„Weil er wütend ist“ – Evenepoel soll nach WM-Enttäuschung die perfekte Antwort geben

Radsport
durch Nic Gayer
Remco Evenepoel recons the 2026 World Championships course in Montreal
Remco Evenepoel bekommt nach seiner Enttäuschung bei der Radsport-WM die nächste Gelegenheit, seinen Kritikern eine deutliche Antwort zu geben. Beim Straßenrennen der Männer-Elite bei der Europameisterschaft am Sonntag soll der Belgier den Frust der vergangenen Woche in zusätzliche Motivation verwandeln – und damit zugleich den Medien und besonders lautstarken Fans zeigen, dass weiterhin mit ihm zu rechnen ist.
Der Belgier geht erneut als einer der Topfavoriten ins Rennen. Diesmal trifft er allerdings auf ein Feld mit weniger Siegkandidaten als noch in Montreal. Zudem ist die Strecke rund 70 Kilometer kürzer und der Rundkurs weniger anspruchsvoll, was dem Fahrer von Red Bull - BORA - hansgrohe entgegenkommen könnte. Vor dem Start lastet damit erneut das Favoritenetikett auf dem 26-Jährigen.

„Evenepoel ist offensichtlich angefressen“

Nach Ansicht von Analyst Thomas Dekker könnte gerade die Enttäuschung von Montreal zum entscheidenden Faktor werden. Evenepoel müsse seine Wut nun in Leistung umwandeln – für Dekker wäre das die ideale Möglichkeit, auf die Kritik der Medien und Fans zu reagieren.
Remco Evenepoel in Aktion bei der Radsport-WM 2026.
Remco Evenepoel steht nach der Enttäuschung bei der Radsport-WM erneut im Fokus. Bei der Europameisterschaft in Slowenien zählt der Belgier zu den großen Favoriten auf den Titel.
„Evenepoel ist offensichtlich angefressen“, erklärte Dekker im Live Slow Ride Fast Podcast.
„Er ist sauer auf sich selbst, aber die Medien haben es ihm auch nicht leicht gemacht. In Flandern hat jeder eine Meinung dazu. Macht ein EM-Titel alles wett? In gewisser Weise ja, aber am Sonntag war es nicht nur ein knappes Verpassen.“
Auch wenn das Europameistertrikot nicht das gleiche Prestige besitzt wie das Regenbogentrikot, bleibt für Evenepoel ein Sieg ein Sieg. Dekker ist überzeugt, dass der Belgier mit einem Triumph zahlreiche kritische Stimmen zum Verstummen bringen könnte. Neben seiner Wut dürfte ihm dabei auch das weniger anspruchsvolle Streckenprofil entgegenkommen.
„Du könntest ihnen einfach den Mittelfinger zeigen und sagen: ‚Das reicht mir.‘“
„Wenn er so gut ist wie am Sonntag, hat er definitiv eine Chance. Es sind einfach 80 Kilometer weniger als letzte Woche. Und es ist überschaubar – fünf Zweikilometer-Abschnitte, auf die er sich fokussieren muss. Aber ich glaube, er wird besser sein. Weil er wütend ist. Das treibt ihn wirklich an.“

Roglic und Ciccone als größte Herausforderer

Unter Evenepoels Konkurrenten stechen vor allem Primoz Roglic und Giulio Ciccone heraus. Gleichzeitig fehlen im Starterfeld mehrere potenzielle Titelanwärter, die auf eine Teilnahme verzichtet haben. Dekker glaubt zudem, dass selbst eine Attacke von Ciccone für Evenepoel kontrollierbar wäre. Nach dem Anstieg des Rundkurses folgen welliges Terrain, eine Abfahrt und schließlich ein flaches Finale – Voraussetzungen, die dem Belgier Möglichkeiten zur Reaktion bieten.
„Angenommen, jemand setzt dir auf diesem kleinen Anstieg zu. Wohin würde ein Ciccone an einem Weltklassetag wegfahren, wenn du Evenepoel wärst?“

Mads Pedersen könnte zum gefährlichen Außenseiter werden

Eine besondere Warnung spricht Dekker allerdings mit Blick auf Mads Pedersen aus. Dessen kämpferischer Auftritt in Montreal, bei dem er in den letzten Rennstunden den Favoriten kontinuierlich näherkam, deutet darauf hin, dass seine Form selbst auf dem kletterlastigen Kurs in Slowenien für den Kampf um den Sieg ausreichen könnte.
„Wir müssen ihn [Mads Pedersen, Red.] auf jeden Fall im Blick behalten. Seine Leistung am Sonntag hat ihm noch mehr Selbstvertrauen gegeben. Jetzt denkt er: Vielleicht werde ich Europameister.“
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