„Ein langer Berg gibt mir zu viel Zeit zum Nachdenken“: Tom Pidcock spricht offen über seine Tour-Frustration

Radsport
durch Nic Gayer
Dienstag, 14 Juli 2026 um 17:00
Tom Pidcock and Mathieu van der Poel on stage 9 of the 2026 Tour de France
Tom Pidcock zählt zweifellos zu den talentiertesten Fahrern im Peloton. Doch der Brite vom Q36.5 Pro Cycling Team muss bei dieser Tour de France feststellen, dass das Rennen seinen Stärken nur bedingt entgegenkommt. Statt explosiver Entscheidungen prägen lange, kräftezehrende Belastungen den Rennverlauf – und genau das macht die Frankreich-Rundfahrt für ihn zu einer mentalen Herausforderung.
Nach seinem dritten Gesamtrang bei der Vuelta a España im vergangenen Jahr hatte Pidcock bewiesen, dass er auch über drei Wochen auf höchstem Niveau konkurrenzfähig sein kann. Die Voraussetzungen waren dort allerdings andere: Das Streckenprofil bot kürzere Belastungen und häufig nur eine Bergankunft pro Etappe – ein Szenario, das dem vielseitigen Briten deutlich besser lag.

Pidcock vermisst die explosiven Rennsituationen

„Die Vuelta habe ich letztes Jahr mit fortschreitendem Rennen richtig genossen“, erklärte Pidcock, der die Spanien-Rundfahrt hinter Jonas Vingegaard und João Almeida auf Rang drei beendete. Die diesjährige Tour de France erlebt er dagegen völlig anders.
Tom Pidcock auf Etappe 9 der Tour de France 2026.
Tom Pidcock hadert mit dem Streckenprofil der Tour de France, blickt aber bereits auf seine nächsten großen Karriereziele.
In einem Rennen, das von UAE Team Emirates - XRG kontrolliert wird und in dem die entscheidenden Belastungen häufig über viele Stunden ausschließlich auf Ausdauer basieren, fehlen Pidcock in den Schlüsselmomenten die Beine, die er sich erhofft hatte.
„Jeden Tag kämpfst und leidest du, ohne täglich um den Sieg fahren zu können. Manchmal leidest du nur, um die Verluste zu begrenzen. Das ist mental sehr schwer für mich“, sagte Pidcock im Gespräch mit QuiBiciSport.
Zu Beginn der zweiten Rennwoche belegte der Brite den 13. Platz im Gesamtklassement und lag 9:40 Minuten hinter dem Führenden Tadej Pogacar. Die Top 10 bleiben dennoch in Reichweite: Auf den zehntplatzierten Egan Bernal fehlen lediglich 28 Sekunden. Gleichzeitig muss sich Pidcock im Klassement gegen ausgewiesene Kletterspezialisten wie Tobias Johannessen und Ilan Van Wilder behaupten.
Die Tour de France verläuft damit völlig anders, als es seinen Stärken entspricht. Seine Explosivität kommt kaum zur Geltung, wenn die entscheidenden Momente erst nach stundenlangen Höchstbelastungen folgen. „Und dann diese langen Anstiege… Ich bin jemand, der Abwechslung und Rennen mit kurzen Anstiegen mag. Ein langer Berg gibt mir zu viel Zeit zum Nachdenken.“

Das Regenbogentrikot bleibt Pidcocks großes Ziel

Auf der 9. Etappe bot sich Pidcock schließlich eine Gelegenheit, die seinem Fahrertyp deutlich besser entgegenkam. Trotz der extremen Hitze schaffte er den Sprung in die Ausreißergruppe des Tages, musste sich im Finale jedoch mit Rang drei hinter Etappensieger Mathieu van der Poel zufriedengeben. Der Brite präsentierte sich offensiv und angriffslustig, ehe Schaltprobleme seine Hoffnungen auf den Sieg zunichtemachten.
Mit seinem Auftritt unterstrich Pidcock einmal mehr, dass seine Qualitäten weit über den Kampf um das Gesamtklassement bei Grand Tours hinausgehen. Der vielseitige Allrounder verfolgt auch langfristig noch große Ziele.
„Mein großes Ziel war, meinen Olympia-Titel im Mountainbike in Paris nach Tokio zu verteidigen. Danach habe ich mir gesagt: ‚Ich will den entscheidenden Schritt Richtung Sieg bei einem Monument machen.‘ Und dann ist das Regenbogentrikot natürlich das ultimative Ziel“, erklärte Pidcock.
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