ANALYSE | Giro dell'Emilia 2024: Kann Tadej Pogacar seinen ersten Sieg als Weltmeister einfahren?
Radsport
An diesem Wochenende findet der prestigeträchtige Giro dell'Emilia 2024 statt, das wichtigste Rennen im Vorfeld der Lombardei. Der Giro dell'Emilia, der die Radsportfans seit langem in seinen Bann zieht und für sein dramatisches Finale am Berg bekannt ist, verspricht auch in diesem Jahr am 5. Oktober wieder ein spannendes Spektakel mit einem Staraufgebot, zu dem auch der amtierende Sieger fast aller großen Rennen, Tadej Pogacar, gehört.
Aber es gibt eine überraschende Tatsache: Trotz seiner Dominanz in der Radsportwelt hat Pogacar den Giro dell'Emilia noch nie gewonnen. Ja, der Slowene, ein Fahrer mit einem fast mythischen Lebenslauf, hat diesen anspruchsvollen Klassiker noch nicht gewonnen. Es ist eines der wenigen Rennen, an denen er teilgenommen und noch nie gewonnen hat, ähnlich wie Mailand-Sanremo. Aber wird der neue Träger des Regenbogentrikots in diesem Jahr endlich als Erster die Ziellinie auf der berühmten San-Lucac-Etappe überqueren? RadsportAktuell setzt sich in Zusammenarbeit mit CyclingUpToDate in dieser Analyse mit eben jener Frage auseinander.
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Eine einzigartige Herausforderung
Der Giro dell'Emilia hat zwar nicht den Status eines WorldTour-Rennens, aber sein Prestige ist unbestreitbar. Das Rennen, das in der italienischen Region Emilia-Romagna ausgetragen wird, ist für sein brutales Finale an den steilen Hängen des San-Luca-Anstiegs berühmt. Das Peloton wird mehrere Anstiege dieses Anstiegs bewältigen müssen, der nicht nur optisch atemberaubend ist, sondern auch ein Test für schiere Ausdauer und explosive Kraft. Der Rundkurs um Bologna, der in dem brutalen 2,1 km langen San-Luca-Anstieg gipfelt, bildet einen dramatischen Abschluss, der schon viele Radsportgrößen in den letzten Momenten scheitern ließ.
Der Giro dell'Emilia hat schon immer ein Weltklassefeld angezogen, und 2024 ist das nicht anders. Frisch von den Weltmeisterschaften in Zürich und auf dem Weg zum letzten Monument der Saison, der Lombardei-Rundfahrt, dient das Rennen als Lackmustest für Fahrer, die ihr Jahr mit Stil abschließen wollen.
Tadej Pogacar: Das fehlende Stück in einer historischen Saison
Das Jahr 2024 war für Tadej Pogacar geradezu legendär. Sein Sieg beim Straßenrennen der Weltmeisterschaft am vergangenen Wochenende in Zürich war die Krönung, denn er fügte das Regenbogentrikot zu seiner bereits glanzvollen Sammlung hinzu. Allein in diesem Jahr hat Pogacar die Tour de France und den Giro d'Italia gewonnen und ist damit erst der dritte Fahrer in der Geschichte, der das Triple geschafft hat. Viele bezeichnen seine Saison 2024 bereits als eine der größten in der Geschichte des Sports.
Trotz all seiner Auszeichnungen gibt es in Pogacars Palmarès ein paar seltene Lücken, und der Giro dell'Emilia ist eine davon. Der Slowene bereitet sich auf sein letztes Saisonziel vor, die Lombardei-Rundfahrt, die er bereits dreimal in Folge gewonnen hat, und er wird darauf brennen, diesen italienischen Klassiker in seine Siegesliste aufzunehmen.
Die Form von Pogacar ist unbestreitbar. Bei der diesjährigen Tour de France, die drei Tage lang in Italien stattfand, sahen wir ihn am Anstieg von San Luca angreifen. Auf der 2. Etappe distanzierten Pogacar und Jonas Vingegaard ihre Konkurrenten am Doppelanstieg der Madonna di San Luca und stellten einen inoffiziellen Rekord von 5:06 für den Anstieg auf, 16 Sekunden schneller als Primoz Roglics bisherige Bestmarke. Dieser Anstieg liegt ihm sehr gut. Kann er an diesem Wochenende endlich den Spitzenplatz erobern?
