„Diese Teamführung ist für den Radsport nicht geeignet“ – Nicolas Roche erhebt schwere Vorwürfe gegen Picnic PostNL
Radsport
Als Nicolas Roche 2019 zum damaligen Team Sunweb wechselte, sollte seine langjährige Erfahrung eine wertvolle Verstärkung für die niederländische Mannschaft sein. Drei Jahre später endete die Zusammenarbeit unter völlig anderen Vorzeichen. Der ehemalige irische Radprofi wirft der Führung des heutigen Teams Picnic PostNL vor, dass ausgerechnet jene Erfahrung, für die er ursprünglich verpflichtet worden war, zunehmend als Bedrohung wahrgenommen worden sei.
Vor dem Hintergrund der jüngsten Enthüllungen über die interne Teamkultur zeichnet Roche ein äußerst kritisches Bild seiner Zeit bei der Mannschaft. Nach eigener Darstellung wurde er schließlich zum Abschied gedrängt, weil junge Fahrer seinem Rat mehr Vertrauen geschenkt hätten als den strikten Anweisungen der Teamführung.
Nicolas Roche belastet Picnic PostNL mit neuen Vorwürfen
Die Aussagen des Iren fallen in eine Phase, in der Picnic PostNL wegen seiner internen Strukturen massiv in der Kritik steht. Auslöser war eine gemeinsame Recherche von NOS Sport und In De Waaier, für die insgesamt 71 aktuelle und ehemalige Fahrer sowie Mitarbeiter befragt wurden. Roche, der von 2019 bis zu seinem Karriereende 2021 für die Mannschaft fuhr, ergänzt die bereits erhobenen Vorwürfe nun um seine persönlichen Erfahrungen.

Nicolas Roche übt scharfe Kritik an seinem ehemaligen Team Sunweb, dem heutigen Picnic PostNL. Der Ire wirft der Mannschaftsführung vor, eigenständige Entscheidungen und abweichende Meinungen der Fahrer nicht akzeptiert zu haben.
„Meine Erfahrung wurde für die Teamführung zum Problem“
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Als Sunweb den erfahrenen Iren 2019 unter Vertrag nahm, hatte Roche bereits zahlreiche Jahre bei einigen der renommiertesten Mannschaften des internationalen Pelotons verbracht. Im Laufe seiner Karriere war er unter anderem an der Seite von Grand-Tour-Siegern wie Alberto Contador, Chris Froome und Richie Porte gefahren und hatte diese als Helfer unterstützt.
Zunächst deutete wenig darauf hin, dass die Zusammenarbeit einmal derart konfliktreich enden würde. Bei der Vuelta a Espana 2019 übernahm Roche sogar das Rote Trikot des Gesamtführenden. Auch die klaren Strukturen innerhalb der Mannschaft empfand er anfangs als positiv. Doch im Verlauf der Jahre 2020 und 2021 verschlechterte sich sein Verhältnis zur Teamführung zunehmend, bis das gegenseitige Vertrauen nach seiner Darstellung vollständig verloren war.
„Sie drängten mich zum Abschied“, erklärte Roche gegenüber NOS. „Rudi Kemna sagte meinem Manager, ich hätte zu viel Einfluss auf die jungen Fahrer. Sie würden auf mich hören, statt sich an die Vorgaben des Teams zu halten. Meine Erfahrung wurde für die Teamführung zum Problem.“
Insbesondere seine Bereitschaft, Entscheidungen offen zu hinterfragen, habe immer wieder für Spannungen gesorgt. „Sie waren darin ganz offen. Das muss man dem Team zugutehalten. Sie haben immer gesagt, dass sie so sind, und genauso war es auch“, berichtete Roche. „Das Problem war nur, dass sie es nicht schätzten, wenn ich ebenfalls offen meine Meinung äußerte. Sobald meine Ansicht nicht dem entsprach, was sie hören wollten, war das nicht in Ordnung.“
„Du machst, was dir gesagt wird“ – Streit um eine zusätzliche Trainingsstunde
Besonders eindrücklich ist Roche eine Auseinandersetzung während eines Trainingslagers im Januar 2021 in Erinnerung geblieben.
Weil er der Überzeugung war, einen größeren Trainingsumfang zu benötigen, entschied sich der Ire, eine geplante Ausfahrt eigenständig um etwa eine Stunde zu verlängern. Als er anschließend zurückkehrte, erwarteten ihn nach seiner Schilderung Sportdirektor Rudi Kemna, die Leiterin der Wissenschaftsabteilung Narelle Neumann und mehrere weitere Teammitarbeiter.
„Sie sagten wortwörtlich: ‚Es ist uns egal, ob du mehr oder weniger machst, aber du machst, was dir gesagt wird.‘ Ich antwortete: ‚Äh, Entschuldigung? Werde ich jetzt verwarnt, weil ich eine Stunde länger trainiert habe? Was zum Teufel?‘ In diesem Moment wurde mir klar, dass es ein schwieriges Jahr werden würde.“
Nach Angaben des ehemaligen Profis blieben solche Konfrontationen keineswegs Einzelfälle. Vielmehr seien Meinungsverschiedenheiten mit der Führung zunehmend zum Alltag geworden. „Wir gerieten von einem Streit in den nächsten. Meine Probleme betrafen vor allem die Teamführung. Wenn ich meine Meinung äußerte, wurde das zum Problem, weil sie ihren Vorgaben und Plänen widersprach.“
Seine grundsätzliche Kritik an der Arbeitsweise der Verantwortlichen fällt entsprechend deutlich aus. „Ich glaube nicht, dass diese Teamführung für den Radsport geeignet ist“, erklärte Roche. „Im Radsport müssen wir mit so vielen Unwägbarkeiten umgehen. Der Sport ist nicht vorhersehbar. Der Körper ist keine perfekte Maschine. Wir müssen die Wetterbedingungen und auch die Taktik von 24 anderen Teams berücksichtigen. Ich verstehe, dass man mit einem Masterplan vorbereitet sein möchte. Aber man kann nicht schon im Mai die 17. Etappe der Tour de France planen. Genau das haben sie aber getan.“
Darüber hinaus schilderte Roche eine Teamkultur, in der engere persönliche Bindungen zwischen Fahrern und Betreuern offenbar nicht erwünscht gewesen seien. Als Beispiel führte er die Betreuung während der Grand Tours an, bei denen ihm nach eigener Aussage alle paar Tage ein anderer Masseur zugeteilt worden sei.
