergleichen zwischen den Epochen? Dieser Frage soll sich die folgende Analyse im Detail widmen.
Pogacar geht in die Geschichtsbücher ein
Tadej Pogacars Saison 2024 war die Saison, die ihm viele nach 2021 zugetraut hatten, bevor Jonas Vingegaard seinen Lauf stoppte und sich als sein einziger echter Rivale entpuppte. Er gewann nicht nur das Straßenrennen der Weltmeisterschaft im September, sondern nur zwei Wochen später zum vierten Mal in Folge die Lombardei-Rundfahrt. Sein Triumph bei der Tour de France - sein dritter insgesamt - brachte sechs Etappensiege, genauso viele wie beim Giro.
Pogacars Siege bei zwei Monumenten, Lüttich-Bastogne-Lüttich und der Lombardei-Rundfahrt, waren ein weiterer Beweis für sein unschlagbares Niveau in dieser Saison. Zusammen mit seinen anderen Erfolgen verhalfen ihm diese Ergebnisse dazu, sowohl die Eddy Merckx-Trophy als auch den Velo d'Or 2024 zu gewinnen, und es bestand nie ein Zweifel daran, dass er diese Auszeichnungen erhalten würde.
Bis heute haben nur zwei Fahrer, Eddy Merckx 1974 und Stephen Roche 1987, die begehrte Triple Crown erreicht, indem sie eine Grand Tour, die Straßen-WM und ein Monument im selben Jahr gewonnen haben. Pogacars Aufnahme in diesen exklusiven Club ist wohlverdient, und viele argumentieren, dass seine Kampagne 2024 die von Roche übertrifft und sogar mit Merckx' besten Saisons konkurriert.

Eddy Merckx
Der Name Eddy Merckx ist in jeder Diskussion über Radsportgrößen ein Begriff. Der Belgier, der auch als The Cannibal bekannt ist, dominierte den Radsport wie kein anderer: 11 Grand-Tour-Siege, 19 Monument-Siege, drei Weltmeisterschaften und erstaunliche 525 Karriere-Siege.
Merckx selbst war voll des Lobes über Pogacars Weltmeisterschaftsfahrt. "Sein Sieg war außergewöhnlich, sicherlich einzigartig", sagte Merckx gegenüber Relevo. "Etwas, das man im Radsport selten gesehen hat."
Merckx zog jedoch schnell einen Schlussstrich, als Vergleiche mit seiner eigenen Karriere gezogen wurden. "Ich glaube nicht, dass Pogačar besser ist als Eddy Merckx. Er hat erst drei Tours gewonnen. Er hat noch einen langen Weg vor sich, um besser zu sein als Eddy Merckx", stellte er klar.
Merckx' Skepsis unterstreicht die Herausforderung, die Pogacar auf dem Papier darstellt, wenn es darum geht, die Lücke zur belgischen Legende in Sachen Statistik zu schließen. Mit gerade einmal 26 Jahren hat Pogacar drei Tours de France, einen Girod'Italia, sieben Monument-Siege und 92 Karrieresiege auf dem Konto. Das sind erstaunliche Zahlen für sein Alter, aber sie reichen immer noch nicht an die beeindruckende Bilanz der belgischen Legende heran, wenn man sich nur auf die Statistik stützt.
Dennoch gibt es klare Wege für Pogacar, sich an Merckx heranzuarbeiten, angefangen bei: Mailand-Sanremo. Mailand-Sanremo, eines von zwei Monumenten, die er noch nicht gewonnen hat, ist das Rennen, das Pogacar und sein Team im nächsten Jahr am meisten gewinnen wollen. Und dann ist da natürlich noch die Vuelta a Espana, das letzte Rennen, das er braucht, um seine Reihe von Grand-Tour-Titeln zu vervollständigen.
Stephen Roches unglaubliche Saison 1987
Stephen Roches Triple Crown im Jahr 1987 gilt als einer der größten Erfolge im Radsport in einem Jahr. In dieser Saison gewann der Ire den Giro d'Italia, die Tour de France, die Straßenweltmeisterschaft und die Tour de Romandie. Im Gegensatz zu Merckx, der seine Dominanz über ein Jahrzehnt aufrechterhielt, war Roches Höhepunkt nur von kurzer Dauer, da er nach einem Sturz 1986 in Großbritannien an einer chronischen Knieverletzung litt.
