Alexys Brunel hat abseits des Profi-Pelotons eine beeindruckende Leistung gezeigt und den Lille-Marathon in 2:26:50 Stunden beendet. Der 28-jährige Franzose, der weiterhin bei
TotalEnergies unter Vertrag steht, belegte in der Gesamtwertung Rang 20 und war der viertschnellste französische Läufer im Rennen.
Brunels Zeit ist angesichts seiner kurzen Vorbereitung besonders bemerkenswert. Damit war er auch schneller als mehrere ehemalige Profiradfahrer, die inzwischen auf Langstreckenläufe setzen. Dazu zählt Tom Dumoulin, der bei seinem Marathon-Debüt in Amsterdam im vergangenen Jahr 2:29:21 Stunden benötigte.
Der Franzose schien von seiner eigenen Leistung überrascht. „EINFACH NUR WTF“, schrieb er auf
Instagram. Dort bedankte er sich auch bei den Zuschauern für ihre Unterstützung und bei seinem Trainer Luca Filipas, der ihm bei der Vorbereitung in kurzer Zeit geholfen hatte.
Die erste Hälfte absolvierte Brunel in 1:14:10 Stunden, danach steigerte er das Tempo und lief die zweite Hälfte in 1:12:40 Stunden. Mit dieser negativen Zwischenzeit blieb er deutlich unter der Marke von zweieinhalb Stunden.
Beeindruckende Zeit trotz Kritik an seinem Einsatz für den Radsport
Brunels Marathonleistung fällt in eine schwierige Phase seiner Radsportkarriere. In den vergangenen Wochen wurde er in den sozialen Medien, insbesondere auf X, dafür kritisiert, dass seine Laufaktivitäten offenbar nicht zu seinen Ergebnissen auf dem Rad passten.
Der Franzose beendete keines seiner letzten sechs Rennen. Gleichzeitig zeigten seine Social-Media-Kanäle zunehmend Laufeinheiten und die Vorbereitung auf den Marathon. Das sorgte für Aufmerksamkeit, während sein Team TotalEnergies mit Unibet Rose Rockets um die Platzierung in der UCI-Rangliste kämpfte.
Der Kampf um Ranglistenpunkte war für beide Teams von großer Bedeutung. Auch die Chance auf eine begehrte Wildcard für die Tour de France 2027 erhöhte den Einsatz. TotalEnergies setzte sich letztlich vor dem Rivalen durch. Brunels jüngster Fokus auf das Laufen warf jedoch Fragen zu seinen Prioritäten als Radprofi auf.
Sein Marathonergebnis ist dennoch eine beachtliche sportliche Leistung, auch wenn es keinen Rekord unter ehemaligen und aktiven Profiradfahrern darstellt.
Der ehemalige französische Profi Stéphan Ravaleu lief den Rennes-Marathon 2021 in 2:24:35 Stunden. Leonardo Calzavara aus Italien benötigte 2007 beim Venedig-Marathon 2:26:23 Stunden. Beide Zeiten waren schneller als Brunels Leistung in Lille.
Brunel war allerdings schneller als der ehemalige französische Sprinter Nacer Bouhanni, der den Valencia-Marathon im vergangenen Jahr in 2:31:33 Stunden beendete.
Immer mehr Radfahrer wagen sich auf die Langstrecke
Für mehrere Fahrer ist der Marathon nach oder neben ihrer Profikarriere zu einer reizvollen Herausforderung geworden. Die Anforderungen unterscheiden sich deutlich vom Straßenradsport. Die im Radsport aufgebaute Ausdauer kann jedoch eine gute Grundlage sein.
Brunels Leistung fällt auch im Vergleich zu Dumoulins Marathon-Debüt stark aus, auch wenn Vorbereitung und Umstände bei beiden Athleten unterschiedlich waren. Über die Halbmarathondistanz erzielte der ehemalige australische Profi James Whelan 2025 in Valencia eine bemerkenswerte Zeit von 1:01:27 Stunden. Dumoulins persönliche Bestzeit über dieselbe Distanz liegt bei 1:08:45 Stunden.
Vom französischen Radsporttalent in eine ungewisse Zukunft
Brunels langfristige Pläne sind offen. Einst galt er als eines der größten französischen Nachwuchstalente. Er gewann den Junioren-Europameistertitel im Zeitfahren sowie Paris-Tours Espoirs und rückte anschließend in Richtung Radsportspitze vor.
2022 nahm seine Karriere eine schwierige Wendung, als er seinen Vertrag mit UAE Team Emirates nach einer schweren Depression auflöste. Danach widmete er sich anderen sportlichen Herausforderungen, darunter Triathlon und Gravelrennen. 2025 kehrte er mit TotalEnergies ins Profi-Peloton zurück.
Sein Comeback krönte er mit einem Sieg beim GP Jean-Pierre Monseré. Damit erinnerte er an das Talent, das ihn zu Beginn seiner Karriere zu einem so hoch gehandelten Nachwuchsfahrer gemacht hatte.
Auch die Zukunft von TotalEnergies war in den vergangenen Monaten ungewiss. Eine Fortsetzung des Teams bis 2027 scheint inzwischen jedoch immer wahrscheinlicher. Ob Brunel dann noch zum Team gehört, ist eine andere Frage.