Marlen Reusser ist eine Fahrerin mit unbestreitbarem Talent in Bergen und Zeitfahren – nahezu die perfekte Etappenjägerin. Doch ihre Saison 2026 verlief bis diese Woche schwierig. Bei der
Tour de Suisse Women zeigte die Zeitfahr-Weltmeisterin in Villars-sur-Ollon jedoch erneut ihr Top-Niveau und
machtet den Gesamtsieg perfekt.
„Das ist wirklich cool. Ich hätte mir nichts Besseres wünschen können. Ich bin sehr glücklich über diesen Sieg“, sagte Reusser im Ziel. „Alles lief nach Plan. Ich bin nicht mit riesigem Selbstvertrauen ins Rennen gegangen, aber es ist die Tour de Suisse. Da müssen wir es einfach versuchen. Man weiß ja nie.“
Die Schweizerin stieg bei der UAE Tour Women aus, verpasste die Kopfsteinpflaster-Klassiker weitgehend und verlor beim Giro Donne am Schlusstag nach einem Einbruch einen sicheren Top-5-Platz. Körperliche Probleme, vor allem Rückenschmerzen, bremsten sie deutlich.
Diese Woche war das anders. Der Gesamtsieg ist nun offiziell, auch wenn ihre Kletterbeine auf Etappe 2 nicht an jene ihrer größten Rivalin heranreichten. „Da war diese Etappe, auf der Elisa [Longo Borghini] so viel Zeit gutmachen konnte, auch weil wir falsch abgebogen sind. In dem Moment dachte ich: Den Gesamtsieg zu holen ist jetzt fast unmöglich. Dass es am Ende doch geklappt hat, macht mich wirklich superglücklich.“
Marlen Reusser gewann an diesem Sonntag die Tour de Suisse Women
Reusser kontrolliert auf der Königsetappe
Auf der Königsetappe mit dem 19 Kilometer langen Col de la Croix fuhr Reusser in einer Spitzengruppe mit Femke de Vries und Katarzyna Niewiadoma, die das Gelbe Trikot früh unter Druck setzten. Doch wie tags zuvor beim dominanten Zeitfahrsieg behielt sie auf den langen Anstiegen die Kontrolle, während Elisa Longo Borghini das Tempo nicht halten konnte.
„Heute konnte ich auch von der Situation im Gesamtklassement profitieren. Ich durfte die anderen ein bisschen mehr beobachten, das machte einen großen Unterschied. Ich fühlte mich lange sehr gut, aber am Ende war es auch für mich ein Kampf“, gibt sie zu. „Kasia [Niewiadoma] hat auf dem Schlussanstieg enorm viel Führungsarbeit geleistet, das spielte mir in die Karten.“
Das Duo setzte sich vom Feld ab, und obwohl Cédrine Kerbaol in den letzten Kilometern zurückkam, hielt Reusser noch Reserven. Auf dem letzten Kilometer lancierte sie den Angriff zum Etappensieg und krönte damit auch den Triumph im Gesamtklassement.
„Dieser Sieg ist vielleicht noch ein bisschen spezieller. Bei meinen anderen Erfolgen wusste ich, dass die Form gut ist. Diesmal hatte ich im Vorfeld Probleme. Zwischen dem Giro und der Schweiz haben wir hart daran gearbeitet, meine körperlichen Themen zu lösen – das hat sich ausgezahlt. Ich habe noch etwas Rückenschmerzen, aber die Beine fühlten sich deutlich besser an“, sagt sie. „Darüber bin ich sehr froh.“
Siegkandidatin für die Tour de France Femmes?
Mit dieser Form wird die 34-Jährige bei der Tour de France Femmes zur ernsthaften Konkurrentin für Fahrerinnen wie Demi Vollering, Pauline Ferrand-Prévot und Paula Blasi. Entscheidend werden Konstanz und die vollständige Überwindung der Blessur sein.
„Das ist auch eine gute Nachricht für die Tour de France. Ich habe jetzt wieder Selbstvertrauen. Nach dem Giro war ich nicht wirklich optimistisch, aber jetzt sieht es viel besser aus“, schloss sie.