INTERVIEW | Afonso Eulálio: Wie ein brillantes Jahr 2024 und die Volta a Portugal den Weg in die WorldTour ebneten
Radsport
Das portugiesische Peloton in der WorldTour hat in diesem Jahr durch den überraschenden Einstieg von Afonso Eulálio bei Bahrain - Victorious Zuwachs erhalten. Der talentierte Kletterer, der von der Agentur A&J All Sports (die unter anderem auch Tadej Pogačar vertritt) unter Vertrag steht, wagt den Schritt an die Spitze der Radsportwelt. Im Gespräch mit CyclingUpToDate sprach er über die entscheidenden Momente seiner Karriere im portugiesischen Peloton, die Volta a Portugal 2024, seine Ziele für 2025 und die Anpassung an eine völlig neue Teamstruktur.
Eulálio war Teil des ABTF-Teams Betão - Feirense, einer kleinen kontinentalen Mannschaft in Portugal, die mit Sabgal - Anicolor, seinem vorherigen Team, konkurrieren wollte. Im Jahr 2022 wurde er U23-Landesmeister und berichtet, dass sein Talent früh erkannt wurde. Dennoch entschied er sich, das Team zu verlassen, um neue Möglichkeiten zu suchen.
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"Mein Talent wurde erkannt, und wir wussten beide, dass es gut lief. Ich wurde in diesem Jahr Landesmeister, und das Team wusste, dass ich jung war. Es wurde sogar gescherzt, dass ich eines Tages die Volta a Portugal gewinnen würde. Trotzdem war uns allen klar, dass ich das Team verlassen musste, um mehr Chancen zu bekommen, da es dort viele Anführer gab", erklärte er. "Das Team war sehr stark, sodass es für mich schwierig war, dort Gelegenheiten zu bekommen."
Im Jahr 2023 sammelte Eulálio weitere Erfahrungen und erzielte solide Ergebnisse, doch erst 2024 gelang ihm der Durchbruch, der ihm internationale Aufmerksamkeit einbrachte. Er belegte den fünften Platz bei der Vuelta Asturias, die von Isaac del Toro vom UAE Team Emirates gewonnen wurde, gewann die Königsetappe der Troféu Joaquim Agostinho und wurde Gesamtzweiter. Doch der Höhepunkt des Jahres war seine beeindruckende Leistung bei der Volta a Portugal.
"In diesem Jahr habe ich die Troféu Joaquim Agostinho gewonnen, worüber ich sehr glücklich war. Es war mein erster Sieg bei einem internationalen Rennen. Bei der Volta a Portugal ist es jedoch immer etwas Besonderes, denn die Fernsehübertragung ist anders, es gibt mehr Fans und mehr Zuschauer."
Auf der ersten Hochgebirgsetappe über die berühmte Serra da Estrela wurde das Rennen bereits in der ersten Hälfte des Anstiegs mit zahlreichen Angriffen eröffnet. 13 Kilometer vor dem Ziel griff er an, obwohl er zugab, dabei eigentlich an seinen Teamkollegen und vermeintlichen Spitzenreiter António Carvalho gedacht zu haben.
"Ich bin ohne großen Druck in die Portugal-Rundfahrt gestartet, denn ich hatte bereits die Troféu Joaquim Agostinho gewonnen. Unsere Strategie basierte auf António Carvalho. Ich bin jung und wusste nicht, wie ich über so viele Tage hinweg durchhalten würde. Ich habe nicht so viel Erfahrung wie er", erklärte er. "Aber schließlich gab er mir einen Freibrief. Am Tag des Torre (Anstieg zur Serra da Estrela, Anm. d. Red.) griff ich wiederholt an, ohne an den Sieg zu denken, sondern mit dem Ziel, Colin Stussi, der in Gelb fuhr, zu zermürben, damit er mich verfolgen musste und Antonio ihm folgen konnte."
