UAE Team Emirates - XRG reist mit einer sehr starken Mannschaft zu
Paris-Roubaix und hat mit
Tadej Pogacar einen der absoluten Siegkandidaten. Im französischen Monument stehen ihm
Florian Vermeersch und
Nils Politt zur Seite, zwei Fahrer, die dem Sieg bereits nahe waren und diesmal nicht primär die Ambitionen des Weltmeisters auf den Triumph unterstützen sollen.
„Die gesamte Streckenbesichtigung haben wir schon im Winter und sogar davor erledigt. Das war bereits ein riesiges Ziel, noch bevor er Mailand–Sanremo gewonnen hat“, sagte Florian Vermeersch gegenüber IDLProCycling. Der Belgier fährt ein herausragendes Frühjahr und gehörte in Flandern zur Spitze. In Roubaix, wo er 2021 Zweiter wurde, liegen ihm die flachen Sektoren deutlich mehr, und nach Rang fünf im Vorjahr ist ein Podest realistisch.
„Aber natürlich ist der Druck jetzt ein bisschen größer. Zum Glück lastet der nicht auf mir“, scherzte er, denn alle Augen sind auf Tadej Pogacar gerichtet. „Wenn ich sehe, in welcher Form er ist. Aber wenn es ein Rennen im Kalender gibt, in dem so viel passieren kann und viel Pech eine Rolle spielt, dann ist es Roubaix. Eine Situation zu schaffen, in der er um den Sieg kämpfen kann — das ist das Wichtigste.“
Vermeersch bereit zum Opfergang
Doch ihnen steht mit dem dreifachen Sieger Mathieu van der Poel ein historischer Widersacher gegenüber, ein Ausnahmekönner am Rad und Klassiker-Spezialist. „Auf flachen Pavés ist es schwerer, jemanden vom Hinterrad zu fahren. Jemand wie Mathieu, mit so vielen Qualitäten — das ist wohl die schwierigste Aufgabe, ja. Es gibt hier keine Anstiege. Es geht um absolute Watt“, betont Vermeersch. „Deshalb halte ich es für entscheidend, das Rennen hart zu machen. Wir müssen mit möglichst viel Müdigkeit in allen Beinen ins Finale kommen.“
Der Plan ist klar und ähnelt dem bei der Flandern-Rundfahrt, wo das Team früh genug Schaden anrichtete, bevor Tadej Pogacar in der Schlussstunde die entscheidenden Attacken setzte. Hier regiert zwar das Chaos, doch der Belgier unterschätzt die Bedeutung des Trouée d’Arenberg nicht.
„Das ist jedes Jahr ein Schlüsselmoment, an dem die Positionierung entscheidend ist. Letztes Jahr ist das Rennen dort auch explodiert, und wer auf der falschen Seite der Lücke war, kam nie mehr zurück. Ich denke, das kann dieses Jahr wieder so sein.“
Vermeersch hat seine Ambitionen im Frühjahr nie versteckt und in Roubaix auch die Beine dafür gezeigt, weiß aber, dass es in Pogacars Team eine Hierarchie gibt. „Wenn ich Tadej helfen und dabei meine eigenen Podiumschancen opfern muss, sage ich nicht nein“, bestätigt er. „Die Flandern-Rundfahrt hat gezeigt, dass ich, wenn ich meinen Job gemacht habe und die Beine wiederfinde, trotzdem noch ein Ergebnis fahren kann. Darauf hoffe ich auch morgen ein bisschen.“
Nils Politt vertraut seinem Kapitän
Auch wenn Politt in diesem Frühjahr keine Führungsrolle hatte, ist in einem Rennen wie Roubaix die Bedeutung des deutschen Kraftpakets, ein Rouleur par excellence, nicht zu übersehen. Er blüht in Hochgeschwindigkeitsrennen auf. In Roubaix bringt er viel Erfahrung mit, nicht nur als Teilnehmer, sondern als Fahrer im Kampf um den Sieg — etwas, das Pogacar von seinen Teamkollegen braucht.
„Ich war hier schon oft, stand auf dem Podium und in den Top Ten. Roubaix hat immer etwas Besonderes. Man weiß nie, was passieren kann. Es kann einen Sturz geben, man kann zum schlechtesten Zeitpunkt einen Platten haben“, warnt er.
Und was Pogacar angeht, ist er nach dessen Frühjahr durchaus zuversichtlich. „Er sieht gut aus, wie wir gesehen haben. Er ist drei Rennen gefahren und hat alle drei gewonnen, also ist er definitiv in exzellenter Form.“