„Crazy January“: Mexiko und die Kanaren stellen den Radsport-Kalender 2027 auf den Kopf

Radsport
durch Nic Gayer
Isaac del Toro recons the 2026 World Championships course in Montreal
Die Radsportsaison 2027 beginnt mit spürbaren Veränderungen im Rennkalender. Die Rückkehr der Tour de Mexico und die Premiere der Vuelta Ciclista a Canarias ziehen den Auftakt für die Profis weiter nach vorne – und zwingen die Teams damit, ihre Planungen für den Formaufbau zu Saisonbeginn neu auszurichten.
Zwar bleibt die Tour Down Under vom 19.01 bis 24.01 das erste WorldTour-Rennen des Jahres, doch der internationale Rennbetrieb beginnt bereits einige Tage früher. Die Vuelta Ciclista a Canarias wird vom 14.01 bis 17.01 ausgetragen, während Mexiko zusätzlich mit einem neuen Eintagesrennen und einer Rundfahrt aufwartet.

Del-Toro-Effekt beflügelt den Radsport in Mexiko

Das Comeback internationaler Rennen in Mexiko steht in direktem Zusammenhang mit dem Wachstum des Radsports im Land – und mit dem Effekt, den Isaac del Toro ausgelöst hat. Der Fahrer von UAE Team Emirates - XRG ist zur Leitfigur des mexikanischen Radsports aufgestiegen. Seine enorme Popularität könnte nun auch für den Erfolg und die Strahlkraft der neuen Veranstaltungen von entscheidender Bedeutung sein.
Isaac del Toro konzentriert sich.
Isaac del Toro ist zur Leitfigur des mexikanischen Radsports aufgestiegen. Sein Erfolg könnte den neuen Rennen in seiner Heimat zusätzliche internationale Strahlkraft verleihen.
Ob Del Toro bei den nordamerikanischen Rennen tatsächlich an den Start gehen wird, ist allerdings noch offen. In Montreal unterstrich der Mexikaner die Bedeutung der neuen Veranstaltungen, sein Rennprogramm für 2027 muss jedoch noch gemeinsam mit UAE Team Emirates - XRG festgelegt werden. Eine Entscheidung könnte bei den letzten europäischen Terminen der Saison oder beim Teamcamp in den Emiraten Ende Oktober fallen.

Mexiko rückt im Januar wieder in den Fokus

Mexikos neuer Rennblock beginnt am 17.01 mit der Clasica de la Republica, einem Eintagesrennen in Mexiko-Stadt. Bereits zwei Tage später erfolgt der Startschuss zur Tour de Mexico. Die Etappenfahrt läuft bis zum 23.01 und bietet den teilnehmenden Mannschaften die Möglichkeit, schon früh in der Saison Rennkilometer und UCI-Punkte zu sammeln.
Das neue Projekt knüpft an den Geist der früheren Vuelta a Mexico an, die insbesondere in den 1980er- und 1990er-Jahren internationale Aufmerksamkeit erlangte – nicht zuletzt dank Raul Alcala. Nun sollen der Aufstieg von Del Toro und die neue Struktur der Federacion Mexicana de Ciclismo dazu beitragen, Mexiko wieder einen bedeutenderen Platz im internationalen Radsport-Kalender zu verschaffen.
Angekündigt wurden die beiden neuen Rennen von Bernardo de la Garza, dem Präsidenten der Federacion Mexicana de Ciclismo. Beide Veranstaltungen sind bereits offiziell im UCI-Kalender 2027 aufgeführt. Die MEX Tour erhält den Status 2.1, die Clasica de la Republica wird als Rennen der Kategorie 1.1 ausgetragen. Damit können sowohl WorldTour-Mannschaften als auch ProTeams teilnehmen.
Hinzu kommt, dass beide Rennen unmittelbar auf die mexikanischen Meisterschaften folgen, die vom 08.01 bis 10.01 angesetzt sind. Der Verband bezeichnet diesen intensiven Rennblock als „Crazy January“. Dahinter steckt der Versuch, hochklassige Wettbewerbe bereits in den ersten Wochen des Jahres zu bündeln und Mexiko im Januar zu einem internationalen Radsport-Hotspot zu entwickeln.

Auch die Kanaren ziehen den Saisonstart nach vorne

Die zweite große Neuerung im Kalender ist die Vuelta Ciclista a Canarias, die vom 14.01 bis 17.01 ausgetragen wird. Die neue Rundfahrt umfasst vier Etappen auf Gran Canaria und Teneriffa und erhält ebenfalls den Status 2.1. Dadurch können neben Continental-Teams und Nationalmannschaften auch WorldTour- und ProTeams an den Start gehen.
Gerade der frühe Termin dürfte die Veranstaltung für zahlreiche Mannschaften interessant machen. Die Kombination aus Trainingslager und unmittelbarer Rennbelastung eröffnet den Teams die Möglichkeit, ihre Trainingscamps in Spanien vorzuziehen und gleichzeitig das milde Inselklima für den gezielten Formaufbau zu nutzen.
Das könnte insbesondere für jene Mannschaften interessant werden, die ihre Wintertrainingslager traditionell auf dem spanischen Festland absolvieren. Die Kanaren bieten ideale Bedingungen, um Training und Rennbetrieb miteinander zu verbinden, ohne dafür auf die Tour Down Under oder die ersten europäischen Rennen im Februar warten zu müssen.
Mexiko setzt aus einer anderen Perspektive auf einen vergleichbaren Effekt. Die Höhenlage und die Trainingsbedingungen könnten Teams dazu bewegen, ihre Januar-Trainingslager künftig dorthin zu verlegen und die Saisonvorbereitung direkt mit ersten Renneinsätzen zu verbinden. Da bereits vom ersten Renntag an UCI-Punkte auf dem Spiel stehen, könnte die Saison 2027 deutlich früher und intensiver Fahrt aufnehmen als bislang gewohnt.
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