„Ich werde bald aufhören“ – Zeitfahr-Weltmeisterin Marlen Reusser spricht über Karriereende und Movistars Zukunft

Radsport
durch Nic Gayer
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Marlen Reusser weiß, dass ihre Zeit an der Spitze des internationalen Frauenradsports nicht unbegrenzt ist. Die amtierende Zeitfahr-Weltmeisterin hat sich bereits mit dem Gedanken an ein mögliches Karriereende beschäftigt. Dabei gehört die Schweizerin weiterhin zu den erfolgreichsten Fahrerinnen ihrer Generation. Seit ihrem Einstieg in die WorldTour im Jahr 2021 hat die inzwischen 35-Jährige insgesamt 43 Siege gefeiert und sich als feste Größe im internationalen Peloton etabliert.
Bei Movistar zeichnet sich unterdessen bereits ein Generationenwechsel ab. Mit dem spanischen Supertalent Paula Blasi hat die Mannschaft in der aktuellen Transferperiode eine der vielversprechendsten Nachwuchsfahrerinnen verpflichtet. Damit treffen beim spanischen WorldTour-Team vor der Saison 2027 zwei unterschiedliche Karrierephasen aufeinander: Reusser verkörpert die erfolgreiche Gegenwart, während Blasi zu den großen Hoffnungsträgerinnen für die Zukunft zählt.

Marlen Reusser schwärmt von Paula Blasi und blickt auf die Tour de France Femmes 2027

Im Rahmen der dieswöchigen Streckenpräsentation der Tour de France Femmes 2027 äußerte sich Reusser ausführlich zu den Perspektiven ihrer neuen Teamkollegin. Die Schweizerin ist überzeugt, dass der vorgestellte Parcours Blasi besonders entgegenkommen könnte. Gleichzeitig begrüßte sie ausdrücklich, dass Movistar die Siegerin der Vuelta Femenina für die kommende Saison gewinnen konnte.
Marlen Reusser bei der Radsport-WM 2026.
Marlen Reusser denkt bereits über das Ende ihrer Profikarriere nach. Die 35-jährige Zeitfahr-Weltmeisterin möchte bei der Tour de France Femmes 2027 aber noch einmal um das Gelbe Trikot kämpfen.
„Für Paula ist diese Tour-Strecke meiner Meinung nach ideal. Bei den Ardennen-ähnlichen Etappen ist es gut, starke Fahrerinnen im Team zu haben, denn so lassen sich gute taktische Optionen entwickeln“, erklärte Reusser bei der Präsentation der Frankreich-Rundfahrt, wie Cyclingnews berichtete.

„Ich werde bald aufhören“ – Reusser denkt bereits an die Zeit nach ihrer Karriere

Besonders bemerkenswert waren jedoch Reussers Aussagen über ihre eigene sportliche Zukunft. Während sie ihrer jungen Teamkollegin zutraut, eines Tages die Tour de France Femmes zu gewinnen, machte die 35-Jährige deutlich, dass sie selbst nicht mehr unbegrenzt viele Jahre im Profipeloton verbringen möchte.
„Ich glaube, sie wird die Tour irgendwann gewinnen wollen, und das finde ich schön. Ich werde bald aufhören. Ich bin nicht mehr die Jüngste. Deshalb ergibt es Sinn, sie im Team zu haben. Sie ist ein sehr großes Talent. Außerdem ist es ein spanisches Team, was schön ist.“
Trotz dieser Gedanken an das Karriereende hat Reusser ihre sportlichen Ambitionen keineswegs aufgegeben. Im Gegenteil: Bei der Tour de France Femmes 2027 möchte die Schweizerin möglichst selbst zu den Anwärterinnen auf das Gelbe Trikot gehören. Entsprechend groß war ihr Interesse an der neuen Streckenführung, weshalb sie persönlich zur offiziellen Präsentation nach Paris reiste.
Allerdings ging es Reusser bei ihrem Besuch im Palais des Congres nicht ausschließlich um die sportlichen Herausforderungen der kommenden Frankreich-Rundfahrt. Wie sie anschließend verriet, wollte sie auch die besondere Atmosphäre einer solchen Großveranstaltung erleben und herausfinden, ob diese bei ihr noch einmal dieselbe Begeisterung auslösen würde wie einst zu Beginn ihrer Karriere.
„Die Präsentation war wirklich toll. Ich erinnere mich daran, dass ich erst sehr kurz im Radsport war, als ich an den Olympischen Spielen teilnahm. Davon hatte ich nie geträumt, und es war auch nichts, worauf ich hingearbeitet hatte. Dann musste ich zu einer Auftaktveranstaltung für die Olympischen Spiele in der Schweiz, und dort hat mich der olympische Geist richtig angesteckt“, erinnerte sich Reusser.
Genau dieses besondere Gefühl hatte sie nun auch bei der Tour-Präsentation gesucht. „Deshalb wollte ich hierherkommen und sehen, ob mich das wieder packt. Ich finde, das ist ihnen gut gelungen. Es ist eine schöne Veranstaltung.“

Kritik an der Tour-Präsentation: Reusser fordert mehr Gleichberechtigung

Trotz ihrer positiven Eindrücke nutzte Reusser die Veranstaltung auch, um auf aus ihrer Sicht weiterhin bestehende Unterschiede zwischen dem Männer- und Frauenradsport aufmerksam zu machen. Besonders die Inszenierung der beiden Rennverantwortlichen fiel ihr dabei auf. Obwohl Tour-Direktor Christian Prudhomme und Marion Rousse, die Direktorin der Tour de France Femmes, gemeinsam auf der Bühne standen, vermittelte die Präsentation der Schweizerin nicht den Eindruck einer vollständig gleichberechtigten Stellung.
„Wir haben auch zwei sympathische Rennleiter, aber für mich stehen sie nicht auf derselben Ebene. Es wirkt eher so, als stehe der Rennleiter der Männer im Mittelpunkt und die Rennleiterin der Frauen neben ihm“, kritisierte Reusser.
Dabei erkennt die Zeitfahr-Weltmeisterin ausdrücklich an, welche Fortschritte die Tour-Organisatoren bei der Förderung des Frauenradsports bereits erzielt haben. Aus ihrer Sicht müsse sich der Anspruch auf Gleichberechtigung jedoch auch in vermeintlich kleinen Details widerspiegeln. „Die Tour macht so viel richtig, indem sie zeigt, dass es nicht nur Männersport gibt. Wir sprechen viel darüber, sollten es aber einfach stärker umsetzen. Ich hoffe, dass bei solchen kleinen Schritten auch die Präsentation und das ganze Drumherum mitgedacht werden.“
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