„An einem gewissen Punkt habe ich wirklich wieder daran geglaubt“: Tom Dumoulin lobt Van der Poels schier unmögliche Aufholjagd bei Paris–Roubaix

Radsport
Montag, 13 April 2026 um 7:00
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Paris-Roubaix ist berühmt dafür, in Sekundenbruchteilen die Träume der größten Favoriten zu zerstören – genau das traf heute Mathieu van der Poel. Nach einem Doppelplatten im Arenberg-Wald lag er mit einem Rückstand zurück, der uneinholbar schien. Statt aufzugeben startete er jedoch eine unglaubliche Solojagd, die Fans und Experten sprachlos machte. Selbst Ex-Profi Tom Dumoulin gab zu, der Niederländer habe beinahe das größte Comeback der modernen Radsportgeschichte vollbracht.

Ein komplettes Desaster und ein frustrierender Radwechsel

Das Drama begann am denkbar schlimmsten Ort: in der legendären Trouée d’Arenberg. Er erlitt gleich zwei Reifenschäden und verlor enorme Zeit, während vorne das Tempo brutal hochgehalten wurde. Sein Rückstand auf die Spitze wuchs rasch auf volle zwei Minuten.
Im Kommentatorenplatz des niederländischen Senders NOS hielt Experte und Ex-Giro-d’Italia-Sieger Tom Dumoulin das Rennen für den Topfavoriten für gelaufen. „Da denken wir alle: Er kommt nie wieder ins Rennen zurück“, erklärte Dumoulin den Zuschauern. „Im Grunde: Lass es gut sein.“
Noch bitterer wurde es, als Van der Poel das Rad seines Teamkollegen Jasper Philipsen übernehmen wollte. In der Hektik stellte der Weltmeister ein gravierendes Problem am Ersatzmaterial fest. „Philipsens Rad hat offenbar andere Prototyp-Pedale. Sehr unglücklich“, bemerkte Dumoulin zur chaotischen Szene.
Obwohl die Lage aussichtslos wirkte, weigerte sich der Superstar standhaft zu kapitulieren. Statt auszusteigen oder locker in die Radrennbahn zu rollen, ging Van der Poel in die Offensive. Mit gesenktem Kopf startete er eine wuchtige Solojagd über die staubigen französischen Wirtschaftswege. „Aber er macht weiter und kämpft. Das ist wirklich lobenswert“, sagte Dumoulin.
Mit enormer Wattzahl sprang Van der Poel von einer abgehängten Gruppe zur nächsten. Er überholte müde Konkurrenten einzeln und fraß sich Stück für Stück an die Spitze heran. Aus einer unmöglichen Mission wurde plötzlich eine reale Gefahr für die Führenden. Selbst Dumoulin ließ sich von der Aufholjagd mitreißen. „Am Ende droht er tatsächlich wieder zur Spitze aufzuschließen“, räumte Dumoulin ein. „An einem gewissen Punkt habe ich wirklich wieder daran geglaubt.“
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Van der Poel erlitt zwei Platten in Arenberg

Die Energie geht vor dem Ziel aus

Der ehemalige Weltmeister kam der Spitzengruppe beeindruckend nahe. Am berühmten, brutalen Carrefour de l’Arbre war der Rückstand von zwei Minuten auf nur noch zwanzig Sekunden geschmolzen. Durch den Staub schimmerte die Gruppe um Pogacar und Van Aert bereits in Sichtweite.
Doch derart viel Zeit im Alleingang gutzumachen kostet unfassbar viel Energie. Die Wucht der langen Solojagd forderte genau dann ihren Tribut, als der finale Kampf um den Sieg entbrannte. „Er hatte sehr wenig Hilfe von Teamkollegen, weil sie ihm schon in Arenberg beigesprungen sind“, analysierte Dumoulin.
Am Ende krönte sein unglaublicher Kampfgeist sich nicht mit einem Wunder-Sieg. Dennoch ist Dumoulin überzeugt, dass der Weltmeister genau das Richtige tat. In einem so unberechenbaren Rennen wie der Hölle des Nordens ist Aufgeben nie eine Option.
„Du hast keine andere Wahl, als bis ins Ziel Vollgas zu fahren und zu schauen, was noch drin ist“, schloss der Ex-Profi. „Man weiß bei Paris-Roubaix nie, was passiert.“
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