Am Ende zeigte Eulálio eine beeindruckende Leistung, indem er die Reste der Ausreißer einholte, den zweiten Platz auf der Etappe belegte und mit einem Vorsprung von über 1:30 Minuten auf Stussi die Führung im Gesamtklassement übernahm.
"Am Ende war es so, dass ich am Ende Gelb trug. Während der gesamten Volta haben wir uns gut verstanden, wir haben immer gut geredet, wir haben uns immer gut verstanden, die Dinge sind immer gut gelaufen. Am letzten Tag lief es dann nicht mehr so, wie wir es uns gewünscht hatten, aber so ist das im Radsport". Am 'letzten Tag' zeigte sich Eulálio sehr stark, aber das Team wurde von einer großen und starken Ausreißergruppe überwältigt, zu der auch mehrere GC-Fahrer gehörten, darunter Artem Nych, der am Ende die Gesamtwertung gewann.
Eulálio griff am vorletzten Anstieg des Tages an, in der Hoffnung, den Rückstand auf Stussi aufzuholen, auch wenn dieser das Rennen anführte. Ein Risiko, wie er einräumt, aber er erklärt die Idee dahinter: "Ich wusste, dass ich Pedro Silva vor mir hatte, er wartete auf mich und hatte bereits mit dem Team darüber gesprochen. Als ich losfuhr, sagte das Team zu Pedro, er solle warten, denn wir hätten nichts mehr zu verlieren. Ich wusste, dass ich mir Zeit für Colin Stussi nehmen musste, und ich sah, dass ich António Carvalho (der zuvor abgesetzt worden war, Anm. d. Red.) nicht bei mir hatte, um später anzugreifen, also beschloss ich, dort anzugreifen".
Der Angreifer sprengte das Feld, doch in der Abfahrt wurde die Attacke neutralisiert. Am letzten Anstieg des Tages kämpfte der damals 22-Jährige und wurde abgehängt. Er fiel auf den sechsten Platz in der Gesamtwertung zurück und wurde im abschließenden Zeitfahren 10. "... Ich hatte mit dem Kern Pharma-Fahrer bereits vereinbart, dass er einen Fahrer vor sich hat und bereits mit mir isoliert war. Am Ende war es immer zusätzliche Hilfe, aber dann ist sein Kollege in der Abfahrt gestürzt, wir haben etwas Hilfe verloren, dann war nur noch Pedro am Ziehen, der andere wollte nicht mit mir ziehen, also wurde es immer schwieriger. Die Idee war, 50 Kilometer vor dem Ziel zu attackieren und mich dann mit Pedro zu isolieren, um dann genug Zeit von Colin Stussi für das Zeitfahren zu gewinnen".
All diese Leistungen reichten aus, um ernsthafte Aufmerksamkeit zu erregen. Eulálio verrät, dass bereits vor der Volta mehrere Teams an ihm interessiert waren. "Vor der Volta hatten sie bereits mit mir gesprochen und mir gesagt, dass einige Teams interessiert seien und dass wir am Ende der Volta a Portugal mit einigen Teams sprechen würden, einige Videoanrufe mit einigen Teams, aber sie haben mir nie gesagt, dass es Teams waren, nie etwas in der Art, um mich nicht unter Druck zu setzen und in der Volta ruhig zu bleiben. Aber danach habe ich mit Bahrain gesprochen, da war schon alles geklärt". Gab es noch andere World Tour-Teams, die interessiert waren? "Es ist nicht wert, Namen zu nennen, aber ja", versichert er.
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In dieser Woche sind die Temperaturen in Altea gesunken, aber die Sonne scheint und die Fahrer genießen ihr erstes Trainingslager. Im gleichen Hotel wie Bahrain - Victorious ist das italienische Team Bardiani, aber auch Gerüchte über andere wie Axeon und FDJ-Suez... Nur wenige Kilometer weiter befinden sich mehrere andere World Tour-Teams, und auf der Straße, die durch die spanische Stadt führt, fahren innerhalb weniger Minuten Dutzende von Profis durch. Eine völlig andere Realität für den portugiesischen Fahrer..