Ein Blick zurück auf 2023
Primoz Roglic hat den Giro dell'Emilia in den letzten Jahren dominiert und das Rennen dreimal gewonnen: 2023, 2021 und 2019. Sein jüngster Sieg kam zu einem entscheidenden Zeitpunkt in seiner Karriere. Letztes Jahr gewann der Slowene die 106. Ausgabe des Rennens an dem Tag, an dem er bekannt gab, dass er Jumbo-Visma in Richtung Red Bull - BORA - hansgrohe verlassen würde, und leitete damit ein neues Kapitel in seiner Karriere ein.
Bei der Ausgabe 2023 triumphierte Roglic in einem dramatischen Finale. Als die Fahrer zum vierten Mal den San Luca-Anstieg in Angriff nahmen, startete Adam Yates eine heftige Attacke aus dem Feld heraus, die die Gruppe zerriss und zu einer Elitewahl an der Spitze des Rennens führte. Pogacar, Roglic, Enric Mas und Richard Carapaz waren alle anwesend, und jeder von ihnen hatte den begehrten Sieg im Visier.

Aleksandr Vlasov war der erste, der seinen Angriff startete, aber Adam Yates konterte schnell, und kurz darauf begann das eigentliche Feuerwerk. Pogacars stürmte nach vorne und testete seine Konkurrenten, während Carapaz, Roglic und Mas um ihr Leben kämpften. Als es auf die letzten Meter zuging, setzte Roglic 500 Meter vor dem Ziel den entscheidenden Schritt. Keiner konnte dem Slowenen das Wasser reichen, als er zum Sieg fuhr. Pogacar musste sich mit dem zweiten Platz begnügen, Simon Yates wurde Dritter.
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Roglics Geschichte mit dem Giro dell'Emilia ist damit noch nicht zu Ende. Im Jahr 2019 gewann er nicht nur das Rennen, sondern auch das Eröffnungszeitfahren des Giro d'Italia, das über denselben San Luca-Anstieg führte. Es ist ein Berg, den Roglic sehr gut kennt, und seine Beherrschung der brutalen Steigungen wird ihn auch an diesem Wochenende zu einem Favoriten machen.
Die Ausgabe im Jahr 2022
Im Jahr 2022 war Tadej Pogacar beim Giro dell'Emilia wieder einer der Top-Anwärter, doch der Sieg entglitt ihm. Enric Mas von Movistar lieferte eine brillante Leistung ab, indem er Pogacar am Fuße des San Lucac-Anstiegs abhängte und allein ins Ziel fuhr, um sich einen souveränen Sieg zu sichern. Mas kam mit über 10 Sekunden Vorsprung vor dem Slowenen ins Ziel und machte damit deutlich, dass er an diesem Tag wirklich eines der größten Talente des Radsports besiegt hatte.
Mas, der die Saison 2024 mit einem dritten Platz bei der Vuelta a Espana stark beendet hat, wird beim Giro dell'Emilia wieder dabei sein und hofft, seinen früheren Erfolg wiederholen zu können. Seine Fähigkeit, seine Anstrengungen an steilen Anstiegen perfekt zu timen, macht ihn zu einem gefährlichen Rivalen, und Pogacar wird sich erneut vor dem Spanier in Acht nehmen müssen.
Die Verbindung zur Tour de France: San Luca kehrt zurück
Die Bedeutung des Anstiegs von San Luca geht über den Giro dell'Emilia hinaus. Im Rahmen der Tour de France 2024 kehrte das Peloton auf der zweiten Etappe nach San Luca zurück, wo der Anstieg zweimal befahren wurde. Hier setzte Tadej Pogacar seine erste Attacke bei der Tour und distanzierte alle seine Konkurrenten außer Jonas Vingegaard. An diesem Tag hatte Roglic, der normalerweise auf dem San Luca dominiert, Mühe, mit Pogacar und Vingegaard mitzuhalten, die einen neuen inoffiziellen Rekord für den Anstieg aufstellten.
Die Verbindung zwischen der Tour de France und dem Girodell'Emilia verleiht dem Rennen an diesem Wochenende eine zusätzliche Spannung. Kann Pogacarre an die Form anknüpfen, mit der er San Luca zu Beginn der Saison erobert hat, oder wird Roglic die Beine wiederfinden, die ihn im letzten Jahr zum Sieg getragen haben?
Wenn sich das Peloton zum Giro dell'Emilia aufstellt, wird der Fokus zweifellos auf Tadej Pogacar liegen. Wird dies das Jahr sein, in dem er endlich auf den Pisten von San Luca siegt und seiner außergewöhnlichen Saison 2024 einen weiteren glanzvollen Sieg hinzufügt? Oder wird sich Primoz Roglic, der dreifache Champion, wieder einmal als zu stark für seinen Landsmann erweisen?
