Die
Katalonien-Rundfahrt 2026 wird vom 23. bis 29.03.2026 ausgetragen. Seit Jahren gilt das katalanische Etappenrennen als wichtigster Bergtest des Frühjahrs und als eines der anspruchsvollsten Rennen außerhalb der Grand Tours. Regelmäßig treffen hier die besten Kletterer der Welt in den Pyrenäen aufeinander. Wir werfen einen Blick auf die 3. Etappe, deren Start für 13:40 Uhr und deren Zielankunft für 17:20 Uhr CET vorgesehen ist.
Erstmals wurde das Rennen im Jahr 1911 ausgetragen, als Sebastian Masdeu den Auftakt gewann. Während des Ersten Weltkriegs pausierte die Rundfahrt, im Zweiten Weltkrieg blieb sie hingegen Teil des internationalen Spitzenkalenders. Die Geschichte der Katalonien-Rundfahrt ist eindrucksvoll: Jacques Anquetil und Eddy Merckx feierten jeweils Seriensiege. Auch Namen wie Felice Gimondi, Bernard Thevenet, Freddy Maertens, Francesco Moser, Sean Kelly, Robert Millar, Miguel Indurain und Fernando Escartin prägten die Siegerliste noch im 20. Jahrhundert.
Im 21. Jahrhundert wurde die Rundfahrt Teil der neu geschaffenen WorldTour und entwickelte sich zu einer Bühne für Spaniens Goldene Generation mit Alberto Contador - dessen Sieg später gestrichen wurde -, Alejandro Valverde und Joaquim Rodriguez als Gesamtsiegern. Auch Nairo Quintana, Richie Porte und zuletzt zwei Slowenen trugen sich in die Siegerliste ein. 2024 gewann Tadej Pogacar die Gesamtwertung, 2025 folgte Primoz Roglic mit seinem zweiten Gesamtsieg bei dieser Rundfahrt.
Streckenprofil Etappe 3: Mont-roig Del Camp - Vila-seca
Mont-roig Del Camp - Vila-seca, 159,5 Kilometer
Der dritte Renntag beginnt in Mont-roig Del Camp und führt über 159 Kilometer. Aufmerksame Beobachter erkennen die erste Rennhälfte wieder: Das Profil entspricht weitgehend der 6. Etappe von 2022, als Richard Carapaz und Sergio Higuita das Gesamtklassement durcheinanderbrachten, während Joao Almeida und Juan Ayuso sich nicht einigten und dabei die Gesamtführung verloren.
Vor den Bergen erscheint ein identisches Drehbuch diesmal eher unwahrscheinlich. Dennoch stehen die ersten beiden Anstiege erneut im Programm, weshalb Erinnerungen an 2022 früh Attacken der Klassementfahrer auslösen könnten. Der erste Anstieg ist 10,4 Kilometer lang bei über 6 %, der zweite misst 4 Kilometer bei 4,7 %. Nicht extrem schwer, aber ausreichend, um Unruhe ins Rennen zu bringen.
Die Fahrer gestalten das Rennen - und das gilt auf dieser Etappe besonders. Bleibt das Tempo moderat und kontrolliert das Feld die Fluchtgruppe konsequent, ist ein Massensprint möglich. Zwar ist das Teilstück anspruchsvoll, doch der einzige wirklich harte Anstieg endet bereits 125 Kilometer vor dem Ziel.
Danach lässt sich das Rennen besser kontrollieren, auch wenn das Profil weiterhin Ausreißern entgegenkommt. Der letzte Anstieg des Tages liegt 44 Kilometer vor dem Ziel, ist 5,7 Kilometer lang und im Schnitt etwas über 4 % steil. Anschließend folgt eine technische Abfahrt, bevor ein rund 30 Kilometer langes Flachstück bis ins Ziel nach Vila-seca führt.
Die Favoriten
Sprint - Eine schwer zu kontrollierende Etappe. Sie kann sehr hart werden und wie vor einigen Jahren schon früh eine GC-Schlacht auslösen. Ebenso ist ein Ausreißersieg möglich - entweder durch eine frühe Gruppe oder durch Attacken an den Anstiegen - oder eben doch ein Sprint. Für letzteres braucht es jedoch viel koordinierte Arbeit.