"Es ist alles ganz anders. Allein die Tatsache, dass man nicht mehr 10, sondern 30 Teamkollegen hat, macht einen großen Unterschied aus. Hier in Portugal haben wir 10 Radfahrer, die alle Portugiesisch sprechen, oder es gibt einen Spanier oder so etwas in der Art. Hier haben wir die Hälfte der Nationalitäten, die alle unterschiedlich sind, es ist alles sehr unterschiedlich", erklärt er. "Das Personal in Portugal ist am Ende sehr klein, hier gibt es mehr Personal als Radfahrer. Das ist ein großer Unterschied. Außerdem ist mein Englisch nicht perfekt, so dass es etwas schwierig ist, mit ihnen zu sprechen und zu kommunizieren, aber sie haben mir sehr geholfen und es war wirklich gut, mit ihnen zu arbeiten.
Eulálio ist einer der vielen jungen Fahrer, auf die das Team in diesem Winter gesetzt hat, und einer, der sich auf die Bergrennen konzentriert. Er erzählt uns, wo er seine Saison 2025 beginnen wird, obwohl weitere Details noch nicht feststehen: "Ich werde bei der Tour Down Under starten, ich hoffe, dass es ein gutes Rennen wird, es wird sehr heiß sein.
Bei der Volta a Portugal kam er mit der extremen Hitze gut zurecht, aber er erklärt, dass er es hasst, bei Hitze zu fahren, und Kälte und Regen immer vorzieht. "Beim Anstieg zur Serra da Estrela bin ich mit drei Eissocken von unten losgefahren, eine vorne und zwei hinten, weil mir bei Hitze schlecht wird und ich Angst davor habe", erinnert er sich. "Ich bin also immer vorbereitet, um dem vorzubeugen, und das Team war unglaublich gut zu mir und hat mich immer so gut wie möglich verstanden".
Eine Grand Tour im Jahr 2025? Das sind Pläne, die noch mit dem Team diskutiert werden. Wir werden in der Zukunft sehen". Schließlich teilt er auch mit, dass er an seinem Zeitfahrrad arbeitet, etwas, das er für 2024 komplett auf Eis gelegt hatte.
"Natürlich arbeite ich schon am Zeitfahren, ich bin wirklich schwach. Ich habe härter gearbeitet, früher habe ich nicht einmal in Portugal gearbeitet oder auf einem Zeitfahrrad trainiert, jetzt tue ich es, übe, um mich zu verbessern, und so habe ich es bisher auch gemacht. Ich arbeite immer und versuche mich zu verbessern, in diesem Fall in dem, was ich nicht so gut kann, und in den anderen Bereichen, in denen ich etwas bewirken kann", schloss er.
Original: Rúben Silva

Pascal MichielsSEO-Manager, Sportjournalist und Editor-in-chief
In meiner Nachbarschaft wuchs man mit der Tour de France auf. Sie war überall – es waren die letzten großen Jahre von Eddy Merckx. Wir waren Kinder, trugen Trikots und spielten die gesamte Rundfahrt nach. Zwei Brücken wurden zu unseren „Bergen“, und wir rasten über Straßen, als Autos noch nicht den Ton angaben. Mit 13 Jahren war mein Herz endgültig dem Radsport verfallen. In einem Urlaub in Frankreich durfte ich nach langem Drängen eine echte Bergetappe fahren – mit meinem Fahrrad von zu Hause, drei Gängen, Licht, dicken Reifen und Schutzblechen.
Ich brach früh auf, fuhr den Col de Joux Plane und anschließend Morzine-Avoriaz. Proviant: eine Tüte Kirschen, kein Wasser, keine Erfahrung. Von Les Gets aus wurde es trotzdem der glücklichste Tag meines Lebens. Als ich die Häuser auf halber Höhe des Joux Plane erreichte, wusste ich, dass ich nicht aufhören würde zu treten. Oben angekommen trank ich an einem Baumstamm – und spürte eine Freude, die ich bis heute mit dem Radsport verbinde. Im Tal stand die Entscheidung an: zurück oder weiter nach Avoriaz. Ich fuhr weiter, ohne anzuhalten, und schaffte auch den zweiten Anstieg. Mit meinem knallroten, eigentlich lächerlichen Rad überholte ich Fahrer auf echten Rennrädern. Wieder dieses Glück.
