„Der neue Coach hat den Unterschied gemacht“ – Remco Evenepoels Vater erklärt den Schlüssel zur Tour-Transformation

Radsport
durch Nic Gayer
Freitag, 07 August 2026 um 7:00
Remco Evenepoel bei der Tour de France 2026
Remco Evenepoel hat bei der Tour de France 2026 die mit Abstand beste Rundfahrt seiner Karriere absolviert. Hinter dem sportlichen Durchbruch steckt jedoch nicht nur der Fahrer selbst, sondern auch eine grundlegende Veränderung im Trainerteam von Red Bull - BORA - hansgrohe. Mit Tim Heemskerk verpflichtete die Mannschaft einen Coach, der zuvor maßgeblich an den Tour-de-France-Erfolgen von Jonas Vingegaard beteiligt war.
Für Patrick Evenepoel, Vater und zugleich Agent des Olympiasiegers, ist genau dieser Personalwechsel der entscheidende Grund für den Leistungssprung seines Sohnes. Im Podcast Derailleur sprach er ausführlich über den neuen Weg, den Evenepoel vor der Tour eingeschlagen hat.

Trainerwechsel leitete die Wende ein

„Die Wende mit Remcos neuem Coach hat den Unterschied gemacht“, sagte Patrick Evenepoel.
Remco Evenepoel klettert mit Tadej Pogacar bei der Tour de France 2026.
Remco Evenepoel profitierte vor der Tour de France 2026 von einem Trainerwechsel bei Red Bull - BORA - hansgrohe und fuhr die stärkste Rundfahrt seiner Karriere.
„Remco war zum Start der Tour scharf, aber es hat sich gezeigt, dass es nötig ist, dieses Niveau zu erreichen. Nach dem Frühjahr war das noch nicht der Fall, damals hatten wir aber auch auf die Flandern-Rundfahrt hingearbeitet.“
Zu Beginn der Saison präsentierte sich Evenepoel vor allem bei kürzeren Belastungen in starker Verfassung. Bei der UAE Tour und der Katalonien-Rundfahrt, wo er seine Form für längere Anstiege testete, offenbarte er dagegen noch Defizite. Zwar gewann der Belgier anschließend das Amstel Gold Race und stand sowohl bei der Flandern-Rundfahrt als auch bei Lüttich–Bastogne–Lüttich als Dritter auf dem Podium, doch insbesondere sein Auftritt bei Lüttich ließ erkennen, dass ihm im Hochgebirge noch etwas fehlte. Dort musste er Tadej Pogacar und Paul Seixas klar den Vortritt lassen.
Schon früh stand die Tour de France als großes Saisonziel fest. Gleichzeitig war intern klar, dass Evenepoel für die langen Belastungen einer dreiwöchigen Rundfahrt noch einmal einen Schritt nach vorne machen musste.
„Kurz vor Lüttich–Bastogne–Lüttich haben wir vereinbart, alles umzukrempeln und die Vorbereitung auf die Tour de France neu zu starten. Wenige Tage später wurde bekannt, dass Dan Lorang das Team verlassen würde“, erklärte Patrick Evenepoel.

Tim Heemskerk brachte neue Impulse

Mit dem Abschied von Dan Lorang bot sich Red Bull - BORA - hansgrohe die Möglichkeit, Tim Heemskerk zu verpflichten. Der Niederländer hatte zuvor Visma - Lease a Bike verlassen und galt als einer der Architekten der Tour-de-France-Erfolge von Jonas Vingegaard.
„Tim Heemskerk war verfügbar. Und die Verbindung war sofort da. Remco mochte die Art, wie Tim alles erklärte. Und wenn man sein Vertrauen gewinnt, kann man mit Remco alles erreichen“, sagte Patrick Evenepoel.
In den folgenden Wochen wurde das Rennprogramm des Belgiers konsequent auf die Tour ausgerichtet. Gleichzeitig spielte auch das Gewichtsmanagement eine zentrale Rolle in der Vorbereitung. Laut seinem Vater waren die Veränderungen schon lange vor dem Tour-Start sichtbar.
„Wir haben ihn in den vergangenen Monaten wirklich verändern sehen. Vor allem seine innere Ruhe; im Kopf wurde es deutlich klarer. Einen Monat vor der Tour habe ich ihn so gesehen wie noch nie zuvor.“

Der Plan ging bei der Tour perfekt auf

Die Entwicklung spiegelte sich schließlich auch in den Ergebnissen wider. In der ersten Tourhälfte fuhr Evenepoel kontrolliert und vermied größere Zeitverluste. Seine eigentliche Stärke zeigte er jedoch erst in der Schlussphase der Rundfahrt.
Ab der 15. Etappe präsentierte sich der Belgier mit den besten Kletterbeinen seiner Karriere. Sein Sieg auf dem Plateau de Solaison markierte den Wendepunkt, ehe er sich in der letzten Woche als zweitstärkster Bergfahrer hinter Tadej Pogacar etablierte und die Tour auf Rang zwei der Gesamtwertung beendete.
„Der Plan war, dass er sich ab Tag zehn weiter steigert. Ich denke, jeder hat gesehen, dass genau das eingetreten ist. Für ihn hätte das Rennen noch eine Woche dauern können“, sagte Patrick Evenepoel.
Nur eine Woche nach der Tour unterstrich Evenepoel seine herausragende Form mit seinem rekordverdächtigen vierten Triumph bei der Clásica San Sebastián.
Für seinen Vater war die Frankreich-Rundfahrt jedoch weit mehr als nur ein sportlicher Erfolg. Sie bestätigte, dass Evenepoel das Potenzial besitzt, dauerhaft um den Gesamtsieg bei dreiwöchigen Rundfahrten zu kämpfen.
„Das war sehr wichtig. Was er jetzt erreicht hat, beweist, dass er weiter von diesem Ziel träumen kann. Wäre es schiefgegangen, hätten wir zurück an den Zeichentisch gemusst.“
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