Am 19.04. stellt sich das Männer-Peloton der ersten von drei Ardennenklassikern. Es ist ein Eintagesrennen der WorldTour und das renommierteste Rennen auf niederländischem Boden. Die
Amstel Gold Race! Wir blicken auf das Profil, der Start ist für 11:10 Uhr, das Ziel für 17:10 Uhr erwartet.
Die Premiere fand 1966 statt, als der Franzose Jean Stablinski in den Straßen von Limburg siegte. Wenige Jahre später holte Eddy Merckx zwei Erfolge. Jan Raas gewann legendär fünfmal – fast durchgehend in den 70ern und 80ern, unterbrochen nur von Bernard Hinault. Für die Niederlande triumphierten auch Joop Zoetemelk und Adrie van der Poel, dessen Sohn Mathieu 2019 einen ikonischen Sieg feierte, der weit über die Radszene hinausstrahlte.
Es ist ein hügeliges Rennen, das nicht immer von reinen Klassiker-Spezialisten entschieden wurde – selbst Erik Zabel steht in der Siegerliste. Viele große Namen wurden hier gekrönt, allen voran Philippe Gilbert, einst „König des Caubergs“, als der Anstieg das Finale bildete. Heute ist das Rennen offener, doch die Siegerliste ist, wenn überhaupt, noch glanzvoller geworden.
Wout Van Aert, Michal Kwiatkowski, Tadej Pogacar, Tom Pidcock und Mattias Skjelmose holten die jüngsten Erfolge. 2025 gewann der Däne sensationell, als er Pogacar und
Remco Evenepoel im Dreiersprint bezwang – der Höhepunkt der Ardennen-Woche.
Die letzten 15 gewinner der Amstel Gold Race
| Jahr | Sieger |
| 2025 | Mattias Skjelmose |
| 2024 | Tom Pidcock |
| 2023 | Tadej Pogačar |
| 2022 | Michał Kwiatkowski |
| 2021 | Wout van Aert |
| 2020 | COVID |
| 2019 | Mathieu van der Poel |
| 2018 | Michael Valgren |
| 2017 | Philippe Gilbert |
| 2016 | Enrico Gasparotto |
| 2015 | Michał Kwiatkowski |
| 2014 | Philippe Gilbert |
| 2013 | Roman Kreuziger |
| 2012 | 2012 Enrico Gasparotto |
| 2011 | Philippe Gilbert |
| 2010 | Philippe Gilbert |
Der letzte deutsche Sieger des Amstel Gold Race war Erik Zabel im Jahr 2000.
Streckenprofil: Maastricht - Berg en Terblijt
Maastricht - Berg en Terblijt, 257 Kilometer
Wie immer ein Ausdauer-Rennen. Rund um Valkenburg geht es nie lange bergauf, dafür über Dutzende kurze Anstiege. Mehr als 3400 Höhenmeter machen die vermeintlich „mildeste“ der Ardennenprüfungen dennoch zu einem Klassiker für Puncheure – und für Fahrer, die auch in den Kopfsteinpflasterklassikern glänzen.
257 Kilometer stehen auf dem Menü. Ein Härtetest mit kurzen, aber wiederholten Anstiegen in Limburg – einer der eigenständigsten Tage der Saison. Es ist der erste der drei Ardennenklassiker und derjenige, der Rouleuren und Fahrern entgegenkommt, die direkt aus der Kopfsteinpflaster-Kampagne kommen.
Die Anstiege reihen sich den ganzen Tag aneinander. Ernsthafte Aktionen sind vor der Schlussstunde jedoch unwahrscheinlich, denn es ist entscheidend, möglichst wenige Körner zu verbrauchen, um im Finale noch Beine zu haben.
Gulperberg (47 km vor dem Ziel; 600 m mit 6 %), Kruisberg (42,5 km vor dem Ziel; 700 m mit 7,3 %), Eyserbosweg (40 km vor dem Ziel; 1,1 km mit 7,6 %), Fromberg (36 km vor dem Ziel; 1,7 km mit 3,8 %) und der Keutenberg (31,5 km vor dem Ziel; 1,6 km mit 5,2 %) bereiten das Finale vor und könnten erste Attacken sehen. Einerseits in Erwartung des Caubergs, andererseits, weil Favoriten das richtige Timing für eine Vorentscheidung finden könnten. Jeder Anstieg bietet eine Chance, und in diesen 16 Kilometern ist viel Offensive zu erwarten, da das Rennen schwer zu kontrollieren ist.
