Tadej Pogacar hat bei der
Tour de France mit seinen dominanten Auftritten auf den Schlüsseltappen des Gesamtklassements ein deutliches Ausrufezeichen gesetzt. Nach seinen Solosiegen auf den Etappen sechs und zehn führt der Weltmeister das Klassement mit komfortablem Vorsprung an und hat
Jonas Vingegaard klar distanziert.
Doch bei
Visma - Lease a Bike ist der Glaube an eine Wende im Kampf um das Gelbe Trikot trotz der schwierigen Ausgangslage ungebrochen. Teamkollege
Bruno Armirail ist überzeugt, dass Vingegaard vor allem in der dritten Tour-Woche noch einmal zulegen und Pogacar unter Druck setzen kann.
Visma - Lease a Bike setzt auf Vingegaards Stärke in der Schlusswoche
Nach einigen schnellen Sprint- und Ausreißeretappen wartet nun ein Bergwochenende der Extraklasse. Mit einem Rückstand von 3:36 Minuten auf Pogacar könnte das Rennen um das Gelbe Trikot entweder bereits eine Vorentscheidung erleben – oder, falls bei Visma - Lease a Bike alles nach Plan läuft, noch einmal völlig neu entfacht werden.
Jonas Vingegaard will Tadej Pogacar in der entscheidenden Schlusswoche der Tour de France noch einmal unter Druck setzen.
Allerdings sind die personellen Voraussetzungen alles andere als ideal. Matteo Jorgenson ist angeschlagen, sodass Vingegaard in den Hochalpen voraussichtlich nur auf Sepp Kuss und Davide Piganzoli als Berghelfer bauen kann. Entsprechend stellt sich die Frage, wie das niederländische Team die aktuell äußerst starke Mannschaft um Pogacar in Bedrängnis bringen will.
Dennoch zeigt sich Armirail vor dem anspruchsvollen Wochenende optimistisch. Gegenüber
IDL Procycling betonte der Franzose, dass sich Vingegaard in einer guten Verfassung befinde und das Vertrauen innerhalb der Mannschaft groß sei.
„Jonas ist in guter Verfassung. Wir werden sehen, was dieses Wochenende passiert“, sagte Armirail.
„Auf jeden Fall sind wir zuversichtlich und hoffen, dass er mindestens Platz zwei hält … und warum nicht, dass er Platz eins holt.“
Armirail sieht Vingegaard auf Augenhöhe mit Pogacar
Selbst wenn für Visma - Lease a Bike alles perfekt laufen sollte, rechnet Armirail allerdings nicht damit, dass Vingegaard bereits nach diesem Wochenende das Gelbe Trikot übernehmen kann. Der Franzose ist jedoch überzeugt, dass sein Kapitän am Berg durchaus auf dem Niveau von Pogacar klettert.
Als Beispiel nennt er den Anstieg zum Col du Tourmalet auf Etappe sechs. Dort habe letztlich vor allem Pogacars explosive Beschleunigung den Unterschied ausgemacht. Den Vorsprung habe der Slowene anschließend in der Abfahrt und auf einer flacheren Passage weiter ausgebaut.
„Das wird nicht dieses Wochenende passieren. Denn es gibt schließlich einen großen Unterschied. Aber vielleicht gegen Ende der Tour.“
„Wir haben am Tourmalet gesehen, dass er den Anstieg nicht weit dahinter beendet hat. Der Unterschied entstand in der Abfahrt danach. Betrachtet man nur den Tourmalet, verliert er etwas Zeit durch Pogacars Beschleunigung, aber dann klettert er nahezu im gleichen Tempo.“
„Er ist oft in der dritten Woche am stärksten“
Für Armirail, der als Rouleur vor allem in den Flusstälern und auf den ersten Anstiegen wichtige Arbeit für seinen Kapitän verrichtet, steht fest, dass Pogacar trotz seiner Dominanz nicht unschlagbar ist. Gleichzeitig räumt er ein, dass Vingegaards Giro d'Italia im Mai im weiteren Rennverlauf durchaus eine Rolle spielen könnte.
„Er ist oft in der dritten Woche am stärksten, also werden wir sehen, wie es läuft. Wir sind wirklich zuversichtlich. Wir schauen, wie er sich erholt, wie wir uns erholen und wie Tadej sich erholt.“
Er ergänzte: „Jonas ist natürlich den Giro gefahren, daher könnte er etwas müde sein. Die dritte Woche wird sehr hart, und in dieser Zeit werden wir alles tun, um das bestmögliche Resultat zu erzielen.“
Besonders beeindruckt hat Armirail seit seinem Wechsel zu Visma - Lease a Bike in dieser Saison die ruhige Art des Dänen. Vingegaard sei ein außergewöhnlich gelassener Anführer, der seinen Teamkollegen Vertrauen vermittle.
„Er ist ein sehr ruhiger Fahrer und Anführer. Das ist wirklich großartig. Er ist sehr zen, das ist echt cool. Das ist besser als ein Teamleader, der nur Druck macht. Er ist ein großartiger Mensch, der zudem Vertrauen vermittelt.“