„Das sollte allen Angst einjagen“ – TNT-Analysten verblüfft über unheilvolle Warnung von Jonas Vingegaard vor dem Bergfinale beim Giro d’Italia

Radsport
Samstag, 23 Mai 2026 um 15:30
Vingegaard Giro 2026
Jonas Vingegaard hat in diesem Giro d’Italia viel Skepsis, Messungen und Zweifler ertragen. Nach seiner Zeitfahr-Enttäuschung, der von Visma | Lease a Bike bestätigten Erkrankung und Afonso Eulalios hartnäckigem Griff nach Rosa erreicht die Rundfahrt nun jenes Hochgebirgsterrain, in dem vom Dänen Antworten erwartet werden.
Vingegaard versteckte sich vor Etappe 14 nicht hinter der üblichen vorsichtigen Sprache eines Grand-Tour-Favoriten. Stattdessen machte er klar, dass Visma die brutale Bergankunft in Pila als einen der Schlüsseltage markiert hat.
„Ehrlich gesagt habe ich mich sehr darauf gefreut. Seit ich das Giro-Parcoursprofil gesehen habe, wusste ich, dass es eine der härtesten Etappen ist“, sagte Vingegaard bei Eurosport und ergänzte: „Sie ist nicht zu lang, aber am Ende kann man morgen Schaden anrichten, denke ich.“
Auf die Frage, ob Visma die Etappe markiert habe, wurde er noch deutlicher: „Ja, das haben wir schon vor dem Giro getan. Am Start des Giro müssen wir unsere Tage wählen, und morgen ist ein ausgewählter Tag.“
Für die TNT Sports-Analysten Adam Blythe und Matt Stephens fiel diese Direktheit sofort auf.

„Ihr könnt Feuerwerk erwarten“

Vingegaard startet den Tag mit 33 Sekunden Rückstand auf Eulalio im Gesamtklassement, während Thymen Arensman, Felix Gall und Ben O’Connor nah genug liegen, um den Kampf um Rosa klar mehr als ein Duell zu machen.
Etappe 14 türmt mehrere Anstiege vor dem Schlussanstieg nach Pila auf und bietet Visma die Chance, ihre Bergstärke auszuspielen und ein zermürbenderes Rennen zu erzwingen als an den kontrollierten Tagen zuletzt.
Blythe deutete Vingegaards Aussagen als Signal für mehr als nur Defensive. „Ein Tag zum Markieren und für einen Etappensieg. Um viel Zeit zu nehmen und das Rennen wirklich zu öffnen“, sagte er bei TNT Sports. „Das ist die Frage – will Jonas morgen so viel Zeit wie möglich gutmachen, oder geht er nur auf den Etappensieg? Oder beides? Das könnte Hand in Hand gehen.“
Der frühere britische Meister meinte, diese Ankündigung müsse die Erwartungen an Vismas Absichten sofort anheben. „Aber wenn er das sagt, könnt ihr morgen Feuerwerk erwarten“, fügte Blythe an.

Stephens verblüfft von ungewohnter Vingegaard-Klarheit

Matt Stephens hob hervor, wie ungewöhnlich der Moment wirkte. Vingegaard ist selten ein Fahrer, der vorab mit großen Ansagen auftritt – schon gar nicht vor einem Tag, der die gesamte Rundfahrt prägen könnte.
„Oft sind die Topfavoriten nicht wortkarg, aber sie halten ihre Karten dicht am Körper – wir schauen mal, wie es läuft, was die anderen Teams machen“, sagte Stephens.
Diesmal blieb wenig Interpretationsspielraum. „Das war die deutlichste, unmissverständlichste Aussage, die ich je von Jonas Vingegaard gehört habe“, so Stephens weiter. „Er gibt normalerweise nicht viel preis. Ein feiner Kerl, sehr entspannt. ‚Das ist der ausgewählte Tag‘ – das sollte allen Angst einjagen.“
Vingegaard versprach nicht das Maglia Rosa. Er sagte nicht, dass Visma früh attackieren werde. Aber er machte klar, dass dieser Tag vorab ausgewählt wurde – und dass das Team glaubt, echten Schaden anrichten zu können.
Jonas Vingegaard während der 9. Etappe des Giro d’Italia 2026
Jonas Vingegaard während der 9. Etappe des Giro d'Italia 2026

Der Giro erreicht eine wegweisende Hochgebirgsprüfung

Etappe 14 dreht sich nicht nur um den Schlussanstieg nach Pila. Saint-Barthelemy, Doues, Lin Noir und Verrogne stehen alle vor dem Gipfelankunft, wodurch sich die Müdigkeit lange vor der entscheidenden Attacke aufbauen kann.
Vingegaard hat bereits zwei Etappen gewonnen, Rosa trug er jedoch noch nicht. Eulalio behauptet sich weiter, Arensman hat sich klar in Richtung Podium geschoben, und Restzweifel an Vingegaards Zustand sind trotz Vismas Aussage, die Krankheit sei unter Kontrolle, nicht ganz verflogen.
Nun kehrt das Rennen in Terrain zurück, in dem der Favorit am gefährlichsten sein dürfte. Stephens fasste die Stimmung um Vingegaards Warnung in einem letzten Satz zusammen. „Dass er das so ruhig, fast bedrohlich sagt. Ich liebe es.“
Für Eulalio und die übrigen Giro-Anwärter ist die Botschaft eindeutig. Visma hat den Tag markiert. Vingegaard hat es ausgesprochen. Jetzt muss Etappe 14 zeigen, ob diese Warnung zum Moment wird, in dem sich die Rundfahrt endlich in Richtung des Vorabfavoriten biegt.
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