Remco Evenepoel steht in dieser Woche vor einem kniffligen Dilemma: Er will zur
Tour de France mit reiner Trainingsvorbereitung anreisen, könnte jedoch gezwungen sein, bei den Landesmeisterschaften zu starten – sonst droht eine teure Strafe.
Der 26-Jährige hat seit seinem Podium bei Lüttich–Bastogne–Lüttich nicht mehr Rennen gefahren und öffentlich eine trainingsbasierte Vorbereitung für die Tour de France gewählt. Als
designierter Kapitän von Red Bull - BORA Hansgrohe an der Seite von Florian Lipowitz wollte Evenepoel vor dem Grand Départ am 04.07. keine Startnummer anheften – doch das könnte sich als unrealistisch erweisen.
Die Belgischen Meisterschaften finden diese Woche statt und enden am Sonntag mit einem weitgehend flachen Straßenrennen. Ein Parcours, der ihm normalerweise nicht liegt, entsprechend taucht der Start nicht in seinem Programm auf. Allerdings gehört Belgian Cycling zu den wenigen Verbänden, die eine Teilnahme am Straßenrennen verlangen.
Kurz gesagt: Alle Berufsradfahrer des Landes sind zum Start verpflichtet. Laut Reglement des Verbandes droht bei Nichtantritt eine neuntägige Sperre – damit wäre Evenepoel am Eröffnungswochenende der Tour de France gesperrt und komplett aus dem Rennen.
„Keine Ausnahmen“ von der Teilnahmepflicht
„Nein, es gibt keine Ausnahmen. Die Belgische Straßenmeisterschaft ist für jeden Berufsradfahrer verpflichtend, unabhängig von Profil oder Status“, erklärte Massimo Van Lancker, Sportdirektor von Belgian Cycling, gegenüber
Wielerflits.Zwar gibt es keine statusbedingten Ausnahmen, medizinische und logistische Gründe werden jedoch berücksichtigt: „Jeder Fahrer hat eine E-Mail mit allen Informationen erhalten. In dieser E-Mail sind die Bestimmungen aufgeführt. Es liegt an jedem Fahrer, diese zu kennen und zu respektieren. Wer nicht teilnehmen kann, muss die notwendigen Schritte einleiten.
„Mit einem ärztlichen Attest ist das Fernbleiben legitim und die Sanktion entfällt. Ohne Attest oder triftigen Grund ist das Fernbleiben unrechtmäßig und Belgian Cycling wird Maßnahmen ergreifen.“
In den vergangenen Jahren wurden die Regeln offenbar gelegentlich gedehnt: Beschwerden über Knie- oder Halsschmerzen führten zu Abmeldungen – um dann eine Woche später bei der traditionell kurz danach beginnenden Tour de France in Topform zu starten.
Van Lancker bekräftigte, dass die Regel im Sinne der Förderung des belgischen Radsports bestehen bleibt: „Wir investieren, um das Rennen auf das Niveau der anderen großen belgischen Rennen zu heben. Für die Promotion des belgischen Radsports ist es wichtig, dass die besten Fahrer starten. Deshalb werden wir diese Vorschrift nicht so bald ändern.“
Auch Tim Wellens vom Team UAE Team Emirates - XRG hatte ursprünglich geplant, 2026 nicht anzutreten. Allerdings
wurde berichtet, dass der Routinier nun aufgrund der Vorgabe doch starten wird.