Jonas Vingegaard steht am Vorabend des Giro d’Italia 2026 im Mittelpunkt. Der Däne reist nach Stürzen von Rivalen wie João Almeida und Richard Carapaz als klarer Topfavorit auf die Maglia Rosa an, seine Überlegenheit wirkt auf dem Papier eindeutig.
In Spanien dreht sich die Debatte derweil stark um
Enric Mas. Der Movistar-Teamkapitän startet mit Fragezeichen hinter seiner Form – und mit dem Gefühl, dass ihn die Giro-Organisatoren im Kreis der Podiumsanwärter nicht ausreichend würdigen.
In einer Vorab-Analyse haben unsere Kollegen von
CiclismoAlDia Juan Larra und Javier Rampe das Favoritenfeld für die Italien-Rundfahrt durchleuchtet und klare Einschätzungen zu Vingegaards erwarteter Dominanz sowie zu den tatsächlichen Chancen von Mas abgegeben.
Für Juan Larra prägt die Präsenz von Jonas Vingegaard jede Prognose fürs Gesamtklassement. Der Chefredakteur von Ciclismoaldia hält den Dänen für „eine Klasse für sich“ und meint, nur eine riesige Überraschung könnte seinen Gesamtsieg verhindern.
Unbestreitbarer Favoritenstatus für Vingegaard
„Alles andere als ein Sieg Vingegaards, mit Minuten Vorsprung, wäre ehrlich gesagt ein gewaltiger Schock“, sagte er und deutete an, dass das Team des Dänen die Maglia Rosa womöglich vorsichtig managen werde, um nicht überdreht zur Tour de France zu kommen: „Der smarte Zug könnte sein, erst zur Mitte der zweiten Woche Rosa zu übernehmen, damit nicht die ganze Mannschaft vom ersten Tag an festgelegt ist.“
Javier Rampe teilt die Sicht auf die absolute Überlegenheit des dänischen Leaders und meint, der Rest der Favoriten fahre fast ein anderes Rennen. Der Ciclismoaldia-Redakteur betonte, dass das Fehlen von Almeida und Carapaz Vingegaards Weg zusätzlich frei mache: „Niemand außer Jonas Vingegaard ist ein echter Kandidat für Rosa.“ Er ergänzte, dass selbst aufstrebende Fahrer wie Giulio Pellizzari noch weit davon entfernt seien, den Dänen zu gefährden: „Über Giulio Pellizzari als ernsthaften Rosa-Anwärter zu sprechen, fällt mir schwer.“
Neben dem Favoritenstatus des Visma-Profis dreht sich die große Diskussion um Enric Mas und seine Auslassung unter den Hauptnamen, die die Giro-Organisatoren hervorgehoben haben. Juan Larra ist überzeugt, dass der Spanier sehr wohl zu den echten Podiumsanwärtern zählt, und erinnerte an eine Statistik, die für ihn den Kern trifft: „Enric Mas hat vier Vuelta-a-España-Podestplätze in seiner Karriere.“ Aus seiner Sicht sollte Mas’ Konstanz bei Grand Tours mehr Anerkennung bringen: „Ich hätte ihn auf diese Liste gesetzt – als einen der Podiumskandidaten hinter Jonas Vingegaard.“
Rampe stimmt zu, dass Enric Mas genügend Argumente für die vorderen Plätze im Gesamtklassement hat, weist jedoch auf eine spezifische Gefahr hin: das lange Zeitfahren in der ersten Hälfte des Giros. „Das Podium von Enric Mas wird sich dort entscheiden“, sagte er und merkte an, dass der Movistar-Profi bei dieser Belastung tendenziell stärker leidet als viele Rivalen.
Gelingt Mas an diesem Tag jedoch eine Schadensbegrenzung, sieht Rampe ihn in den Bergen als eine der stärksten Karten: „Wenn Enric da ohne große Minutenverluste gegenüber seinen direkten Gegnern herauskommt, öffnet sich für ihn eine sehr große Chance, mit fixiertem Podium in Rom anzukommen.“
Die Qualitäten von Enric Mas
Juan Larra verteidigte zudem die Hochgebirgsqualitäten des Mallorquiners und forderte mehr Wertschätzung für seine Grand-Tour-Konstanz der letzten Jahre: „Enrics Kletterfähigkeiten infrage zu stellen, ist ihm gegenüber unfair und verkennt sein Verdienst.“ Der Journalist glaubt, dass der Movistar-Kapitän in der dritten Woche weiterhin Differenzen setzen kann, wenn er in guter Verfassung ankommt: „Er hat in Grand Tours starke Schlusswochen abgeliefert.“
Javier Rampe erinnerte seinerseits daran, dass die Vorbereitung des Spaniers sehr anders verlief als bei anderen Favoriten und dass er mit wenigen Renntagen in den Beinen anreist, was jedoch nicht zwingend negativ zu lesen sei. „Er gehört 2026 zu denen mit den wenigsten Renntagen“, sagte er und verwies darauf, dass modernes Training Rennintensitäten zunehmend simuliert.
So startet der Giro d’Italia mit nahezu einhelligem Favoritenstatus für Jonas Vingegaard – und der Frage, wie weit Enric Mas tragen kann. Bei Ciclismoaldia sind sie sich einig: Der Däne wirkt unantastbar, doch der Spanier verdient in den Vorschauen vor dem Start deutlich mehr Respekt, als ihm mancher aktuell zubilligt.