Der Cauberg wartet 22 Kilometer vor dem Ziel. Früher beschloss er das Rennen, und auch dieses Jahr tut er das wieder – allerdings nicht bei dieser Passage. 800 Meter mit 6,5 %, danach folgen wellige Straßen, auf denen Unterschiede zu machen schwierig ist. Mit 17 km verbleibend geht es über den Geulhemmerberg (900 Meter; 5,7 %), anschließend mit 10 km Rest über den Bemelerberg: nur 500 Meter mit 5,6 %. Er war einst der Schlussanstieg, dient nun aber erneut als Übergang.
Dieses Jahr kehrt die Strecke zu einem traditionelleren Finale zurück, das weiterhin in Berg en Terblijt endet – direkt nach dem Cauberg. Eine sehr schnelle Abfahrt leitet in den Anstieg, dessen Kuppe 2 Kilometer vor dem Ziel erreicht wird. Die letzte Chance für Kletterer, Unterschiede zu machen, wenngleich auch der Schlussteil noch Raum für späte Vorstöße bietet, falls sich eine Gruppe hält.
Die Favoriten
Remco Evenepoel – Amstel ist kein Rennen, das man leicht dominieren kann, doch der Topfavorit ist zugleich der Fahrer, der am besten für eine Solo-Attacke auf welligem Terrain geeignet ist. Evenepoel wurde in Flandern Dritter und hat dort klar gezeigt, dass er in Topform ist. Hält er dieses Niveau, kann er den Unterschied machen. Sobald er irgendwo im Rennen eine Lücke reißt, fährt er wahrscheinlich zum Solosieg. Red Bull setzt dabei eher auf Fahrer mit gutem Positionsspiel als auf ein Team, das das Feld vor seinem Angriff komplett auseinandernehmen kann.
Visma – Matteo Jorgenson ist wohl der Fahrer, der ihm an den Anstiegen am ehesten folgen kann. Ich habe großes Vertrauen in ihn – und auch in ein Visma-Team, das ebenfalls stark auf Positionierung setzen wird. Ben Tulett ist eine weitere Option, während Christophe Laporte oder Axel Zingle ins Spiel kommen könnten, falls es doch zu einem Sprint kommt.
Einige Fahrer werden auf ein geschlosseneres Rennen hoffen, ähnlich wie beim Brabantse Pijl.
Dort gewann Anders Foldager, was Jayco gute Gründe gibt, eine ähnliche Strategie zu verfolgen. Auch INEOS (Dorian Godon), Pinarello (Quinten Hermans) und NSN (Brady Gilmore) dürften dieses Szenario anstreben und könnten sogar als Verbündete agieren. Cofidis ist ebenfalls ein Team, das man im Auge behalten sollte: Bryan Coquard, vor allem aber Alex Aranburu, passen gut zu einem solchen Rennverlauf. Zudem sind mit Ion Izagirre und Dylan Teuns zwei formstarke Fahrer im Aufgebot.
Falls nicht Jorgenson, dann könnte Romain Grégoire derjenige sein, der Evenepoel an den explosiven Anstiegen Paroli bietet. Er ist ein äußerst gefährlicher Fahrer und absolut in der Lage, auf diesem Terrain zu gewinnen – als Kapitän von Groupama.
UAE setzt auf Tim Wellens und Benoît Cosnefroy; EF auf Ben Healy und Alex Baudin; Lidl-Trek bringt den zuletzt erkrankten Titelverteidiger Mattias Skjelmose sowie Quinn Simmons; Decathlon vertraut auf Paul Lapeira und Jordan Labrosse; Tudor auf Julian Alaphilippe und Marc Hirschi; Bahrain Victorious auf Pello Bilbao, Matej Mohorič und Edoardo Zambanini; Uno-X Mobility auf Andreas Leknessund, Andreas Kron und Anthon Charmig; Astana auf Clément Champoussin, Diego Ulissi und Simone Velasco.
Es ist ein Rennen, das vielen Fahrertypen liegt. Wer Stürze und Rennentscheidungen meidet, sich gut positioniert und seine Kräfte im richtigen Moment einsetzt, kann den Unterschied machen. Dazu kommen weitere Anwärter wie Kévin Vauquelin, Mauro Schmid, Tibor Del Grosso, Ilan Van Wilder, Milan Lanhove, Mathieu Burgaudeau und Natnael Tesfatsion, die das Rennen zusätzlich unberechenbar machen.
Prognose Amstel Gold Race 2026
⭐⭐⭐ Remco Evenepoel, Romain Grégoire
⭐⭐ Matteo Jorgenson, Mauro Schmid, Kévin Vauquelin
⭐ Christophe Laporte, Dorian Godon, Quinten Hermans, Alex Aranburu, Ion Izagirre, Paul Lapeira, Mattias Skjelmose, Quinn Simmons, Ben Healy, Benoît Cosnefroy, Tim Wellens
Pick: Remco Evenepoel
How: Solo win