„Ihn zur Tour de France zu schicken, wäre frustrierend“ – Voigt glaubt nicht, dass Seixas in dieser Saison fahren sollte

Radsport
Freitag, 01 Mai 2026 um 7:00
Paul Seixas bei Lüttich–Bastogne–Lüttich 2026
Paul Seixas ist nach seinem Auftritt bei Lüttich–Bastogne–Lüttich zum Senkrechtstarter des internationalen Radsports geworden.

Paul Seixas Aufstieg: Talent, Hype und Voigts Tour-Plan

Mit 19 Jahren hat der Franzose vom Decathlon CMA CGM Team gezeigt, dass er am Tisch der Top-Kapitäne sitzt – und sogar den großen Tadej Pogacar bis in die Schlusskilometer unter Druck setzen kann.
Nach seinen brillanten Siegen bei der Baskenland-Rundfahrt und La Flèche Wallonne wurde Seixas im belgischen Monument Zweiter – vor etablierten Stars wie Remco Evenepoel und Egan Bernal. Das Ergebnis hat in Frankreich eine echte Euphorie entfacht in der Hoffnung, endlich den Erben zu finden, der mehr als vier Jahrzehnte ohne Toursieg beendet.
Dennoch mahnen erfahrene Stimmen des Sports zur Vorsicht bei diesem kometenhaften Aufstieg. Jens Voigt, Eurosport-Analyst und Ex-Profi, zögerte nicht, den jungen Franzosen als Jahrhunderttalent zu bezeichnen und ihn in eine Reihe mit den frühen Jahren von Legenden wie Bernard Hinault oder Laurent Jalabert zu stellen.
Laut Voigt ist Seixas der erste Fahrer seit Langem, der Pogacars Tempo an den steilsten Anstiegen mitgehen kann. Er betont, „er ist ein Talent dieses Jahrhunderts. Er ist der rechtmäßige Nachfolger von Tadej Pogacar, weil er als Erster sehr lange bei ihm bleibt.“

Paul Seixas, Pogacars Erbe

Gleichzeitig warnt der Deutsche davor, Entwicklungsschritte zu überspringen, und hebt die Fragilität eines Fahrers in seinem Alter hervor, wenn er den extremen Anforderungen einer Grand Tour ohne die psychologische Reife zur Verarbeitung von Rückschlägen begegnet.
Die Debatte über seine Teilnahme an der nächsten Tour de France liegt auf dem Tisch, doch Voigt ist eindeutig. Er ist zwar der Meinung, Seixas solle zur Lernkurve starten, lehnt aber klar ab, dass er in dieser Phase seiner Karriere um Gelb fahren sollte.
Der Experte weist darauf hin, dass das Décathlon-Team trotz starker Arbeit noch nicht über die Infrastruktur und Erfahrung verfügt, um bei der größten Rundfahrt der Welt einen Kapitän gegen Mannschaften mit riesigen Budgets zu schützen. In diesem Zusammenhang sagt Voigt: „Das Team ist dieses Jahr dafür nicht bereit. Es fehlt an taktischer Schlagkraft und an der Stärke, ein Trikot zu tragen und zu verteidigen. Das wäre für den Jungen eine frustrierende Erfahrung.“

Druck der französischen Medien

Der Mediendruck in Frankreich ist ein weiterer Risikofaktor, den der erfahrene Deutsche benennt. Da die Presse stets nach neuen nationalen Helden sucht, könnte die Erwartungslast bei einem Fahrer zurückschlagen, der sein Potenzial gerade erst entdeckt.
Voigts Empfehlung ist klar: Seixas zur Grande Boucle schicken – ohne Verpflichtung, auf die Gesamtwertung zu schauen, mit Fokus ausschließlich auf Etappensiege und tägliches Lernen.
Für den Analysten muss das Ziel langfristig sein: „Ich würde ihm sagen: Junge, fahr als Etappenjäger hin, schau, lerne etwas, aber vergiss die Gesamtwertung. In zwei Jahren ist er ein legitimer Kandidat fürs Podium oder sogar den Gesamtsieg.“
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