„Ich würde ihn nicht bitten, mich vorbeizulassen ...“ – Lenny Martínez muss sich auf der Königsetappe der Tour de Suisse hinter Tadej Pogacar begnügen

Radsport
Montag, 22 Juni 2026 um 12:15
LennyMartinez
Lenny Martínez hat bei der Tour de Suisse gezeigt, dass er bereit für die Tour de France ist, doch die Ergebnisse entsprachen nicht ganz seinen Erwartungen. Eine herausragende Kletterleistung auf Etappe 5 brachte ihn fast zum Tagessieg, doch dort wartete kein Geringerer als Tadej Pogacar.
Auf der 1. Etappe des Schweizer Rennens verloren er und Antonio Tiberi im von Pogacar überraschend aufgerissenen Finale den Anschluss an die Gesamtwertung. Das war eine bittere Enttäuschung. Während Tiberis Formfrage berechtigt ist, trifft das auf Martínez nicht zu.

Martínez sucht sein Glück in der Flucht

Mit neu gewonnener Freiheit schloss er sich am Schlusstag zusammen mit Afonso Eulálio der Tagesflucht an. Zwei Anstiege über den 19 Kilometer langen Col de la Croix und der abschließende 11 Kilometer lange Schlussanstieg nach Villars-sur-Ollon formten eine echte Bergetappe.
Martínez war der Stärkste der Ausreißer und attackierte am finalen Berg. Kurz gesagt: Er hätte es wohl geschafft, wäre da nicht der Weltmeister gewesen. Trotz des langen Fluchttags verlor er gegenüber seinen direkten Rivalen im Peloton kaum Zeit und unterstrich seine Topform.
Doch im letzten Kilometer wurde er von Pogacar gestellt, der Berichten zufolge über 24 Minuten 7,2 W/kg trat – ein gewaltiger Effort, der den Abstand zu Martínez schmolz und bereits innerhalb des Schlusskilometers die Entscheidung brachte.
Lenny Martínez bei der Tour de Suisse 2026
Lenny Martinez at the 2026 Tour de Suisse
„Da ist schon etwas Enttäuschung dabei. Ich denke, mit vielleicht 10 oder 15 Sekunden mehr hätte ich das flache Stück erreicht und es hätte klappen können“, sagte Martínez zu CyclingPro.net. „Aber ich war den ganzen Tag in der Flucht. Ich habe es probiert. Ich dachte, ich könnte gewinnen, aber er war ein bisschen stärker, so ist das eben.“
Hätte er den Anstieg im Peloton begonnen, wären seine Siegchancen gering gewesen. Also wählte er den Weg über die Flucht – ähnlich wie am Schlusstag in der Auvergne im Vorjahr. Diesmal aber fuhr der Slowene nicht konservativ.
„Ich bin froh, dass ich mir selbst Sicherheit geben konnte. Die Beine fühlen sich großartig an. Tag für Tag wurden sie besser. Ich bin sehr schlecht in diese Tour de Suisse gestartet, jetzt sehe ich, dass es wieder aufwärts geht, mein Niveau ist zurück.“

Gegen Pogacar ist wenig auszurichten

Martínez jagte im letzten Jahr bei der Tour das Bergtrikot, doch das Punktesystem spielte am Ende den GC-Fahrern in die Karten. Diesmal sollte ein konstanterer Martínez den Gesamtkampf anpeilen – unter dem Radar, während sein Heimatland auf die Chancen von Paul Seixas blickt.
Will Martínez eine Etappe gewinnen, weiß er, dass das über Ausreißergruppen gegen Konkurrenz dieser Klasse gelingen muss.
„Tadej gewinnt sehr viele Rennen, und genau das wollte er heute wieder tun. Es ist kompliziert, aber so ist es“, zeigte sich der Franzose realistisch. „Das ist Radsport. Ich werde ihn nicht bitten, mich gewinnen zu lassen.“
Am Anstieg nach Villars-sur-Ollon waren Hoffnung und Motivation groß, doch gegen einen Fahrer wie Pogacar ist wenig zu machen. „Ich konnte sehen, wie er nach und nach Zeit gutmachte, nicht auf einmal. Das zeigt, dass mein Niveau da war. Ich habe alles gegeben, mehr wäre nicht drin gewesen“, schloss er.
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