Jarno Widar hat am Dienstagnachmittag in Varese die
Tre Valli Varesine gewonnen. Überschattet wurde das Rennen jedoch von einem schweren Zwischenfall, der von keiner Kamera eingefangen wurde. Zwei Fahrer des Pinarello - Q36.5 Pro Cycling Team wurden von einem Motorrad erfasst, das ihnen auf der Rennstrecke entgegenkam. Wie es zu dieser gefährlichen Situation kommen konnte, ist bislang unklar.
Womöglich wäre der Vorfall weitgehend unbemerkt geblieben, hätte
Tom Pidcock vom Pinarello - Q36.5 Pro Cycling Team ihn anschließend nicht öffentlich gemacht. Nach Angaben des Briten ereignete sich die Kollision etwa „sechs oder sieben Runden vor dem Ziel“.
Polizeimotorrad fährt dem Peloton entgegen
Das Schweizer Team befand sich zu diesem Zeitpunkt an der Spitze des Pelotons, als ein Polizeimotorrad dem Fahrerfeld entgegenkam und zwei Profis der Mannschaft erfasste. Unter welchen Umständen das Motorrad in entgegengesetzter Richtung auf die Rennstrecke gelangte, ist bislang nicht geklärt.
Besonders schwer wiegt der Vorfall vor dem Hintergrund des Todes von Finlay Tarling, der frontal von einem Fahrzeug erfasst worden war, das auf die Strecke der Volta a Portugal gefahren war. Die Tragödie ist im Peloton noch immer sehr präsent.
Erschreckenderweise war der Zwischenfall bei Tre Valli Varesine zudem nicht der erste dieser Art in dieser Woche. Bereits am Vortag war in der TV-Übertragung bei strahlendem Tageslicht zu sehen gewesen, wie bei der
Coppa Bernocchi ein Fahrzeug auf die Rennstrecke fuhr.
Auch die Kollision bei Tre Valli Varesine wäre beinahe ohne größere öffentliche Aufmerksamkeit geblieben. Zum Zeitpunkt des Vorfalls gab es keine Liveübertragung. Obwohl sich die beiden betroffenen Fahrer an der Spitze des Pelotons befanden, wurde der Zwischenfall deshalb zunächst kaum wahrgenommen.
„Ein Polizeimotorrad fuhr auf der Strecke in die falsche Richtung und kollidierte mit zwei unserer Jungs“, schilderte Pidcock die Situation. Der Brite machte deutlich, wie sehr ihn der Vorfall während des Rennens beschäftigte: „Von diesem Moment an … Zunächst wollte ich, dass das Rennen angehalten wird. Aber ich hörte selbst auf zu fahren und war wütend. Vor mir fuhren all diese Jungs für mich, und zwei von ihnen lagen auf dem Boden.“
Etwas mehr als 100 Kilometer vor dem Ziel wurde schließlich der Rückzug von Tom Gloag gemeldet. Kurz darauf wurde deutlich, was hinter seinem vorzeitigen Rennende steckte.
Pidcock zufolge musste Gloag infolge der Kollision am Knie genäht werden. Der spanische Meister Camprubi konnte das Rennen hingegen fortsetzen.
Camprubi zeigt nach Kollision mit Polizeimotorrad sein beschädigtes Fahrrad
Unbeschadet überstand allerdings auch der Spanier den Zwischenfall nicht. Auf Instagram veröffentlichte Camprubi nach dem Rennen ein Bild seines Fahrrads, auf dem die Schäden infolge der Kollision zu sehen waren.
Marcel Camprubis Fahrrad im Ziel der Tre Valli Varesine.
Der Pinarello-Fahrer fand anschließend deutliche Worte für die gefährliche Situation und stellte sie in den Kontext der jüngsten Tragödie im Radsport. „Traurig, dass man sein Leben riskieren muss, um Rennen zu fahren – nur einen Monat nach einem tragischen Unfall“, schrieb Camprubi.
Im Peloton nehmen die ernsthaften Sorgen um die Sicherheit im Radsport damit weiter zu. Schwere Stürze sorgen immer wieder für gefährliche Situationen, hinzu kommen Fahrzeuge, die auf Rennstrecken gelangen – Vorfälle, die mitunter tragische Folgen haben.