In einem Gespräch mit L'Équipe äußerte Roche seine Bewunderung für Pogacars Saison 2024. "Er hatte alles, was er brauchte, um dieses Triple zu schaffen. Wir waren überrascht, ohne überrascht zu sein", sagte Roche und betonte, dass Pogacars Talent und die unglaubliche Unterstützung durch das UAE Team Emirates perfekt für seine historische Kampagne waren.
Roche schloss sich jedoch Merckx' Warnung an, Pogacaras zum Größten aller Zeiten zu ernennen. "Der Größte seiner Zeit, ja, aber man muss respektieren, was Merckx, Indurain und all die anderen geleistet haben", betonte Roche: "Er ist der Beste des Augenblicks. Und er wird in jedem Fall einer der Größten aller Zeiten sein, aber wir werden am Ende Bilanz ziehen, und davon sind wir noch weit entfernt."
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Auf dem Papier übertrifft Pogacars Saison 2024 die von Roche 1987 in Bezug auf die Anzahl der Siege. Während Roches Siege an sich schon unglaublich waren, setzten Pogacars Leistungen im Jahr 2024, insbesondere seine Solotriumphe in Zürich, Strade Bianche und in der Lombardei, neue Maßstäbe für den modernen Radsport.
Mit Blick auf das Jahr 2025 hat Tadej Pogacar klare Ziele: Der Sieg bei Mailand-Sanremo steht ganz oben auf seiner Liste, ebenso wie der Gewinn der Vuelta a Espana, um seine Grand-Tour-Sammlung zu vervollständigen. Allerdings wird es keine leichte Aufgabe sein, das Niveau der Spitzenleistungen von 2024 zu halten.
Die Konkurrenz wird immer stärker. Jonas Vingegaard, Remco Evenepoel und Primoz Roglic, drei von Pogacars schärfsten Konkurrenten, mussten alle 2024 erhebliche Rückschläge hinnehmen, werden aber voraussichtlich im nächsten Jahr wieder in Topform sein. Letztes Jahr um diese Zeit hatte Vingegaard Pogacar bei der Tour 2023 die schwerste Niederlage seiner Karriere beigebracht, was zeigt, wie schnell sich die Formkurve im Profiradsport ändern kann. Wie Stephen Roche feststellte: "Es liegen noch einige große Tours de France vor uns, und ich denke, das Niveau wird sich etwas angleichen." Und ist das nicht eine tolle Nachricht für die Fans?
Warum vergleichen wir zwischen den Epochen?
Die unglaubliche Saison 2024 von Pogacar hat die Debatte über die Zeitlosigkeit neu entfacht: Was ist das Beste von heute im Vergleich zu den Legenden der Vergangenheit? Die Fans sind oft schnell dabei, Parallelen zwischen den Epochen zu ziehen, aber solche Vergleiche sind voller Komplexität, und warum sind wir immer so besessen von Vergleichen zwischen den Generationen?
Ein Grund für diese Besessenheit ist die anhaltende Anziehungskraft wahrer sportlicher Größe. Ob Eddy Merckx in den 1970er Jahren, Stephen Roche in den 1980er Jahren oder Tadej Pogacar heute, jede Generation bringt Leistungen hervor, die sich in das Gedächtnis der Fans einbrennen. Der Vergleich dieser Leistungen bietet eine Möglichkeit, die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verbinden und eine Geschichte zu erzählen, die Jahrzehnte umspannt und die Fan-Lieblinge von damals im Gespräch von heute hält.
Wie Roche und Merckx jedoch beide betonten, kommt es auf den Kontext der jeweiligen Ära an, und das kann man gar nicht genug betonen. Fortschritte in der Technologie, den Trainingsmethoden und den Rennstrategien machen direkte Vergleiche fast unmöglich, und Merckx dominierte in einer Ära mit weniger spezialisierten Fahrern, während das heutige Feld wettbewerbsfähiger ist als je zuvor.