Dieses unverfälschte Gefühl begleitet mich bis heute – und es ist der Ursprung meiner Arbeit. Ich bin Chefredakteur von Radsportaktuell.de und verantworte die redaktionelle Ausrichtung der Plattform: Themenpriorisierung, Qualitätsstandards, Faktenprüfung und die konsequente Aktualisierung von Inhalten, sobald neue, verifizierte Informationen vorliegen. Neben der Leitung der Redaktion schreibe und editiere ich selbst und lege besonderen Wert auf klare Einordnung, präzise Sprache und nachvollziehbare Analysen.
Radsport ist für mich mehr als Leidenschaft. Er ist ein komplexer Leistungssport, der Kontext, Genauigkeit und Verantwortung verlangt – genau diesen Anspruch vertrete ich in unserer täglichen Berichterstattung.
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- Die 120. Lombardei-Rundfahrt 2026 führt am 10. Oktober 2026 über 239 Kilometer von Bergamo nach Como. Ohne den verletzten Seriensieger Tadej Pogačar ist das Rennen völlig offen, wobei die taktische Ausrichtung der Top-Teams von der Streckenänderung geprägt ist: Der Muro di Sormano entfällt, dafür entscheidet ein anspruchsvoller Schlussrundkurs mit dem Doppelpack aus Civiglio und San Fermo della Battaglia das Rennen. Taktische Ausrichtungen der Favoriten-Teams Soudal Quick-Step (Remco Evenepoel) Frühzeitige Solo-Attacke: Evenepoel setzt nach dem EM-Titel auf ein langes Solo oder eine gut getimte Attacke an den letzten Steigungen (Civiglio/San Fermo), um seine Stärke im gleichmäßigen, hohen Tempo auf den flachen/abfallenden Passagen auszuspielen. UAE Team Emirates-XRG (Brandon McNulty, Isaac del Toro) Offensive Mehrfach-Optionen: Ohne Pogačar fährt das Team mannschaftsdienlich aggressiv. Weltmeister McNulty und Del Toro müssen das Rennen früh schwer machen, können aber durch Überzahl im Finale (mit Yates, Großschartner etc.) taktisch variieren. Red Bull – Bora – hansgrohe (Jai Hindley, Primož Roglič, Giulio Pellizzari) Dreifachspitze & Kontrolle: Das Team verfügt über eine starke Kapitänsdichte. Die Taktik dürfte darauf abzielen, das Rennen in den ersten harten Kilometern und am Ghisallo schwer zu halten und mit verschiedenen Karten im Finale zu attackieren. Lidl – Trek (Giulio Ciccone) Am Rad bleiben & Explosivität: Ciccone bewies bei der EM, dass er steile Anstiege mit den Besten gehen kann. Seine Taktik wird sein, Evenepoel oder andere explosive Fahrer am Civiglio zu kontrollieren und auf seine Sprintstärke im Finale zu setzen. Schlüsselfaktoren für den Rennverlauf Frühe Härte: Bereits in den ersten 80 Kilometern und am Anstieg zur Madonna del Ghisallo wird das Feld ausgedünnt. Helferteams wie UAE oder Red Bull müssen hier früh das Tempo bestimmen. Das Finale (Civiglio & San Fermo): Nach der ersten Überquerung von San Fermo folgt der steile Anstieg nach Civiglio (9,7 % Schnitt), der als Hauptsprungbrett für den entscheidenden Angriff dient. Wer hier eine Lücke reißt, kann über die finale Abfahrt und das letzte Mal San Fermo (5 km bis ins Ziel) durchziehen.gregmann09-10-2026
- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026








