Jay Vine verbindet mit der Vuelta a España eine besondere Beziehung. 2022 war es das Rennen, das sein Potenzial mit zwei Etappensiegen in der ersten Woche entdeckte. Und im vergangenen Jahr legte der Australier zwei weitere nach und sicherte sich zudem das Bergtrikot. Sein zweites in Folge. Diese Ambitionen spielen diesmal allerdings kaum eine Rolle, denn mit
Tadej Pogacar ist ein noch größeres Kaliber am Start.
Und für Vine selbst ist eine Rolle abseits des Rampenlichts in der aktuellen Saisonphase womöglich angenehmer. Erst stoppte ihn im Januar ein Zusammenprall mit einem Känguru, später stürzte er auf der zweiten Etappe des Giro d’Italia.
„Ich bin zufrieden mit meiner Form. Es ist auch richtig schön, schon in Woche 1 in einem Team mit dem Roten Trikot zu sein, und hoffentlich bleibt das im weiteren Rennverlauf so“, sagte Vine gegenüber
Cyclingnews.
Ein neues Gefühl, aber ein gutes
An der Seite des Weltmeisters Tadej Pogacar zu arbeiten, ist für Jay Vine dennoch eine recht neue Erfahrung. Auch wegen seiner zahlreichen Verletzungen stand er bisher nur bei einigen Eintagesrennen gemeinsam mit dem Slowenen am Start.
„Vor hier habe ich diese Art Arbeit für Tadej nur bei Eintagesrennen gemacht, nicht bei Grand Tours und auch nicht bei Rundfahrten. Ich sollte das vor ein paar Jahren mit ihm beim Giro d’Italia machen, aber ich habe mir im Baskenland quasi das Genick gebrochen... Aber wir sind Lombardei und Emilia ein paar Mal zusammen gefahren. Wir harmonieren ziemlich gut.“
Jay Vine, der Mann aus Andorra
In der ersten Woche war Vine für den Slowenen bereits mit Ortskenntnis in Andorra wertvoll. Auf der vierten Etappe half er, Pogacar zu seinem 50-Kilometer-Solo zu lancieren.
„Ich kenne alle Straßen in Andorra, also konnte ich ihn am Fuß des Beixalis platzieren [der Anstieg, an dem Pogacar angriff]. Ziel war es, von Beginn an ganz vorne zu sein und das Feld in die Länge zu ziehen, damit er in den ersten Passagen des Anstiegs nicht eingeklemmt wird. Dann hatten wir besprochen, dass ich, wenn sie in den 12-, 13-, 14%-Stücken zu sprinten beginnen, ihn ans richtige Hinterrad bringen muss, damit er sein Ding machen kann. Das ist einer dieser Anstiege, bei denen Windschatten nichts bringt, und nach sechs Minuten in dem 15-minütigen Effort war er tatsächlich allein unterwegs.“
Zwei Wochen stehen bei der diesjährigen Vuelta a España noch aus. Jay Vine hofft vor allem, das Rennen gesund zu beenden, während er stetig dazu beiträgt, Tadej Pogacars Vorsprung in der Gesamtwertung auszubauen.
„Wir bekommen morgens im Briefing klare Anweisungen für die Etappe, und danach fahren wir nach Gefühl auf der Straße“, erklärte Vine. „Er muss mir nichts per Funk sagen, weil er direkt da ist, direkt hinter mir fährt. Er ist ein ziemlich entspannter Typ.“