Klar ist jedoch, dass Pogacar der talentierteste Fahrer der aktuellen Ära ist. Mit 26 Jahren hat er bereits mehr erreicht als die meisten Fahrer in ihrer gesamten Karriere. Und es ist nicht zu leugnen, dass seine Saison 2024 mindestens zu den drei besten Einzelsaisons aller Zeiten gehört. Während Pogacar sich darauf vorbereitet, 2025 wieder Rennen zu fahren, ist klar, dass er 2024 nur in den Geschichtsbüchern auftauchte. Die Frage ist nun, wie seine Konkurrenten nahe genug herankommen können, um mit ihm zu konkurrieren, so dass wir nicht nur mythische Rennen als Konkurrenz für den unaufhaltsamen Slowenen heraufbeschwören müssen.
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🏆 Tadej Pogacar is the 2024 Men's Vélo d'Or!
— L'ÉQUIPE (@lequipe) December 6, 2024
🏆 Tadej Pogacar est le Vélo d'Or Hommes 2024 !#velodor pic.twitter.com/ZNOrBnQDq6

Nic GayerRedakteur
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Für Radsportaktuell.de berichtet er über den professionellen Radsport und begleitet das Geschehen von der WorldTour bis zu wichtigen nationalen und internationalen Rennen. Sein Schwerpunkt liegt auf Vorberichten, Rennzusammenfassungen und Analysen, mit denen er Entwicklungen im Peloton klar einordnet.
Bei seiner Arbeit wird Nic von den Kolleginnen und Kollegen der Schwesterplattform CyclingUpToDate unterstützt, wodurch er regelmäßig direkten Zugang zu Teams, Fahrern und offiziellen Terminen erhält. Er arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus. In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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- Die 120. Lombardei-Rundfahrt 2026 führt am 10. Oktober 2026 über 239 Kilometer von Bergamo nach Como. Ohne den verletzten Seriensieger Tadej Pogačar ist das Rennen völlig offen, wobei die taktische Ausrichtung der Top-Teams von der Streckenänderung geprägt ist: Der Muro di Sormano entfällt, dafür entscheidet ein anspruchsvoller Schlussrundkurs mit dem Doppelpack aus Civiglio und San Fermo della Battaglia das Rennen. Taktische Ausrichtungen der Favoriten-Teams Soudal Quick-Step (Remco Evenepoel) Frühzeitige Solo-Attacke: Evenepoel setzt nach dem EM-Titel auf ein langes Solo oder eine gut getimte Attacke an den letzten Steigungen (Civiglio/San Fermo), um seine Stärke im gleichmäßigen, hohen Tempo auf den flachen/abfallenden Passagen auszuspielen. UAE Team Emirates-XRG (Brandon McNulty, Isaac del Toro) Offensive Mehrfach-Optionen: Ohne Pogačar fährt das Team mannschaftsdienlich aggressiv. Weltmeister McNulty und Del Toro müssen das Rennen früh schwer machen, können aber durch Überzahl im Finale (mit Yates, Großschartner etc.) taktisch variieren. Red Bull – Bora – hansgrohe (Jai Hindley, Primož Roglič, Giulio Pellizzari) Dreifachspitze & Kontrolle: Das Team verfügt über eine starke Kapitänsdichte. Die Taktik dürfte darauf abzielen, das Rennen in den ersten harten Kilometern und am Ghisallo schwer zu halten und mit verschiedenen Karten im Finale zu attackieren. Lidl – Trek (Giulio Ciccone) Am Rad bleiben & Explosivität: Ciccone bewies bei der EM, dass er steile Anstiege mit den Besten gehen kann. Seine Taktik wird sein, Evenepoel oder andere explosive Fahrer am Civiglio zu kontrollieren und auf seine Sprintstärke im Finale zu setzen. Schlüsselfaktoren für den Rennverlauf Frühe Härte: Bereits in den ersten 80 Kilometern und am Anstieg zur Madonna del Ghisallo wird das Feld ausgedünnt. Helferteams wie UAE oder Red Bull müssen hier früh das Tempo bestimmen. Das Finale (Civiglio & San Fermo): Nach der ersten Überquerung von San Fermo folgt der steile Anstieg nach Civiglio (9,7 % Schnitt), der als Hauptsprungbrett für den entscheidenden Angriff dient. Wer hier eine Lücke reißt, kann über die finale Abfahrt und das letzte Mal San Fermo (5 km bis ins Ziel) durchziehen.gregmann09-10-2026
- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026









