Jonas Vingegaards historischer
Sieg beim Giro d’Italia war keine spontane Spätentscheidung von
Team Visma | Lease a Bike. Er entstand Monate zuvor im dänischen Zuhause des Fahrers, der gerade die
Vuelta a Espana gewonnen hatte und bereits den nächsten Karriereschritt plante.
Vingegaard wurde im Mai erst der achte Fahrer der Radsportgeschichte, der alle drei Grand Tours gewann, als er sein Set beim Giro komplettierte und in Rom mehr als fünf Minuten vor Felix Gall ins Ziel kam.
In einer neuen Visma-Dokumentation hat Teamchef
Richard Plugge enthüllt, dass das Giro-Projekt kurz nach Vingegaards Vuelta-Triumph im September 2025 startete.
Der Giro bot Vingegaard die Chance, das Grand-Tour-Triple zu vollenden, bevor er zur
Tour de France zurückkehrt – bereits mit einem weiteren großen Sieg im Gepäck. Für Visma war es eine saisonprägende Entscheidung, lange bevor das Rennen Italien erreichte.
Visma-Besuch in Dänemark nach der Vuelta
„Nicht lange nach der Feier der Vuelta a Espana im September sind Jacco und ich zu ihm nach Hause nach Dänemark gefahren“, erklärt Plugge in der Doku und bezieht sich auf Jacco Verhaeren, Vismas Leiter des Sportbereichs.
„Wir hatten ein wirklich gutes Gespräch mit ihm, in dem wir darüber gesprochen haben, was die nächsten Ziele sein sollten und wie wir sie angehen. Und dort entstand die Idee, den Giro zu gewinnen. Die Idee, alle drei Grand Tours zu gewinnen“, sagt Plugge.
Nachdem er zur Tour-de-France-Bilanz auch die Vuelta hinzugefügt hatte, ließ Vingegaard nicht viel Zeit vergehen, bis Visma das nächste Ziel konkretisierte. Die Antwort wurde der Giro, dessen Sieg ihn in einen der exklusivsten Clubs des Radsports bringen und die Vorbereitung auf den Juli verändern würde.
Vingegaard kann nun in die Tour de France starten, mit der kompletten Grand-Tour-Sammlung statt mit einem offenen Meilenstein. Der Druck im Duell mit Tadej Pogacar bei der Tour ist nicht verschwunden, doch der Däne kommt mit einem Giro-Sieg im Rücken und einem weiter gefestigten Platz in der Radsportgeschichte.
Plugge stellte klar, dass der Plan mehr verlangte als nur Ambition. „Wir wissen, dass der Wettbewerb enorm ist, also müssen wir alles richtig machen. Es sind drei Wochen. Der Prozess ist mir immer sehr wichtig. Das Ergebnis sehen wir später.“
Giro abgehakt, Tour noch offen
Das Ergebnis kam in Italien. Vingegaard kontrollierte den Giro mit jener Präzision, die weite Teile seiner Grand-Tour-Karriere geprägt hat, und besiegelte den Gesamtsieg schließlich mit mehr als fünf Minuten Vorsprung auf Gall.
Für Visma lieferte der Erfolg die erste große Dividende des Post-Vuelta-Plans. Das Team wählte den Weg über den Giro, bevor es zur Tour zurückkehrte, statt die gesamte Saison ausschließlich auf den Juli auszurichten.
Barcelona bringt nun den nächsten Teil dieses Plans. Eine weitere Tour de France, ein erneutes Direktduell mit Pogacar und ein weiterer dreiwöchiger Test der Visma-Tiefe um einen Fahrer, der 2026 bereits eine Grand Tour gewonnen hat.
Die Dokumentation zeigt, wie früh diese Route abgesteckt wurde. Kurz nach den Vuelta-Feiern reisten Plugge und Verhaeren nach Dänemark und setzten sich mit Vingegaard zusammen, um zu entscheiden, was als Nächstes kommen sollte.
Dieses Gespräch hat bereits einen historischen Grand-Tour-Sieg hervorgebracht. Die nächste Prüfung ist, ob die gleiche Langfristplanung Visma durch die Tour de France tragen kann.