„Er wird nicht 80 Kilometer vor dem Ziel allein fahren“ – Analysten zu den Taktiken von Mathieu van der Poel und Alpecin beim Omloop

Radsport
Freitag, 27 Februar 2026 um 7:00
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Die neue Klassiker-Saison beginnt in Belgien mit dem stets unberechenbaren Omloop Het Nieuwsblad, dem traditionsreichen Auftakt der großen Nord-Rennen, der sich über Jahrzehnte als erster echter Formtest für Spezialisten auf Kopfsteinpflaster und windanfälligem Terrain etabliert hat. An diesem Samstag richtet sich der Blick auf Mathieu van der Poel, der diese Klassiker-Premiere für seinen Straßeneinstieg gewählt hat.
Omloop ist weit mehr als nur ein weiteres Februar-Rennen. Der verwinkelte Kurs mit kurzen, explosiven Anstiegen wie dem Bosberg und langen, offenen Straßen Richtung Ninove verlangt eine seltene Kombination aus Wucht und taktischem Gespür.

Langdistanz-Angriff?

Anders als in anderen Klassikern, in denen allein das Kopfsteinpflaster entscheidet, können hier Positionierung im Feld und die Reaktion auf Seitenwind ausschlaggebend sein. Die jüngere Rennhistorie zeigt, dass sowohl lange Soli als auch Sprints kleiner Gruppen den Sieger bestimmten – ein weiterer Beleg für die Unberechenbarkeit.
Nach Einschätzung von Sporza-Analysten José De Cauwer und Christoph Vandegoor ist ein früher Alleingang von Van der Poel nicht zwingend zu erwarten – „Er wird nicht 80 Kilometer vor dem Ziel losfahren.“ Stattdessen deute die Prognose eher auf Entscheidungen im Feld hin.
Vandegoor fasste die Idee mit einem interessanten Vergleich: „Es ist ein hinkender Vergleich, aber ich hoffe auf etwas Ähnliches wie bei seinem ersten Cross in Namur. Dort war er auch nicht dominant, hat aber gewonnen. Auf diesem miserablen Betonabschnitt nach dem Bosberg bekommst du ein anderes Rennen.“
Der Verweis auf den Betonabschnitt nach dem Bosberg ist aufschlussreich. Dieser oft dem Seitenwind ausgesetzte Streckenabschnitt kann die Gruppe spalten und heftige Verfolgungen auslösen. Die offene Straße Richtung Ninove ist bekannt für das Entstehen von Fächern. Genau in einem solchen Szenario kann Van der Poel den Unterschied machen – nicht nur mit einem Angriff, sondern auch, indem er das Tempo diktiert und gefährliche Bewegungen kontrolliert.
„Denn mit ihm hast du einen großen Motor, der im Wind eine Gruppe wieder ins Rennen bringen kann.“ Das Zitat unterstreicht die Vielseitigkeit des Niederländers. Er ist nicht nur ein explosiver Angreifer, sondern auch ein kraftvoller Motor, der die Spitze fahren und das Rennen im Sinne seiner Mannschaft formen kann. Das macht ihn sowohl offensiv als auch in der Rennsteuerung gefährlich. Schon seine Präsenz verändert die Dynamik im Peloton, schärft die Aufmerksamkeit der Rivalen und erhöht die taktische Spannung.
Zugleich macht ihn diese zentrale Rolle zum Hauptmarkierten. „Da könnte von ihm auch noch mehr kommen.“ Unweigerlich ist er der Referenzpunkt. Jede Beschleunigung wird eng beobachtet, jede Bewegung mit Skepsis analysiert.

Eine Waffe namens Philipsen

Ein weiterer Faktor, den José De Cauwer hervorhob, ist zu berücksichtigen. „Er kann auch pokern, weil er Philipsen im Team hat.“ Die Präsenz von Jasper Philipsen verleiht der Taktik eine entscheidende Dimension. Mit einem der schnellsten Finisher des Pelotons als alternative Karte kann Van der Poel das Rennen geduldiger anlegen. Er kann antizipieren, das Rennen verhärten oder auf eine verkleinerte Gruppe warten, in der Philipsen den Sack zumachen kann.
Diese Partnerschaft versetzt Alpecin - Premier Tech am Start in eine privilegierte Position. Die belgische Mannschaft hat in den vergangenen Saisons gezeigt, dass sie auf mehreren Ebenen agieren kann – zwischen purer Offensive und strategischer Kontrolle. „Persönlich erwarte ich viel von ihm. Philipsen braucht immer ein paar Rennen, um auf Touren zu kommen, und die hat er bereits in den Beinen.“
Eine Sache scheint beim Omloop Het Nieuwsblad klar. „Mathieu wird kein Störfeuer zünden“, sagte Vandegoor. Das Bild steht für Zurückhaltung und Klarheit – zwei Qualitäten, die in einem Rennen, das Jahr für Jahr die Klassiker-Saison mit maximaler Intensität eröffnet, so wertvoll sein können wie rohe Kraft.
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