Die
Flandern-Rundfahrt 2026 bot ein spektakuläres Duell zwischen
Mathieu van der Poel und
Tadej Pogacar, wobei
Letzterer sich seinen dritten Titel bei
De Ronde sicherte. Dass die beiden Superstars um den Sieg kämpfen würden, war in gewisser Weise zu erwarten, doch der Rennverlauf im Finale hinterließ bei einigen niederländischen Experten einen bitteren Beigeschmack. Sie räumten ein, dass Van der Poel gegen den entfesselten Slowenen nicht optimal taktiert habe.
Taktikfehler von Mathieu van der Poel im Duell mit Pogacar
Das Rennen öffnete sich früh, als eine ausgewählte Favoritengruppe am Molenberg attackierte. Während diese Gruppe dem schwerfälligen Peloton einen beachtlichen Vorsprung abnahm, herrschte in der Spitze lange Waffenstillstand. Erst beim zweiten Anstieg des Oude Kwaremont zündete Pogacar das Rennen, und nur Mathieu van der Poel konnte auf dem Weg zum späteren Sieg folgen.
Zu diesem Zeitpunkt wurde schmerzhaft deutlich, dass der Slowene den weitaus besseren Tag erwischt hatte. Van der Poel wirkte bereits beim Kreiselwechsel am Limit, so hoch war Pogacars Höllentempo. Es reichte, um den Weltklasse-Zeitfahrer Remco Evenepoel trotz eines Rückstands von unter 20 Sekunden über gut 30 Kilometer nie mehr herankommen zu lassen.
Dann näherte sich der dritte, finale Anstieg des Kwaremont und Van der Poel ließ sofort eine Lücke zu Pogacar. „Du siehst ihn [Pogacar] den Oude Kwaremont mit 650 Watt 200 Meter vor dem Kopfsteinpflaster anfahren“, sagt Ex-Profi
Thomas Dekker im
Live Slow Ride Fast Podcast. „Van der Poel denkt: ‚Ich weiß besser als jeder andere, wie lang das Ding ist, das halte ich nicht durch.‘ Er ist ein kluger Fahrer und weiß, wie er den Schaden begrenzt.“
Van der Poel muss raffinierter taktieren
Ex-Profi und niederländischer Frauen-Nationaltrainer
Laurens ten Dam sieht Van der Poels größten Fehler darin, zu viel Energie in die Zusammenarbeit mit Pogacar investiert zu haben, statt Körner für den Schlussanstieg zu sparen. „Mathieu fährt dort ziemlich gut mit Pogacar mit, aber von allen Seiten sehen wir doch, dass Pogacar eigentlich stärker ist, oder?“
Dekker stimmt zu. In diesem Moment fährt Pogacar in einer eigenen Liga, selbst im Vergleich zu Van der Poel. „Ich weiß, das ist ein heikles Thema, und wir freuen uns, dass diese Champions immer miteinander relayn. Aber wollen wir in den kommenden Jahren mit dem vielleicht besten Fahrer aller Zeiten einfach mitgehen? Wenn du etwa 9 oder 10 Kilo schwerer bist und mit offenem Mund fährst?“
Dies war das zweite Jahr in Folge, in dem Van der Poel zu Pogacar aufschauen musste
Nach Ansicht des früheren Profis, der unter anderem für Rabobank und Lotto fuhr, bedeutet das Mitführen mit dem Weltmeister, auf Platz zwei zu fahren. Selbst für einen Klassefahrer wie Van der Poel. „Wenn Pogacar in den kommenden Jahren so weiterfährt – was keineswegs sicher ist – solltest du dann wirklich diese Taktik wählen und für Rang zwei fahren? Das passt überhaupt nicht zu ihm.“
Weniger zu kollaborieren, würde dem Niederländer mehr Erfolg bringen. Am Hinterrad von Pogacar kleben und dann am Oude Kwaremont andocken, wäre eine Option gewesen, sagt Dekker. „Die Freundschaft könnte sich verändern, aber er sagt ja selbst, dass er relativ konservativ mitgeführt hat, wie einst in In Flanders Fields mit Wout van Aert. Doch das nützt nichts, wenn Pogacar einfach fünf Prozent besser ist.“