Tadej Pogacar fegte die Albträume seiner Niederlage in Le Lioran vor zwei Jahren hinweg – mit einer weiteren Machtdemonstration roher Stärke
während der zehnten Etappe der
Tour de France 2026. Seine Rivalen konnten nicht folgen, doch das galt am Ende auch für seine auf dem Papier bombensichere Mannschaft.
Weit außerhalb des GC-Kampfes eröffnete Richard Carapaz das Rennen früh mit einem mutigen Angriff, den er lange stark verteidigte. Doch nur bis Pogacar den Alarm auslöste und den Ecuadorianer zum Statisten seiner eigenen Großtat machte.
„Pogacar schließt fast eine Minute auf sechs bis siebenhundert Metern“, staunte Dumoulin über den Slowenen während seiner
NOS-Analyse. „Er ist wirklich wie eine Rakete gezündet. Vingegaard hat es nicht einmal versucht; es gab schlicht gar keine Chance.“
„Wenn man sieht, wie er an Carapaz vorbeizieht; es ist, als stünde Carapaz still. Und Carapaz ist weder ein früher Ausreißer noch ein müder Fahrer, der den ganzen Tag vorne war; er war gerade erst weggefahren. Das ist wirklich unglaublich“, betont der Limburger.
„Als Fahrer kann dich das manchmal entmutigen. Gegen diesen Pogacar kannst du schlicht absolut nichts ausrichten. Selbst an einem Tag wie heute, an dem sein Team etwas schwächer war, ist er unantastbar.“
UAE war nicht allmächtig und glänzend
Bei
UAE Team Emirates - XRG lief trotz Pogacars drittem Sieg dieser Ausgabe nicht alles rund. Nach der starken Vorarbeit der „Flachfraktion“ um Tim Wellens wirkte es, als hätten Adam Yates, Brandon McNulty und vor allem Isaac del Toro ein Stück der erwarteten Zusatzqualität vermissen lassen.
„Das Drehbuch war heute exakt wie vor zwei Tagen: den ganzen Tag Tempo machen und, wenn es ernst wird, fehlt entweder die Wucht oder die richtige Konstellation.“
Tadej Pogacar siegt in Le Lioran
Sie hatten nie eine Chance
Für Dumoulin stand außer Frage, dass das slowenische Phänomen diese Etappe als persönliche Revanche am Skiort markiert hatte. Allerdings konnte er sich weniger auf seine Teamkollegen stützen als erhofft.
„Pogacar wollte hier in Le Lioran unbedingt gewinnen – wegen der Erinnerung vor zwei Jahren, als er im Sprint auf exakt diesem Ziel von niemand Geringerem als Vingegaard geschlagen wurde. Am Ende hat er es heute fantastisch vollendet, aber nicht dank eines starken Teams. Am Pertus fiel bei UAE einer nach dem anderen zurück“, beobachtete Dumoulin.
Isaac del Toro und Tadej Pogacar
Insbesondere die Vorstellung von Isaac del Toro fiel blass aus und hinterließ bei Dumoulin einen bitteren Nachgeschmack. Der Mexikaner sollte heute Pogacars rechte Hand sein. Stattdessen konnte er nur bis zu Pogacars Antritt mitgehen und musste dann zusehen, wie die übrigen Favoriten davonfuhren.
„Ich vermute, dass Del Toro, der im weißen Trikot an Pogacars Hinterrad saß, der Grund war, warum UAE nicht früher aufs Gas drückte. Er fühlte sich vermutlich nicht gut. Pogacar wollte natürlich nicht von einem schlechten Tag seines Teamkollegen profitieren, den er liebend gern in Paris aufs Podium bringen würde“, analysiert er.
„Dadurch griff Pogacar erst etwas später alleine an – in der Hoffnung, dass Del Toro bei den Verfolgern im Hintergrund noch mitgehen könnte. Leider ging das nicht auf. Del Toro kämpfte mit purem Charakter, verliert aber vier Plätze im Gesamtklassement und ist nun Siebter“, so Dumoulin.
Alles in allem zeigte sich Dumoulin jedoch zufrieden mit der heutigen Rennführung und hofft auf weitere actionreiche Tage in den kommenden Etappen. „Es war den ganzen Tag pure Spannung, echtes Mitfiebern. Wir können uns absolut nicht beschweren, auch wenn am Ende derjenige gewann, den wir alle erwartet hatten.“