Enric Mas, ein ehemaliger Sieger und ein Fahrer in hervorragender Form, wird ebenfalls ein wichtiger Anwärter sein. Nicht zu vergessen ist Remco Evenepoel, der gerade seine Goldmedaille bei der Weltmeisterschaft im Zeitfahren gewonnen hat. Evenepoel ist auf solchen Strecken immer eine Gefahr, und sein explosives Klettern könnte das slowenische Duell durcheinander bringen.
Eines ist sicher: Der Giro dell'Emilia 2024 entwickelt sich zu einem Klassiker, bei dem einige der größten Namen des Radsports um den Sieg an einem der berühmtesten Anstiege des Sports kämpfen werden. Wird Pogacar endlich das Puzzle vervollständigen und dieses schwer zu fassende Rennen gewinnen? Wir werden es am Samstag, den 5. Oktober, herausfinden.
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Nic GayerRedakteur
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Für Radsportaktuell.de berichtet er über den professionellen Radsport und begleitet das Geschehen von der WorldTour bis zu wichtigen nationalen und internationalen Rennen. Sein Schwerpunkt liegt auf Vorberichten, Rennzusammenfassungen und Analysen, mit denen er Entwicklungen im Peloton klar einordnet.
Bei seiner Arbeit wird Nic von den Kolleginnen und Kollegen der Schwesterplattform CyclingUpToDate unterstützt, wodurch er regelmäßig direkten Zugang zu Teams, Fahrern und offiziellen Terminen erhält. Er arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus. In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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- Die 120. Lombardei-Rundfahrt 2026 führt am 10. Oktober 2026 über 239 Kilometer von Bergamo nach Como. Ohne den verletzten Seriensieger Tadej Pogačar ist das Rennen völlig offen, wobei die taktische Ausrichtung der Top-Teams von der Streckenänderung geprägt ist: Der Muro di Sormano entfällt, dafür entscheidet ein anspruchsvoller Schlussrundkurs mit dem Doppelpack aus Civiglio und San Fermo della Battaglia das Rennen. Taktische Ausrichtungen der Favoriten-Teams Soudal Quick-Step (Remco Evenepoel) Frühzeitige Solo-Attacke: Evenepoel setzt nach dem EM-Titel auf ein langes Solo oder eine gut getimte Attacke an den letzten Steigungen (Civiglio/San Fermo), um seine Stärke im gleichmäßigen, hohen Tempo auf den flachen/abfallenden Passagen auszuspielen. UAE Team Emirates-XRG (Brandon McNulty, Isaac del Toro) Offensive Mehrfach-Optionen: Ohne Pogačar fährt das Team mannschaftsdienlich aggressiv. Weltmeister McNulty und Del Toro müssen das Rennen früh schwer machen, können aber durch Überzahl im Finale (mit Yates, Großschartner etc.) taktisch variieren. Red Bull – Bora – hansgrohe (Jai Hindley, Primož Roglič, Giulio Pellizzari) Dreifachspitze & Kontrolle: Das Team verfügt über eine starke Kapitänsdichte. Die Taktik dürfte darauf abzielen, das Rennen in den ersten harten Kilometern und am Ghisallo schwer zu halten und mit verschiedenen Karten im Finale zu attackieren. Lidl – Trek (Giulio Ciccone) Am Rad bleiben & Explosivität: Ciccone bewies bei der EM, dass er steile Anstiege mit den Besten gehen kann. Seine Taktik wird sein, Evenepoel oder andere explosive Fahrer am Civiglio zu kontrollieren und auf seine Sprintstärke im Finale zu setzen. Schlüsselfaktoren für den Rennverlauf Frühe Härte: Bereits in den ersten 80 Kilometern und am Anstieg zur Madonna del Ghisallo wird das Feld ausgedünnt. Helferteams wie UAE oder Red Bull müssen hier früh das Tempo bestimmen. Das Finale (Civiglio & San Fermo): Nach der ersten Überquerung von San Fermo folgt der steile Anstieg nach Civiglio (9,7 % Schnitt), der als Hauptsprungbrett für den entscheidenden Angriff dient. Wer hier eine Lücke reißt, kann über die finale Abfahrt und das letzte Mal San Fermo (5 km bis ins Ziel) durchziehen.gregmann09-10-2026
- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026








