„Ich erwarte, dass er bei der Tour de France stärker ist als je zuvor“ – Italienischer Trainer sieht nach Dominanz bei Paris–Nizza einen Giro d’Italia-Sieg als Schlüssel zum nächsten Niveau bei Jonas Vingegaard
Radsport
Jonas Vingegaards dominante Vorstellung bei Paris–Nizza hat zwar frühe Formfragen beantwortet, zugleich aber eine größere Richtung für den Sommer aufgeworfen: Kann der Däne den nächsten Schritt gehen und vor der Tour de France auch den Giro d’Italia in Angriff nehmen?
Laut dem italienischen Coach Paolo Artuso ist die Antwort eindeutig. Gegenüber Bici.Pro erklärte der erfahrene Trainer, der Kapitän von Team Visma | Lease a Bike könne den Giro nicht nur gewinnen, sondern sich damit vor Juli sogar weiter steigern.
„Für mich macht er den nächsten Schritt“, sagte Artuso. „Nach Paris–Nizza wird er vor dem Giro d’Italia noch einmal ins Höhentraining gehen, und das wird ihn weiter verbessern. Wenn er den Giro ohne Rückschläge bestreitet und gut regeneriert, legt er vor der Tour de France nochmals nach.“
Paris–Nizza-Dominanz als Fundament
Vingegaards Auftritt in Frankreich lieferte die Basis für diese Einschätzung. Der Däne kontrollierte das Rennen über die entscheidenden Etappen, gewann zweimal und baute einen souveränen Gesamtsieg mit mehr als vier Minuten Vorsprung auf.
Für Artuso beruhte diese Dominanz jedoch nicht nur auf individueller Stärke. „Ich habe einen sehr starken Vingegaard gesehen, in Form und exzellent von seinem Team unterstützt. Diese beiden Elemente zusammen ermöglichten ihm die Dominanz“, erklärte er.
Entscheidend sei auch, wo dieser Vorteil herausgefahren wurde. „Die Unterstützung des Teams war auf dieser Etappe fundamental, und was er dort gewonnen hat, war wichtig, um diese Überlegenheit herzustellen.“
Diese Beobachtung zielt direkt auf die Windkanten-Etappe, in der Positionierung und Teamstärke das Rennen prägten. Sie unterstreicht zudem den größeren Punkt: Vingegaards hohes Niveau wurde durch die Struktur um ihn herum noch verstärkt.
Nicht der einzige Fahrer in Topform
Artuso betonte zudem, dass der Abstand im Gesamtklassement das Niveau der Konkurrenz nicht vollständig abbildet. „Meiner Meinung nach war er nicht der Einzige, der stark bergauf fuhr“, sagte er. „Auch die beiden Martinez-Fahrer waren sehr stark, besonders Lenny.“
Diese Nuance liefert Kontext zum Vier-Minuten-Vorsprung. Vingegaard war über die Woche klar der Stärkste, doch mehrere Rivalen zeigten ein Niveau, das unter anderen Umständen stärker ins Gewicht fallen könnte. „Auch wenn der Abstand groß ist, halte ich ihn für etwas kleiner, als es die reinen Zeitdifferenzen nahelegen“, fügte Artuso an.
Giro als Sprungbrett, nicht als Risiko
Die Entscheidung, Giro und Tour in einer Saison zu fahren, gilt seit Langem als eine der größten Herausforderungen im modernen Radsport. In einer Ära zunehmend spezialisierter Vorbereitung wird traditionell eine komplette Saison auf den Formhöhepunkt im Juli ausgerichtet.
Artusos Analyse widerspricht diesem Denken. „Für mich kann er den Giro d’Italia gewinnen“, sagte er. „Und zwar ohne zurückzustecken. Auf seinem Niveau kann ihm ein Rennen wie der Giro immer noch etwas zusätzlich geben.“
Anstatt den Giro als Belastung für Vingegaards Tour-Chancen zu sehen, rahmt der Italiener ihn als potenziellen Vorteil – vorausgesetzt, die Regeneration wird richtig gesteuert.
Diese Perspektive steht im Kontrast zur langjährigen Debatte im Sport, in der die körperlichen Kosten zweier Grand Tours in schneller Folge oft als limitierender Faktor im Kampf um das Maillot Jaune gelten.
Ein anderer Giro-Zweikampf
Sollte Vingegaard in Italien starten, wird sich auch die Wettbewerbslandschaft deutlich von der Tour de France unterscheiden. Tadej Pogacar wird voraussichtlich nicht dabei sein, und mehrere große Namen für die Gesamtwertung dürften andere Programme verfolgen. Stattdessen formiert sich beim Giro ein anderes Kontingent an Anwärtern.
Fahrer wie Joao Almeida, Richard Carapaz, Giulio Pellizzari, Jai Hindley und Ben O’Connor zählen zu den erwarteten Zielsetzern, flankiert von möglichen Herausforderungen durch INEOS Grenadiers und aufstrebende Kletterer, die sich auf Grand-Tour-Niveau etablieren wollen.
Artusos früherer Hinweis auf die Teamstärke könnte in diesem Kontext ebenso relevant sein. An den härtesten Tagen von Paris–Nizza sah er ein klares Muster an der Spitze. „Am kältesten und härtesten Tag waren nur die Top-Teams und Top-Fahrer vorne“, sagte er.
Diese Dynamik könnte den Giro ähnlich prägen – insbesondere, wenn Vingegaard mit derselben mannschaftlichen Wucht anreist, die in Frankreich entscheidend war.
Der Aufbau Richtung Juli
Für Vingegaard bleibt der größere Rahmen klar. Nach den Niederlagen gegen Pogacar bei den letzten beiden Ausgaben der Tour de France bietet die Saison 2026 die Chance, das Kräfteverhältnis an der Spitze neu zu justieren.
Paris–Nizza hat bereits gezeigt, dass der Däne trotz eines holprigen Jahresstarts schnell wieder ein hohes Niveau erreichen kann. Die nächste Frage ist, ob der Giro seinen Formschliff weiter schärft – oder ihm etwas nimmt.
Artuso ist klar im ersten Lager. „Wenn er keine Probleme hat und gut regeneriert, erwarte ich ihn stärker denn je bei der Tour de France“, schloss er.
Ob sich diese Prognose bewahrheitet, wird erst im Juli beantwortet. Doch nach seinem Auftritt bei Paris–Nizza hat Vingegaard eines bereits klargemacht: Der Weg zurück ins Maillot Jaune wird lange vor dem Tour-Start gebaut.
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Theo StodiekRedakteur
Theo ist seit 2025 Teil der Redaktion von Radsportaktuell.de und berichtet über den professionellen Radsport. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf Liveblogs zu wichtigen Renntagen und Etappen, bei denen er das Geschehen in Echtzeit begleitet und Ergebnisse sowie taktische Entwicklungen fortlaufend einordnet. Darüber hinaus schreibt er aktuelle Berichte und Hintergrundtexte rund um Teams, Fahrer und den Rennkalender.
Seine journalistische Laufbahn begann Theo als Praktikant und später als Werkstudent beim Online-Gaming-Magazin EarlyGame. Aktuell studiert er Ressortjournalismus an einer Hochschule. Theo arbeitet aus München und ist in seiner redaktionellen Arbeit eng mit den Kolleginnen und Kollegen der Schwesterplattformen vernetzt, darunter Nicolas Gayer und Oliver Ried. In seiner Berichterstattung legt er Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und die zeitnahe Aktualisierung von Inhalten, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026








