Patrick Evenepoel ist überzeugt, dass sein Sohn Remco auch ohne den Sturz von
Jonas Vingegaard den zweiten Gesamtrang bei der
Tour de France 2026 erreicht hätte. Der Däne lag zum Zeitpunkt seines Ausscheidens noch auf Platz zwei, ehe ein Sturz auf der 15. Etappe sein Rennen vorzeitig beendete.
Mit dieser Einschätzung stellt Evenepoels Vater eine Hierarchie infrage, die sich über Jahre hinweg zu einer Konstante der Tour de France entwickelt hatte. Von 2021 bis einschließlich 2025 standen
Tadej Pogacar und Vingegaard bei jeder Austragung auf den ersten beiden Plätzen der Gesamtwertung.
„Mein Gefühl sagt mir, dass er ohnehin Zweiter geworden wäre“
Bereits bei seinem Tour-Debüt 2024 war Evenepoel in diese Phalanx vorgestoßen und hatte hinter Pogacar und Vingegaard den dritten Platz belegt. Zwei Jahre später ging es für den Belgier auf dem Podium eine Stufe nach oben. Evenepoel erreichte Paris als Gesamtzweiter hinter Pogacar, nachdem Vingegaard seine Tour infolge des Sturzes auf der 15. Etappe hatte beenden müssen.
Remco Evenepoel erreichte bei der Tour de France 2026 den zweiten Gesamtrang hinter Tadej Pogacar – sein bislang bestes Ergebnis bei der Frankreich-Rundfahrt.
Auf die Frage, ob Vingegaards Ausscheiden Remco letztlich den zweiten Platz ermöglicht habe, wollte Patrick Evenepoel diese Interpretation nicht gelten lassen. „Ich würde mich nicht trauen, etwas anderes zu sagen. Mein Gefühl sagt mir, dass er ohnehin Zweiter geworden wäre“, erklärte er gegenüber HUMO.
Über Jahre hinweg war Vingegaard Pogacars größter Rivale bei der Tour de France. Der Däne gewann die Rundfahrt 2022 und 2023 und belegte sowohl 2021 als auch 2024 und 2025 den zweiten Gesamtrang.
Evenepoels vorherige Tour-Teilnahme hatte diese etablierte Rangordnung noch bestätigt. 2024 wurde der Belgier hinter Pogacar und Vingegaard Dritter und feierte bei seinem Debüt direkt sein erstes Tour-Podium. Über die gesamten drei Wochen blieb er in der Gesamtwertung allerdings hinter den beiden dominierenden Rundfahrern jener Jahre.
2026 präsentierte sich ein anderes Bild. Evenepoel erreichte Paris auf dem zweiten Gesamtrang und erzielte damit das beste Tour-de-France-Ergebnis seiner bisherigen Karriere. Vorausgegangen waren grundlegende Veränderungen bei seinem Team und seiner Vorbereitung auf den Saisonhöhepunkt.
Neues Team und eine komplett veränderte Tour-Vorbereitung
Die Tour 2026 war Evenepoels erste im Trikot von Red Bull - BORA - hansgrohe, nachdem er Soudal Quick-Step verlassen hatte. Patrick Evenepoel sieht die sportliche Weiterentwicklung seines Sohnes nicht als Beleg dafür, dass dessen früheres Team unprofessionell gearbeitet habe. Er ist jedoch davon überzeugt, dass das neue Umfeld einen positiven Effekt hatte. „Manchmal braucht man ein anderes Umfeld, um besser zu werden“, sagte er.
Eine der entscheidenden Veränderungen erfolgte im Mai mit der Verpflichtung von Tim Heemskerk als neuem Trainer Evenepoels. Nach Lüttich-Bastogne-Lüttich legten Fahrer und Mannschaft gemeinsam ein Programm fest, das vollständig auf die Tour de France im Juli ausgerichtet war.
Evenepoel bestritt deshalb vor der Tour kein einziges weiteres Rennen. Laut seinem Vater gab es kaum Zweifel, als dem Belgier dieser neue Ansatz vorgestellt wurde. „Deshalb war diese Tour so wichtig“, erklärte Patrick Evenepoel. „Stell dir vor, es hätte nicht funktioniert, dann wäre dieses Fragezeichen wieder da gewesen. Das ist jetzt weg.“
Der zweite Gesamtrang gelang damit bereits in der ersten Saison eines neuen sportlichen Projekts. Statt lediglich jene Methoden zu wiederholen, die Evenepoel 2024 auf den dritten Platz der Tour gebracht hatten, setzte Red Bull - BORA - hansgrohe auf einen veränderten Ansatz bei seiner Vorbereitung.
Auch nach der Tour setzte Evenepoel seine Erfolgsserie fort. Der Belgier fügte seiner Saison 2026 Siege bei der Clasica San Sebastian und beim Grand Prix Cycliste de Quebec hinzu, ehe er seinen Fokus vollständig auf die Weltmeisterschaft in Montreal richtete.
An seinem zweiten Platz bei der Tour de France bleibt dennoch zwangsläufig die Tatsache hängen, dass Vingegaard Paris nicht erreichte. Für Patrick Evenepoel ändert das nichts an seiner Einschätzung. Er ist überzeugt, dass sein Sohn den Sturz und das daraus resultierende Ausscheiden des Dänen nicht benötigte, um die Tour direkt hinter Pogacar auf dem zweiten Gesamtrang zu beenden.