In einer Zeit, in der Fahrerverträge sie nicht mehr unumstößlich an ihre Teams binden, soll
UAE Team Emirates - XRG den Vertrag eines eher unauffälligen französischen Profis herausgekauft haben. In dieser Woche rückte er beim Tour de Luxembourg mit einer Attacke gegen
Mathieu van der Poel ins Rampenlicht:
Pierre Gautherat.
Der 23-Jährige wurde 2023 beim Decathlon CGM CGM Team Profi, für das er nach wie vor fährt und mit dem er vertraglich gebunden ist. Er stammt aus Colmar, einer Stadt, die Fahrern der Tour de France bestens vertraut ist. Als einer der Anführer von Decathlon trat er bisher kaum in Erscheinung – doch sein Talent geht über nackte Ergebnisse hinaus.
In dieser Phase seiner Karriere stehen zwei Siege zu Buche: die 3. Etappe der 2025er 4 Jours de Dunkerque und Paris–Camembert 2026. Beide Erfolge holte er dank seiner Endschnelligkeit, wobei der zweite am Ende eines hügeligen Rennens gelang.
Obwohl er kurz davor steht, seine vierte Profisaison zu beenden, hat Gautherat noch keine dreiwöchige Rundfahrt bestritten. Seine Stärken liegen anderswo, doch im Gesamtbild ist das ein wichtiger Punkt, wenn man bedenkt, dass der junge Franzose sich weiterentwickeln und selbst Führungsverantwortung übernehmen will.
Als explosiver Fahrer liegen ihm kurze, harte Antritte am besten. Ein fünfter Platz im Prolog der Tour Down Under in diesem Jahr zeigt, dass er mehr ist als ein reiner Klassikerjäger oder Sprinter – vielmehr ein kompletter Fahrer mit feinem Gespür.
Am stärksten ist er im französischen Cup-Kalender. In diesem Frühjahr wurde er nach seinem Sieg bei Paris–Camembert zudem Zweiter bei der Classic Dunkerque und Vierter bei Tro-Bro Léon.
Pierre Gautherat ist einer von Decathlons talentierten jungen Franzosen
Gautherat fordert Mathieu van der Poel heraus
Beim Tour de Luxembourg dieser Woche zeigte er, warum er bereits im Sommer in den Fokus rückte. Abseits der WorldTour startete der Decathlon-Profi als Anwärter auf die vielen kurzen, explosiven Hügeletappen, die der Parcours bereithält.
Auch wenn die Präsenz von Mathieu van der Poel seine Rivalen überstrahlte, hebt die Chance, gegen den Niederländer zu fahren, das Rennen auf ein höheres Niveau – und seine Protagonisten gleich mit. Auf Etappe 1 war es eine kleine Sensation, dass Continental-Profi Eike Behrens van der Poel bei dessen späten Angriff stellte und folgte. Für den Deutschen war das ein echter Durchbruch, den er sonst nicht erreicht hätte.
Van der Poel sprintete den steilen Schlussanstieg mit 10% in Luxemburg hinauf zum Sieg und verwies Pierre Gautherat auf Rang zwei. Gautherat setzte den Ex-Weltmeister deutlich unter Druck und sah kurzzeitig wie der sichere Sieger aus. Die beiden hatten gemeinsam mit EF-Sprinter Marijn van den Berg eine Lücke zum Rest des Feldes gerissen.
Auf Etappe 2 übernahm Gautherat wegen van den Berg, der den Tagessieg holte, nicht die Gesamtführung. Der Franzose wurde Dritter, sammelte Bonifikationen im Massensprint und unterstrich damit seine Vielseitigkeit.
Liegt Pierre Gautherats Zukunft an der Seite von Tadej Pogacar
Warum also gilt Gautherat als Name, den man genau beobachten sollte. Abgesehen von einigen sehr starken Auftritten außerhalb der WorldTour hat er die Szene nicht so aufgemischt wie sein jüngerer Teamkollege Paul Seixas – und jüngst der noch jüngere Aubin Sparfel, der beim GP de Wallonie niemand Geringeren als den französischen Meister Romain Grégoire auf dessen Terrain schlug.
Der Grund: Wie Ex-Teamkollege Benoît Cosnefroy Ende 2025 dürfte Gautherat seinem Weg folgen und bei UAE Team Emirates - XRG unterschreiben. Ein hochdotierter Vorstoß für einen Fahrer mit laufendem Vertrag, dessen Name jedoch noch vergleichsweise leise ist – in der Profiszene eher selten. Haimar Etxeberria von Red Bull - BORA - hansgrohe ist ein solcher Fall aus dem vergangenen Winter, während sonst meist etablierte Spitzenkräfte wie Remco Evenepoel, Primoz Roglic oder Cian Uijtdebroeks derartige Wechsel bewegen.
Laut dem spanischen Medium
Marca handelt es sich nicht nur um Interessebekundungen, sondern um einen bereits fixierten Deal bis Ende 2029. UAE blickt beim Tour de Luxembourg ganz genau hin, denn der potenzielle Neuzugang kämpft dort mit Mathieu van der Poel um die Gesamtführung – und davon profitiert vor allem ein Team.