Jakob Omrzel startet das bislang wichtigste Kapitel seiner jungen Karriere mit Ruhe und klaren Prioritäten. Der jüngste Slowene im WorldTour-Peloton beginnt seine erste volle Saison bei Bahrain Victorious nach einem frühen Rückschlag durch eine Verletzung am rechten Knie. Der 20-Jährige richtet den Blick jedoch weniger auf sofortige Resultate, sondern darauf, die Anforderungen des Profi-Pelotons zu verinnerlichen.
Der Vorjahressieger des Nachwuchstrikots bei der Tour of Slovenia kehrt nun Schritt für Schritt in den Rennrhythmus zurück, entschlossen, die Form behutsam aufzubauen statt zu früh etwas zu erzwingen.
Bei der Streckenpräsentation der diesjährigen slowenischen Landesrundfahrt hatten manche erwartet, Omrzel würde seine mutige Ansage aus Novo Mesto wiederholen, als er erklärte, 2026 das weiße ins grüne Trikot umwandeln zu wollen. Diesmal gab sich der junge Slowene jedoch zurückhaltender und konnte nicht einmal bestätigen, ob er überhaupt am Start stehen wird.
Der amtierende slowenische Straßenmeister weiß, wie schnell sich eine lange Saison drehen kann – erst recht in einer WorldTour-Mannschaft, in der sich Rennpläne aus vielen Puzzleteilen zusammensetzen. Derzeit, sagt er, fordere das Team vor allem Erfahrung und Rennkilometer, nicht Siege.
Sein nächster Einsatz ist die Tour of the Alps, ein kletterintensives Rennen in Tirol und Trentino, bei dem er sich an bewährten Profis messen möchte.
Der Sprung von den Junioren in die WorldTour
Gefragt, was sich beim Wechsel vom Juniorenbereich an die Spitze am meisten verändert, hatte Omrzel eine klare Antwort.
„Alles ist schneller und intensiver. Die Konzentration muss die ganze Etappe über bei hundert Prozent liegen, das Tempo ist viel präziser geplant, jedes Detail zählt. Aber das gefällt mir, es ist genau die Herausforderung, die ich wollte“,
sagte er RTVslo.
Diese Herausforderung ist im modernen Radsport noch schärfer geworden, weil Teenager immer öfter an der Spitze konkurrenzfähig sind. Fahrer wie Paul Seixas sorgen bereits unter den Besten für Schlagzeilen – für Omrzel eher eine logische Entwicklung als eine Überraschung.
„Überhaupt nicht. Paul ist ein außergewöhnlicher Fahrer mit der richtigen Mentalität. Was er jetzt zeigt, ist Superstarniveau, er ist allen einen Schritt voraus. Aber das ist heute die Realität, Fahrer müssen universell sein. Die Zeiten, in denen man sich bis 25 langsam entwickeln konnte, sind vorbei.“
Druck entsteht von innen
Während viele Beobachter von wachsenden Erwartungen an junge Fahrer sprechen, hält Omrzel externen Druck nicht für das größte Thema.
„Ich würde nicht sagen, dass er vom Team oder von der Öffentlichkeit kommt. Zumindest empfinde ich es nicht so. Bahrain Victorious ist sehr geduldig, sie wissen, dass ich jung bin.“
Dann folgte der Satz, der seine aktuelle Haltung am besten zusammenfasst.
„Wahr ist: Den größten Druck machen sich die Fahrer selbst. Wir sind es, die am härtesten drücken, weil wir Ergebnisse wollen. Für mich ist das nichts Negatives, sondern einfach Teil des natürlichen Prozesses im modernen Radsport.“
Erst die Alpen, Slowenien ungewiss
Die bergige
Tour of the Alps zählt zu Omrzels wichtigsten Zielen in diesem Saisonabschnitt.
„Sie ist eines meiner größeren Ziele in diesem Block. Die Strecke ist extrem hart, voller Anstiege, das liegt mir. Meine Form wird besser, deshalb freue ich mich sehr darauf.“
Anschließend stehen voraussichtlich Höhentraining und weitere Etappenrennen an, ein möglicher Start bei der Tour de Romandie wird ebenfalls erwogen.
Was die Tour of Slovenia betrifft, räumt Omrzel ein, dass nichts feststeht.
„Alles hängt vom Moment und meiner Verfassung ab. Wenn die Sterne günstig stehen, würde ich sehr gern fahren. Mir gefällt die diesjährige Strecke wirklich, sie ist voller harter und interessanter Etappen.“
Ebenso vorsichtig bleibt er bei Zielen mit der Nationalmannschaft. Die Weltmeisterschaften in Kanada und die Europameisterschaften auf heimischen Straßen liegen noch ein Stück entfernt.
„Der Wunsch ist riesig, aber die Entscheidung hängt davon ab, wie mein Körper in der zweiten Saisonhälfte reagiert.“
Abschied von U23
Diese Saison markiert auch das Ende von Omrzels Zeit in der U23. Er bestätigte, nicht zu Rennen wie der Tour de l'Avenir zurückzukehren.
„Ja. Teils wegen der Regularien, da Fahrer aus WorldTour-Teams bei bestimmten Rennen nicht starten dürfen, teils weil ich mich dort bereits bewiesen habe. In der U23 sehe ich keinen Raum für Fortschritt mehr. Jetzt brauche ich Erfahrung und Ergebnisse in den echten Rennen.“
Auch ein Grand-Tour-Debüt in diesem Jahr schließt er aus.
„Nein, definitiv nicht dieses Jahr. Das war von Anfang an mit dem Team so vereinbart. Schritt für Schritt, Kilometer in die Beine, mit Etappenrennen als Priorität.“
Die Anziehung von Roubaix
Zum Schluss wurde Omrzel gefragt, ob ihn Paris–Roubaix in diesem Jahr die Pflastersteine vermissen ließ. Vor zwei Jahren gewann er die Junioren-Ausgabe des Rennens.
„Mir hat es richtig in den Beinen gekribbelt! Wenn sich die Chance bietet, kehre ich auf jeden Fall nach Roubaix zurück. Das ist ein Rennen, das unter die Haut geht.“
Dann lächelte er und zog ein letztes Fazit über den modernen Radsport.
„Heute kannst du nicht mehr nur Kletterspezialist oder Sprinter sein. Du musst universell sein, und das Pflaster gehört zu dieser Prüfung.“