Der Tag, an dem der Giro verstummte: Wouter Weylandt bleibt 15 Jahre später unvergessen

Radsport
Samstag, 09 Mai 2026 um 16:17
Wouter Weylandt
Vor genau 15 Jahren, am 9. Mai 2011, verstummte die Radsportwelt. Wouter Weylandt, ein belgischer Sprinter mit einem kraftvollen Antritt und einem noch wärmeren Lächeln, verlor auf der 3. Etappe des Giro d’Italia sein Leben. Er wurde nur 26 Jahre alt. Er war Radprofi, Teamkollege, Freund, Sohn, Bruder und Partner. Und er stand kurz davor, Vater zu werden. Gerade dieses Detail macht seine Geschichte bis heute so schmerzhaft.

Wouter Weylandt: 15 Jahre später fährt der Radsport ihn noch immer im Herzen mit

Als Weylandt auf der Abfahrt vom Passo del Bocco stürzte, war seine Partnerin An-Sophie De Graeve schwanger mit ihrer gemeinsamen Tochter Alizée. Sie kam später in jenem Jahr zur Welt, in eine Welt, die den Namen ihres Vaters bereits mit Zärtlichkeit, Trauer und Stolz trug.
Weylandts Tod war nicht nur wegen des Unfalls eine Tragödie. Er war es auch wegen all dessen, was noch vor ihm zu liegen schien.
Er hatte sich im Peloton bereits einen Namen gemacht. 2008 gewann er eine Etappe bei der Vuelta a España, 2010 eine Etappe beim Giro d’Italia. Er galt als schneller Finisher, loyaler Teamkollege und Fahrer, der in den hektischen, nervösen Sprints ebenso zu Hause war wie in den belgischen Eintagesrennen.
Doch Ergebnisse allein erklären nicht, warum ihn so viele Menschen ins Herz geschlossen haben.
Wer ihn kannte, erinnerte sich vor allem an den Menschen hinter dem Fahrer: fröhlich, großzügig, auf die beste Art eigensinnig und voller Lebensfreude. Sein Lächeln wurde Teil seines Vermächtnisses. Ebenso seine Startnummer 108, die der Giro d’Italia nach seinem Tod nicht mehr vergab.
Eine Nummer verschwand von den Startlisten. Aus der Erinnerung verschwand sie nie.
Am Tag nach dem Unfall wurde die 4. Etappe des Giro neutralisiert. Die Fahrer rollten gemeinsam, nicht als Rivalen, sondern als Trauernde. Leopard Trek überquerte geschlossen und Arm in Arm die Ziellinie. Es bleibt eines der bewegendsten Bilder des modernen Radsports: ein Sport, der vom Wettkampf lebt, gab sich für einen Moment ganz der Trauer hin.

Ein Name, der im Peloton weiterlebt

Fünfzehn Jahre später ist Weylandt noch immer präsent.
Er ist präsent beim Giro, wo sein Name jedes Jahr im Mai zurückkehrt. Er ist präsent am Passo del Bocco, wo Blumen und kleine Zeichen des Gedenkens an ihn erinnern. Er ist präsent in den Geschichten früherer Teamkollegen, Freunde und Angehöriger. Und er ist präsent durch seine Schwester Elke, die dem Radsport über Lidl-Trek weiterhin eng verbunden ist.
Vor allem aber lebt er durch Alizée weiter, die Tochter, die ihn nie persönlich kennenlernen durfte und doch mit seiner Geschichte aufwuchs.
Vielleicht ist genau das der bewegendste Teil von Wouter Weylandts Vermächtnis. Der Radsport erinnert ihn als Fahrer. Seine Familie erinnert ihn als Wouter. Die Welt erinnert sich an die Tragödie, doch die Menschen, die ihm am nächsten standen, bewahren etwas Kostbareres: seine Freude, seinen Humor, seine Liebe und jenes alltägliche Glück, das es vor dem 9. Mai 2011 gab.
Fünfzehn Jahre sind eine lange Zeit. Im Radsport wechseln Teams ihre Namen, Trikots ihre Farben, junge Fahrer werden zu Champions. Doch manche Namen verblassen nicht.
Wouter Weylandt ist einer von ihnen.
Er bleibt der Sprinter mit dem strahlenden Lächeln. Der Teamkollege, den jeder gern an seiner Seite hatte. Das belgische Talent, das viel zu früh gehen musste. Der Vater, dessen Tochter seine Geschichte weiterträgt. Der Fahrer, dessen Nummer 108 für immer nur ihm gehört.
An diesem Jahrestag erinnert sich das Peloton nicht nur daran, wie Wouter Weylandt starb.
Es erinnert sich daran, wie er lebte.
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