Vladimir Kovacik gehört zu den überraschendsten Protagonisten der diesjährigen
Radsport-WM. Dass sein Name vielen Fans kaum etwas sagen dürfte, hat einen einfachen Grund: Der 28-Jährige ist kein aktiver Radprofi. Dennoch wird er am Sonntag als einziger Fahrer die Slowakei im Männer-Elite-Straßenrennen vertreten – obwohl er ursprünglich als Soigneur nach Montreal gereist ist.
Der Slowakei drohte, in Montreal komplett ohne Starter dazustehen. Welche Konsequenzen das gehabt hätte, verdeutlichte Nationaltrainer Jakub Vanco gegenüber
Sportsnet: „Für den Landesmeister entspricht der Punktverlust der Hälfte der Gesamtsumme; für den Zweitplatzierten sind es nahezu zwei Drittel. Wir sprechen von einem Verlust im Hunderterbereich. Das entspricht dem Gewinn einer WorldTour-Rundfahrt – etwas, das außerhalb unserer Reichweite liegt.“
Drei Fahrer fallen aus - Slowakei droht Verlust wichtiger UCI-Punkte
Ein fehlender Starter hätte gravierende Folgen, denn den Fahrern des Landes würden UCI-Punkte aberkannt. Zwar gehört die Slowakei aktuell nicht zu den Schwergewichten des internationalen Radsports, doch Viktoria Chladonova hat gerade im U23-Rennen der Frauen ein starkes Ergebnis erzielt. Vor rund einem Jahrzehnt feierte Peter Sagan zudem mehrere Titel bei der Radsport-WM und trug das Regenbogentrikot.
Alle drei ursprünglich nominierten Fahrer stehen am Sonntag jedoch nicht zur Verfügung. Die WorldTour-Profis Martin Svrcek und Matthias Schwarzbacher fehlen verletzt. Lukas Kubis von den Unibet Rose Rockets erhielt von seinem Team keine Freigabe, da er sich auf die Ziele seiner Mannschaft konzentrieren soll.
Lukas Kubis kann bei der Radsport-WM in Montreal nicht starten, begrüßt jedoch die ungewöhnliche Lösung des slowakischen Verbands, um wichtige UCI-Punkte zu sichern.
„Wir müssen unserer UCI-Verpflichtung nachkommen, im Elitebereich einen Fahrer zu stellen. Unsere Teilnahme wird rein formaler Natur sein. Wir werden von jemandem vertreten, der bereits hier ist und die notwendigen Kriterien sowie die Lizenzbedingungen formal erfüllt.“
Vom Soigneur zum WM-Starter: Kovacik erhält unverhoffte Chance
Dieser Fahrer ist Vladimir Kovacik, eigentlich Soigneur der slowakischen Nationalmannschaft. Ganz ohne Profierfahrung ist der 28-Jährige allerdings nicht: Kovacik fuhr 2016 für ein Continental-Team, bestritt seit dem darauffolgenden Jahr jedoch keine Profirennen mehr. Dem Radsport blieb er eng verbunden – und erhält nun unter außergewöhnlichen Umständen die Chance seines Lebens.
Für den Verband geht es dabei vor allem um die langfristige Perspektive seiner Talente. „Wir tun das für unsere talentierten Radsportler; wir müssen sie im Ranking oben halten, damit Fahrer wie Schwarzbacher, Kubis, Riska, Novak, Chladonova, Ungerova und andere die Chance auf Olympia haben.“
Kubis bedauert sein Fehlen: „Es tut mir sehr leid“
Sportlich wiegt vor allem die Abwesenheit von Lukas Kubis schwer. Der Klassikerspezialist ist einer der prominentesten Fahrer des Landes und hätte die slowakischen Ambitionen in Montreal verstärken können.
„Es tut mir sehr leid, dass ich am Sonntag nicht starten kann. Andererseits bin ich froh, dass der Verband eine Lösung gefunden hat, um diese wichtigen Punkte für uns zu sichern – Punkte, die im Kampf um die Ranglisten entscheidend sein könnten.“
Kovaciks ungewöhnlicher Einsatz besitzt damit eine Bedeutung, die weit über das Rennen hinausgeht. „Dank der Teilnahme verlieren wir keine wichtigen Zähler, was uns für die Zukunft in eine bessere Ausgangsposition bringt.“