Mathieu van der Poels
Tour de Suisse verläuft ohne das gewohnte Gefühl der Unvermeidlichkeit. Nach einem Trainingsblock mit Blick auf die
Tour de France fällt seine Woche in der Schweiz ruhiger aus, als es seinem eigenen Standard entspricht.
Platz fünf im sturmgeplagten Finale nach Bad Ragaz war bislang sein klarstes Ergebnis, beantwortete die größere Frage vor der Tour aber nicht. Van der Poel prägte das Rennen selten selbst, während Tadej Pogačar das Gesamtklassement dominierte und andere die Schlagzeilen mit Etappensiegen setzten.
Christoph Roodhooft sieht darin keinen Grund zur Sorge. Der
Alpecin-Premier Tech-Teamchef sagte gegenüber
De Telegraaf, van der Poels Bilanz sofortiger Wirkung habe die Erwartungen auf ein Niveau gehoben, das nicht jedes Mal gelten könne, wenn er aus einem Trainingslager kommt.
„Wir sind es gewohnt, dass Mathieu normalerweise sofort da ist, aber das ist nicht realistisch“, sagte Roodhooft.
Rückenproblem bleibt Thema in der Vorbereitung
Van der Poels Rücken bleibt Teil der Diskussion um seine Tour-de-France-Form. Roodhooft stellte klar, dass ihn das aktuell nicht am richtigen Rennen hindert, räumte aber ein, dass Alpecin das Thema nicht einfach abhaken kann. „Dieses Problem wird nie ganz verschwinden“, sagte Roodhooft. „Er muss kontinuierlich daran arbeiten.“
Die jüngste Reizung trat in einer Phase auf, in der van der Poels Programm andere Anforderungen an den Körper stellte. „In dem Zeitraum, in dem Mathieu damit Probleme bekam, gab es einen klaren Grund“, erklärte Roodhooft. „Innerhalb einer Woche fuhr er drei unterschiedliche Räder. Wir haben das Mountainbike daraufhin beiseitegelassen und den Fokus weiter auf die Tour gelegt.“
Diese Umstellung prägt den Blick auf seine Schweiz-Woche. Die Mountainbike-Ziele sind aus seiner Saison nicht verschwunden, doch die unmittelbare Priorität ist die Tour de France, wo Alpecin-Premier Tech seine eigenen Etappenoptionen mit den Sprintambitionen von Jasper Philipsen ausbalancieren muss.
Mathieu van der Poel bei der Tour de Suisse 2026
Tour-de-France-Plan bleibt der eigentliche Maßstab
Alpecin hat gezielt am Mannschaftszeitfahren gearbeitet, da der Tour-Auftakt früh die Chance auf Etappensieg und Gelb bietet. Roodhooft behauptet nicht, dass die Disziplin dem Team natürlicher liegt als der Konkurrenz, sieht aber klaren Wert in der Vorbereitung.
„Ja, der erste Etappensieg und das Gelbe Trikot sind greifbar, aber wir glänzen in dieser Disziplin im Vergleich zu vielen anderen Teams nicht“, sagte Roodhooft. „Ich bin jedoch froh, dass wir damit begonnen haben, denn dann hat ein Mannschaftszeitfahren eine ganz andere Dynamik. Wenn wir den Schaden begrenzen, hat Mathieu an den Folgetagen vielleicht dennoch die Chance aufs Leadertrikot.“
Auf die direkte Frage, ob es Sorgen um van der Poel gebe, blieb Roodhooft knapp: „Nein, vorerst nicht.“
Für van der Poel steht die ruhige Schweiz-Generalprobe nun einem größeren Tour-de-France-Ziel gegenüber: den Rücken managen, die Straßenform schärfen, Philipsen unterstützen, wo nötig, und einen möglichen Weg zu Gelb offenhalten.