Zunächst muss die Gruppe des Tages kontrolliert werden. Das bedeutet: früh nur wenige Fahrer ziehen lassen, danach weitere Vorstöße konsequent neutralisieren und den Vorsprung vor dem ersten großen Anstieg kontrolliert auf einige Minuten anwachsen lassen. Erreicht das Peloton diesen Punkt geschlossen, formieren sich vorne starke Kletterer - kaum noch einzuholen.
Zweitens braucht es intensive Führungsarbeit von zwei Teams: INEOS Grenadiers für
Dorian Godon und Uno-X Mobility für
Magnus Cort Nielsen. INEOS trägt das Leadertrikot, und Godon kommt gut über die Hügel - genügend Gründe also für Tempoarbeit. Uno-X Mobility reist bereits mit einem Etappensieg an, zudem zeigt Cort starke Form. Diese beiden Teams werden den Rennverlauf entscheidend beeinflussen.
Kommt es zu diesem Szenario, dürften einige reine Sprinter unterwegs abgehängt werden. Fahrer wie Thomas Silva und Francesco Busatto könnten dann um den Sieg kämpfen. Ivo Oliveira und Noah Isidore überzeugten bereits auf der vorherigen Etappe, auch sie zählen zu den Kandidaten. NSN Cycling Team wäre mit Ethan Vernon, Jake Stewart und Brady Gilmore ebenfalls zu nennen, doch nach der jüngsten Enttäuschung bleibt offen, wer tatsächlich in Form ist und ob das Team daraus Kapital schlagen kann.
GC - Dieses Szenario darf man ebenfalls nicht unterschätzen. Teams mit großer Kaderbreite sollten die Chance nutzen und Team Visma - Lease a Bike unter Druck setzen. Red Bull - BORA - hansgrohe bietet ein gutes Beispiel: Remco Evenepoel steht zwar stets unter Beobachtung, doch auf den vielen welligen Passagen könnte er opportunistisch attackieren. Das würde Florian Lipowitz und Jai Hindley mehr Freiraum verschaffen als gewöhnlich - eine Chance, die sich nutzen lässt.
Ähnlich stellt sich die Situation bei UAE Team Emirates - XRG dar. Joao Almeida fehlt hier möglicherweise die Explosivität für entscheidende Attacken, doch mit Marc Soler, Brandon McNulty und Jay Vine erscheint es kaum vorstellbar, dass keine Angriffe folgen. Je nach Intensität solcher Vorstöße könnte ein Finale mit kleiner Gruppe ohne klassische Sprinter entstehen. Tom Pidcock würde davon profitieren, ebenso Ben O'Connor und Richard Carapaz, die regelmäßig offensive Rennen fahren.
Platzt das Klassement früh, rücken zahlreiche weitere Fahrer in den Fokus. Besonders die genannten Namen sollte man im Rennverlauf genau beobachten.
Ausreißer - Das wohl gefährlichste Szenario auf einer Etappe mit vielen Anstiegen und ebenso vielen Abfahrten, auf der die Nachführarbeit schwierig ist. Baptiste Veistroffer dürfte erneut versuchen, sich in Szene zu setzen.
Gefragt sind vor allem Kletterer außerhalb des Gesamtklassements oder Fahrer ohne unmittelbare Gefahr für die Topfavoriten. Lidl-Trek könnte diese Gelegenheit früh nutzen, etwa mit Giulio Ciccone oder Derek Gee, sofern beide einen guten Tag erwischen. Georg Steinhauser, Andreas Leknessund, Juan Pedro Lopez, Einer Rubio, Guillaume Martin, Abel Balderstone, Stefan de Bod und Byron Munton zählen ebenfalls zu den interessanten Optionen.
Prognose Volta a Catalunya 2026 Etappe 3
*** Dorian Godon, Magnus Cort Nielsen
** Tom Pidcock, Remco Evenepoel
* Ivo Oliveira, Thomas Silva, Francesco Busatto, Ethan Vernon, Marc Soler, Andreas Leknessund, Baptiste Veistroffer
Unser Tipp: Magnus Cort Nielsen
Wie: Sprint eines reduzierten Feldes.
Original: Rúben Silva