„Sie schätzten es nicht, wenn Freundschaften entstanden“, berichtete der Ire. „Für jeden Fahrer ist die Massage ein Moment der Entspannung, in dem man sich etwas von der Seele reden, seine Ehefrau anrufen oder einfach den Tag Revue passieren lassen kann.“
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„Wir hatten gerade gewonnen!“ – Selbst ein Tour-Etappensieg sorgte für Kritik
Wie weit die aus seiner Sicht übertriebene Fixierung auf vorgegebene Abläufe ging, verdeutlichte Roche anhand einer Episode von der Tour de France 2020. Sunweb feierte bei jener Austragung insgesamt drei Etappensiege, doch selbst sportliche Erfolge hätten die Verantwortlichen nicht davon abgehalten, Abweichungen vom ursprünglichen Plan zu beanstanden.
Auf der Etappe in Richtung Saint-Etienne hatten die Fahrer laut Roche ihre ursprünglich festgelegte Rennstrategie unterwegs an die tatsächliche Situation angepasst. Die Entscheidung erwies sich als erfolgreich: Soren Kragh Andersen gewann die Etappe. Etwa eine Stunde später saß Roche neben dem Sportdirektor, als Teamchef Iwan Spekenbrink anrief.
„Er wollte wissen, warum wir nicht in der Ausreißergruppe gewesen waren“, erinnerte sich Roche. „Wir hatten gerade gewonnen! Ich dachte mir: Okay, dieser Glaube an den Prozess und das Vertrauen in die Vorgaben, das ist nichts für mich.“
Für den ehemaligen Profi war diese Episode symptomatisch für ein System, das den Fahrern seiner Ansicht nach zu wenig Eigenverantwortung zugestand. „Der mentale Druck und der Stress sind enorm, wenn man etwas tun muss, woran man selbst nicht glaubt“, erklärte er. „Wenn man ein Umfeld schafft, in dem alles so strikt geregelt ist und es keinen Raum für einen Plan B oder C gibt, lassen sich Motivation und eine gute Atmosphäre nur schwer aufbauen.“
Trotz seiner deutlichen Kritik wollte Roche seine Zeit bei Sunweb allerdings nicht ausschließlich negativ bewerten. Besonders das Verhalten der Mannschaft während der Covid-19-Pandemie blieb ihm positiv in Erinnerung. Das Team zahlte die Gehälter seiner Fahrer auch während dieser schwierigen Phase weiter. Dafür, betonte der Ire, werde er den Verantwortlichen immer dankbar sein.
2021 endete schließlich seine Zeit bei der niederländischen Mannschaft. Im Oktober desselben Jahres bestritt Roche bei den irischen Meisterschaften sein letztes Rennen als Profi und verabschiedete sich nach insgesamt 17 Jahren aus dem professionellen Radsport.
Picnic PostNL hat inzwischen auf die Berichterstattung von NOS Sport und In De Waaier reagiert. Die Mannschaft erklärte, sich in dem durch die Recherchen gezeichneten Gesamtbild nicht wiederzuerkennen. Gleichzeitig räumte das Team ein, dass unterschiedliche persönliche Erfahrungen nichts an der Ernsthaftigkeit der geschilderten Vorwürfe änderten. Um die eigene Teamkultur umfassend überprüfen zu lassen, hat Picnic PostNL eine unabhängige Untersuchung durch externe Fachleute in Auftrag gegeben. Die daraus hervorgehenden Verbesserungsvorschläge sollen anschließend umgesetzt werden.
𝐓𝐞𝐚𝐦 𝐬𝐭𝐚𝐭𝐞𝐦𝐞𝐧𝐭 𝐟𝐨𝐥𝐥𝐨𝐰𝐢𝐧𝐠 𝐭𝐡𝐞 𝐩𝐮𝐛𝐥𝐢𝐜𝐚𝐭𝐢𝐨𝐧𝐬 𝐛𝐲 𝐍𝐎𝐒 𝐒𝐩𝐨𝐫𝐭 𝐚𝐧𝐝 𝐈𝐧 𝐝𝐞 𝐖𝐚𝐚𝐢𝐞𝐫 Read our full statement on the team website. 🇳🇱🔗https://t.co/FlBu5JGadq 🇬🇧🔗https://t.co/viC17P0b4Y https://t.co/cPS8erXakm
— Team Picnic PostNL (@picnicpostnl) October 15, 2026

Nic GayerRedakteur
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Für Radsportaktuell.de berichtet er über den professionellen Radsport und begleitet das Geschehen von der WorldTour bis zu wichtigen nationalen und internationalen Rennen. Sein Schwerpunkt liegt auf Vorberichten, Rennzusammenfassungen und Analysen, mit denen er Entwicklungen im Peloton klar einordnet.
Bei seiner Arbeit wird Nic von den Kolleginnen und Kollegen der Schwesterplattform CyclingUpToDate unterstützt, wodurch er regelmäßig direkten Zugang zu Teams, Fahrern und offiziellen Terminen erhält. Er arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus. In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
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- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
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