Torstein Træens Auftritt im Gelben Trikot währte letztlich kürzer als erhofft. Das ist jedoch nicht seine größte Sorge, denn der Norweger stürzte schmerzhaft in der Abfahrt vom Col du Tourmalet. Sein weiteres Tour-Schicksal ist besiegelt, wie sein Team
Uno-X Mobility am Abend bestätigte.
Mit 8 Minuten Vorsprung auf Tadej Pogačar vor der heutigen 6. Etappe hegte Træen nicht unrealistische Hoffnungen, die Gesamtführung zumindest bis zum ersten Ruhetag zu verteidigen. Doch der Traum zerplatzte rasch: UAE zerlegte das Feld am Tourmalet, und Træen überquerte den Gipfel mit ziemlich genau diesen 8 Minuten Rückstand auf Pogačar.
Mit Teamkollege Anders Halland Johannessen an seiner Seite durfte Træen dennoch hoffen, das Gelbe zu halten, also drückte das Uno-X-Mobility-Duo in der Abfahrt. Doch Træen überzog in einer Haarnadel, sein Vorderrad hakte im Hinterrad von Johannessen ein, und der Mann in Gelb schlug hart auf.
„Ich weiß nicht, was genau kaputt ist. Wir müssen die Röntgenbilder abwarten. Mein Kopf tut etwas weh und die Rippen fühlen sich nicht gut an, aber wir werden sehen“, sagte Træen im Ziel bei Eurosport, noch vor weiteren Untersuchungen.
Dreißig Minuten Rückstand
Sichtbar gezeichnet brauchte er vier Minuten, um wieder loszufahren – von da an in gemächlichem Tempo. Am Ende wurde der 30-Jährige 51., eine halbe Stunde hinter
Etappensieger Pogačar.
Auch wenn Træen gemeinsam mit Johannessen der Kamera noch ein Lächeln schenkte, war klar, wie groß die Schmerzen waren:
„Ich habe mit Anders (Halland Johannessen, Anm.) gescherzt, dass wir es aus dem Sattel sprinten. Ich wusste nicht, ob er mich gewinnen lassen würde, aber zumindest können wir noch lachen, auch wenn es nicht der beste Tag war“, schloss er.
Rennen vorbei
Unmittelbar nach dem Ziel unterzog sich Træen einer umfassenden medizinischen Untersuchung, die eine Fortsetzung seiner Tour als unvernünftig einstufte.
Laut Team bestand Træen nach dem Sturz den Concussion-Sideline-Test an der Strecke und konnte das Ziel in Gavarnie-Gèdre erreichen. Nach weiterer Begutachtung durch das medizinische Personal von Uno-X Mobility, der Auswertung der Daten seines Helmsensors sowie Röntgenaufnahmen im Medical Truck wurde jedoch eine Gehirnerschütterung und mehrere Rippenbrüche diagnostiziert. Zudem ist Træen nach dem Hochgeschwindigkeitssturz stark geprellt.
Er wird in den kommenden Tagen dem teaminternen Protokoll für Gehirnerschütterungen folgen und die Rundfahrt nicht fortsetzen.
„Das ist wirklich nicht das Ende, das wir uns für dieses gelbe Abenteuer gewünscht haben“, sagt Teamchef Thor Hushovd in einer
Pressemitteilung.
Anders Johannessen consoles Torstein Traeen on stage 6 of the 2026 Tour de France
„Torstein hat dem Team einen historischen Moment beschert, und das, was er und die gesamte Mannschaft in den vergangenen Tagen erreicht haben, macht uns immer stolz. Nach den weiteren Checks war jedoch klar, dass er nicht weitermachen kann“, so Hushovd.
„Das Gelbe Trikot bei der
Tour de France zu tragen, ist für jeden Fahrer und jedes Team etwas Großes. Dass Torstein es über den Tourmalet getragen hat, ist etwas ganz Besonderes“, sagt er.
„Es ist natürlich enttäuschend, das Rennen so zu verlassen, aber jetzt ist das Wichtigste, dass Torstein die notwendige Versorgung und Erholung bekommt“, schließt Hushovd.