„Es wurde Zeit, dass ich wieder Rennen fahren durfte“: Lottos Juwel Jarno Widar gibt nach Knieverletzung in der Schweiz sein Comeback

Radsport
Freitag, 19 Juni 2026 um 10:00
Jarno Widar
Jarno Widar hat sich in zwei Jahren im Lotto-Entwicklungsteam als eines der herausragenden Talente etabliert. In dieser Zeit gewann er den „Baby“-Giro Next Gen, die Ronde de l'Isard und den Giro Valle d'Aosta und krönte sich zum U23-Europameister auf der Straße. Entsprechend hoch waren die Erwartungen an sein Profidebüt in dieser Saison – doch der Gesamteindruck blieb bislang hinter dem Hype zurück.
Widar startete in Portugal mit Rang vier bei der Figueira Champions Classic (1.Pro), absolvierte eine solide Volta ao Algarve mit Platz sieben am Malhao, doch zwei „DNF“-Ergebnisse bei Eintagesrennen in der Ardèche waren fürs Erste seine letzten Lebenszeichen im Wettkampf – danach folgten drei Monate Pause.
Grund dafür war reichlich Pech des 20-Jährigen: erst ein Virus in Frankreich, anschließend eine Knieverletzung nach einem Trainingssturz. Kein Einstand nach Maß.
Entsprechend groß war die Vorfreude vor der Katalonien-Rundfahrt – seinem ersten WorldTour-Einsatz. „Es wurde Zeit, dass ich wieder Rennen fahren darf, es war lang genug.“ Zur Verletzung sagte er in einer Vorab-Mitteilung: „Natürlich flucht man zunächst, aber Rückschläge gehören im Sport einfach dazu.“

Ungewissheit im Genesungsprozess

Besonders zermürbend war die Ungewissheit rund um das Knie, schildert Widar bei IDLProCycling: „Es hat lange gedauert, bis klar war, wie wir mit meinem Knie verfahren. Ich saß vier Wochen nicht auf dem Rad, trainiere nun aber seit einem Monat wieder. Ich fühle mich ziemlich gut und bin froh, zurück zu sein.“
Die scheinbar endlose Wartezeit bot zugleich Raum zur Selbstreflexion – eine wichtige Phase, um die mentale Widerstandskraft eines noch jungen Fahrers zu formen.
„Am Ende kannst du dich nur auf Dinge konzentrieren, die du kontrollierst. Ich wollte so schnell wie möglich genesen, und dafür war Ruhe entscheidend. Dann verlagert man den Fokus auf die nächsten Rennen, und ab dem Moment, in dem ich wieder trainieren konnte, bin ich voll reingegangen.“

Besseres zweites Saisonhalbjahr

Mit dem ausgestandenen Problem kann Widar nun wieder seine großen Ziele anpeilen, speziell den spanischen Rennblock im August mit dem Höhepunkt Vuelta a España (22.08.–13.09.).
„Ich bin definitiv noch nicht auf meinem Topniveau, aber im Training fühlt es sich richtig gut an. Die Wattwerte sind vielleicht noch nicht die besten meiner Karriere, doch ich kann mich nicht beklagen. Die Zahlen sind besser als zu Saisonbeginn.“
„Im Juli geht es ins Höhentrainingslager, dann nehme ich mein altes Programm wieder auf – mit der Clásica San Sebastián, der Vuelta a Burgos und der Vuelta a España. Hier bei der Tour de Suisse will ich das Maximum aus mir herausholen, egal welches Resultat das bringt. Wir werden sehen, ich habe Vertrauen.“
Widar meldete sich mit Rang sechs beim GP Gippingen (1.1) stark zurück und kontrollierte das Rennen, während sein Teamkollege Liam Slock zu seinem ersten Profisieg fuhr. Beim nächsten Mal will Widar selbst den Sack zumachen.
Die Auftaktetappe lief jedoch nicht nach Plan: Die lange Soloattacke von Tadej Pogacar sprengte das Feld komplett, und der junge Belgier verlor über 20 Minuten. Schon am zweiten Tag zeigte er aber ein besseres Gesicht: Platz 23 und Zielankunft in der ersten Favoritengruppe.
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