„Wie eine Geburtstagsparty ohne Geburtstagskind“ – Pogacars Fehlen trifft Slowenien hart

Radsport
durch Nic Gayer
Tadej Pogacar at the 2026 Tour de France
Die Bühne für die Europameisterschaft ist bereitet. Doch ausgerechnet der Mann, der bei der großen Radsport-Feier in Slowenien im Mittelpunkt stehen sollte, wird am Sonntag nicht im Peloton stehen. Tadej Pogacar fehlt beim Straßenrennen der Männer-Elite – trotzdem hoffen die Organisatoren, dass die Abwesenheit des Titelverteidigers die Begeisterung rund um den Höhepunkt in Ljubljana nicht trübt.
Pogacar wird bei jenem Rennen, auf das er lange hingearbeitet hatte, zwangsläufig zum Zuschauer. Seine Verletzungen nach dem Sturz bei der Vuelta a Espana – ein Schlüsselbeinbruch, Wirbelbrüche und eine Gehirnerschütterung – beendeten seine Saison Ende August abrupt. Damit platzten nicht nur seine Pläne für die Radsport-WM und das Heimspiel in Slowenien, sondern auch sein Versuch, bei Il Lombardia einen Rekord aufzustellen.

„Wie eine Geburtstagsparty ohne Geburtstagskind“

Dass Pogacar selbst die Hoffnung auf ein überraschendes Comeback nicht sofort aufgab, unterstreicht, wie viel ihm der Start vor heimischem Publikum bedeutet hätte. Berichten zufolge kontaktierte der 28-Jährige sogar den Chirurgen, der sein gebrochenes Schlüsselbein operiert hatte, und hoffte auf eine medizinische Freigabe. UAE Team Emirates - XRG und Teamchef Mauro Gianetti machten entsprechenden Hoffnungen allerdings schnell ein Ende. Statt eines verfrühten Comebacks hat eine vollständige Genesung Priorität.
Tadej Pogacar
Tadej Pogacar
Für die Organisatoren der Europameisterschaft war Pogacar als große Attraktion eingeplant, die zahlreiche Zuschauer an die Strecke locken sollte. Sein Sturz bei der Vuelta a Espana und das daraus resultierende vorzeitige Saisonende waren deshalb nicht nur für den Slowenen selbst ein herber Rückschlag.
„Am Tag seines Sturzes bei der Vuelta stand in Slowenien für einen Tag das Leben still“, erklärte Rok Lozej, Renndirektor der Europameisterschaft, gegenüber Het Nieuwsblad.
„Zumindest bei mir war es so. Es ist, als würden wir eine Geburtstagsparty organisieren und das Geburtstagskind fehlt. Andererseits wird Tadej da sein. Er ist hier schon am Mittwoch den Kurs abgefahren.“
Der fünfmalige Tour-Sieger verbringt das Wochenende in Slowenien und nutzt die Gelegenheit, Freunde und Familie zu besuchen. Auch während des Rennens wird Pogacar erwartet. Die sportlichen Hoffnungen der Gastgeber ruhen derweil vor allem auf dem erfahrenen Primoz Roglic.
„Es versteht sich von selbst, dass er sich dieses Wochenende irgendwo blicken lässt, nur eben ohne Startnummer. Hoffentlich hält das die Leute nicht vom Kommen ab.“

Primoz Roglic soll Sloweniens Hoffnungen am Leben halten

Doch auch ohne Pogacar sieht Lozej genügend Gründe für die slowenischen Fans, am Sonntag an die Strecke zu kommen. Schließlich mangelt es der Europameisterschaft nicht an hochkarätiger Konkurrenz – und mit Roglic verfügt die Gastgebernation weiterhin über einen Fahrer, der für ein herausragendes Ergebnis sorgen kann.
„Es stehen weiterhin viele starke Fahrer am Start; wir wollen zeigen, dass Slowenien auch Tadej-Nachfolger parat hat. Und da ist immer noch Primoz Roglic.“
Einen positiven Aspekt kann Lozej Pogacars Abwesenheit sogar abgewinnen. Das am Sonntag vergebene Europameistertrikot wird in den kommenden zwölf Monaten definitiv im Peloton zu sehen sein. Hätte Pogacar wie ursprünglich erwartet in der vergangenen Woche die Radsport-WM gewonnen und anschließend auch vor heimischem Publikum triumphiert, wäre das Europameistertrikot in den Hintergrund gerückt – schließlich genießt das Regenbogentrikot im Rennen Vorrang.
„Nun ja, ohne diesen Sturz wäre Tadej vielleicht wieder Welt- und Europameister geworden. Jetzt sind wir immerhin sicher, dass das Europameistertrikot auch nächstes Jahr im Peloton zu sehen sein wird.“
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